Nobelpreisträger: Globale Geldschwemme hilft Wachstum nicht

25. September 2016, 17:58
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Prescott sieht Tilgung öffentlicher Schulden durch die Hintertür

Frankfurt – Die weltweit anhaltende Geldschwemme verfehlt aus Sicht des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Edward Prescott ihr Ziel, das Wachstum auf breiter Front stärker anzutreiben. Die Politik massiver Anleihenkäufe, die die Geldmenge immer mehr erhöht, und die Niedrigzins-Strategie der mächtigsten Notenbanken hätten keine größeren Auswirkungen auf die Realwirtschaft, sagte der US-Ökonom der "Welt am Sonntag".

Dabei gerieten die Zentralbanken, die eigentlich neutral agieren sollen, zunehmend unter politischen Druck, mahnte der Nobelpreisträger des Jahres 2004. Es sei "erwiesen, dass Geldpolitik keine nachhaltigen Effekte auf Wachstum und Beschäftigung hat".

Etliche Ökonomen vertreten diese These von der "Neutralität" des Geldes. Befürworter der Billionen-Geldschöpfung argumentieren dagegen, dass etwa niedrige Zinsen die Kreditvergabe – und damit indirekt auch Investitionen und Konsum – ankurbeln.

Schuldentilgung durch die Hintertür

Prescott betonte, dass Regierungen die Notenbanken über das Zinstief beispielsweise auch zur Schuldentilgung durch die Hintertür nutzten, weil die Zinskosten öffentlicher Budgets so immer geringer würden. "Die aufgeblähte Bilanz der US-Notenbank ist ein Zeichen für die Verlogenheit der Finanzpolitiker, die ihre Schulden einfach auf die Bücher der Notenbank überwälzt", kritisierte der Ökonom.

Die US-Zentralbank Fed hält an ihrer Billiggeld-Politik fest, höhere Zinsen wurden frühestens für das Jahresende in Aussicht gestellt. Die Währungshüter Japans und der Europäischen Zentralbank (EZB) fahren ebenfalls eine extrem lockere Geldpolitik. In Deutschland hat die Bundesbank jüngst vor zu raschen Urteilen gewarnt. "Neben Vermögenspreisen wirken sich geldpolitische Maßnahmen generell und die Sondermaßnahmen der letzten Jahre im Speziellen auch auf die konjunkturelle Entwicklung, die Beschäftigung, die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit und das Vertrauen der Marktteilnehmer aus", hieß es in ihrem Monatsbericht für den September. Wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessere, komme das gerade ärmeren Haushalten zugute. (APA, 25.9.2016)

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