Europas Wirtschaft unterstützt Trump

26. September 2016, 11:07
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Europäische Unternehmensvertreter in den USA sehen den Wahlen gelassen entgegen und unterstützen mit Spenden die Republikaner

Trump-Bashing gehört zum guten Ton in Europa, und bis zu den Präsidentschaftswahlen in den USA am 8. November dürfte sich die tägliche Dosis aus Staunen, Spott und Sorge noch um einiges steigern – proportional zu den jeweils neuesten Ausfällen und Ankündigungen des republikanischen Kandidaten.

Dieser Reflex birgt allerdings ein Dilemma für eine Gruppe, die im Alltag des transatlantischen Verhältnisses von zentraler Bedeutung ist: europäische Firmenvertreter in den USA. Immerhin fließen jedes Jahr 1,7 Bio. Dollar Direktinvestitionen aus Europa in die Vereinigten Staaten.

"Erschreckend" und "verunsichernd"

In öffentlichen Statements sagen die europäischen Unternehmensrepräsentanten oft genau das, was die meisten Europäer zu Hause eben hören wollen. Trumps rasanter Aufstieg sei "erschreckend", sagte beispielsweise Martin Richenhagen, deutschstämmiger CEO des US-Landmaschinenherstellers AGCO und Vorstandschef der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern, gegenüber der FAZ. Damit spricht er mehr als 80 Prozent der Europäer aus der Seele. So viele haben Furcht vor Trump, wie eine Umfrage des renommierten Pew-Instituts herausfand.

Von "Verunsicherung" und "Sorge" berichteten auch Firmenvertreter bei Connect Austria, einem von der österreichischen Wirtschaftskammer WKO jährlich veranstalteten Netzwerkforum, das dieses Jahr in Atlanta im Bundesstaat Georgia stattfand. Einige deutsche Mittelständler, die eine US-Niederlassung in Erwägung zögen, hätten ihre Pläne erstmal auf Eis gelegt, raunen ferner Wirtschaftsförderer.

Businessregion Südosten

Indes, die Realität in Amerika zeichnet ein etwas anderes Bild. Ausländische Unternehmensansiedlungen in den USA ziehen seit Jahren an. Vor allem der Südosten, der geografische Gürtel von Texas bis Virginia, hat sich zur boomenden Businessregion entwickelt. Allein in Georgia haben sich 1200 Firmen aus Europa niedergelassen, darunter 450 aus Deutschland und 60 aus Österreich.

Besonders ausländische Autobauer zieht es zunehmend gen Süden. Zwei deutsche Premiumhersteller, Porsche und Mercedes, haben in Atlanta ihren US-Firmensitz. Ferner produzieren zahlreiche Zulieferer in Georgia, darunter Voestalpine aus Österreich und ZF Friedrichshafen aus Deutschland.

Investitionsanreize für Europäer

Niedrige Steuern, niedrige Lohnkosten, geringer Einfluss der Gewerkschaften und großzügige Investitionsanreize – das sind die wichtigsten Gründe, warum sich viele europäische Hersteller im Süden ansiedeln. Dabei sind die meisten Südstaaten "red states", also republikanisch regiert, und das unternehmensfreundliche Klima ist in erster Linie ein Resultat republikanischer Wirtschaftspolitik.

Kein Zufall also, dass die meisten deutschen Konzerne in Nordamerika – darunter Bayer, BASF, Siemens, Allianz und die Deutsche Bank – indirekt über Wahlkampfspenden ihrer Mitarbeiter die republikanische Seite unterstützen.

Viele europäische Manager und Unternehmer lehnen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton strikt ab (auch AGCO-Chef Richenhagen verkündete übrigens, er halte Clinton als Präsidentin für ungeeignet) – ganz einfach, weil sie ihre Interessen schlecht vertreten sehen. Sie positionieren sich deshalb häufig nach dem ABC-Motto: Anything but Clinton – Alles außer Clinton. Was im de-facto-Zweiparteiensystem der USA nicht viele Alternativen lässt.

Dennoch – und wider alle Aufregung in Europa – sehen die meisten europäischen Firmenvertreter den Wahlen insgesamt gelassen und mit viel Pragmatismus entgegen. "Bei uns wird Business as usual herrschen – wer auch immer im November gewinnt", sagte mir der Mitarbeiter eines deutschen Konzerns in Atlanta. Schließich werde ein Präsident nur für vier Jahre gewählt. "Aber wir planen mit unseren Direktinvestitionen in den USA für 40 Jahre, oder länger." Und dann ist auch das rituelle Trump-Bashing längst Geschichte. (Katja Ridderbusch aus Atlanta, 26.9.2016)

  • Das Mercedes-Benz American-Football- und Fußballstadion in Atlanta befindet sich derzeit noch in Bau. Mercedes ist nicht die einzige europäische Topfirma, die im Südosten der USA massiv investiert.
    foto: ap/goldman

    Das Mercedes-Benz American-Football- und Fußballstadion in Atlanta befindet sich derzeit noch in Bau. Mercedes ist nicht die einzige europäische Topfirma, die im Südosten der USA massiv investiert.

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