Eskalation in Aleppo: Alles in Bewegung in Syrien

Kommentar25. September 2016, 18:26
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Russland hatte – anders als die USA – einen Plan B, falls die Waffenruhe nicht funktioniert

Acht Monate, um einen US-russischen Deal für eine Waffenruhe in Syrien auszuhandeln, weniger als acht Tage, um ihn zu zerstören: Und den Preis zahlen die Zivilisten in Aleppo, die im Bombenhagel sterben. Russland demonstriert, dass es – anders als die USA – immer einen Plan B hat: Dann werden eben in Ostaleppo neue militärische Tatsachen zugunsten des Assad-Regimes geschaffen, bevor man wieder zu verhandeln beginnt.

Der Deal, dessen Scheitern und die Wiederaufnahme der Kämpfe sowie die – angesichts der Lage in Aleppo – fast nicht beachtete türkische Bodenoffensive bringen jedoch gleichzeitig die Rebellenlandschaft in Bewegung: Manche distanzieren sich von der auch in Aleppo kämpfenden Al-Kaida-Filiale Nusra/Fatah-Front, die von der International Syria Support Group (ISSG) soeben wieder klar als Terrororganisation definiert wurde, manche strömen ihr zu. Und Rebellengruppen spalten sich auch entlang der Frage, ob sie sich der türkischen Offensive gegen den "Islamischen Staat" (und die Kurden) anschließen sollen.

Präsident Tayyip Erdogans harte Worte gegen die USA bei der Uno-Vollversammlung zeigen das Driften der Türkei in Richtung Russland. Und wenn Ägyptens Präsident Abdulfattah al-Sisi bei der Uno deklariert, dass ihn Assad nicht interessiert, sondern nur der Kampf gegen "Terroristen", dann wird das Saudi-Arabien nicht freuen. Auch auf regionaler Ebene gerät viel in Bewegung im Syrien-Krieg. (Gudrun Harrer, 25.9.2016)

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