Charles Vögele wird umgekrempelt

26. September 2016, 05:30
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"Alles raus", heißt es bald beim Schweizer Modehändler Vögele. Gelingt die Übernahme durch ein Italo-Konsortium, verschwinden Name – und Umkleidekabinen

Nach der Übernahme der Schweizer Modekette Charles Vögele durch den italienischen Kleiderdetailhändler OVS bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Vögele-Geschäfte in der Schweiz, Österreich, Ungarn und der Slowakei sollen künftig nicht nur OVS heißen. Auch die Kollektionen und die Geschäftsausstattung sollen künftig rein italienisch sein. Das Besondere: Bei OVS in Italien gibt es keine Umkleidekabinen mehr, sondern mit technologischen Raffinessen ausgestattete Magic-Fitting-Rooms.

In so einer Hightech-Kabine kann man etwa per eingebauten Computer das ausgesuchte Kleidungsstück in verschiedensten Farben und Größen samt dazugehörigen Accessoires bestellen. Diese werden per Knopfdruck in den Magic-Fitting-Room geliefert. "Das ist personal- und zeitsparend", sagt der Leiter des Mailänder OVS-Shops in der zentral gelegenen Via Dante. Und es sei kinderfreundlich. Noch nie haben so viele Kinder in Kaufhäusern Schlange vor Umkleidekabinen gestanden wie bei OVS.

Aus für jeden zehnten Laden

Konzernchef Stefano Beraldo lässt wissen, dass rund zehn Prozent der Charles-Vögele-Geschäfte geschlossen werden sollen. Inwieweit davon auch die 90 Shops in Österreich betroffen sind, ist noch offen. Für OVS spricht, dass das eigene Geschäftsmodell in Italien Erfolg verzeichnet und man dort die internationale Konkurrenz übertrumpft. OVS hat in Italien einen Marktanteil von sieben Prozent – weit mehr als Zara, H&M oder Benetton. Der Konzern hat zudem mit seinen über 100 Shops außerhalb Italiens eine gewisse Auslandserfahrung.

Die gemeinsame Beschaffung und die Senkung zentraler Kosten sollen die Profitabilität bei Vögele verbessern. Da die Transaktion mit weiteren Partnern stattfindet, gilt das finanzielle Risiko für OVS als überschaubar. Doch OVS tritt in einen rückläufigen Markt ein, der unter dem Onlineshopping leidet. OVS (Oviesse Spa) wurde durch die kürzlich erfolgte Abspaltung der Kaufhausgruppe Coin gebildet. Im ersten Halbjahr erzielte die Gruppe einem Umsatz von 640 Mio. Euro (plus fünf Prozent). Unter dem Strich blieben 31 Mio. Euro. Das waren um 27 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

Angebot erst Ende Oktober

Noch ist das aber alles Zukunftsmusik. Denn erst muss OVS den Zuschlag für Vögele erhalten. Die Angebotsfrist für den kriselnden Schweizer Modehändler soll voraussichtlich um den 26. Oktober beginnen und um den 23. November enden. Die Italiener bieten 6,38 Franken (5,83 Euro) pro Inhaberaktie. Sollten alle Aktien angedient werden, würde dies einem Kaufpreis von rund 56 Mio. Franken entsprechen. Nach dem Abschluss des öffentlichen Kaufangebots sollen die Charles-Vögele-Aktien von der Börse genommen werden. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 26.9.2016)


  • Der Name Charles Vögele könnte bald Geschichte sein, das Interieur auch – wenn dem Italo-Konsortium die Übernahme der schweizerischen Modekette gelingt.
    foto: reuters / ruben sprich

    Der Name Charles Vögele könnte bald Geschichte sein, das Interieur auch – wenn dem Italo-Konsortium die Übernahme der schweizerischen Modekette gelingt.

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