Erinnern an die Roma: Kemetens kurioser Krampf

26. September 2016, 07:17
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Seit 2006 will die Gemeinde Kemeten ein Denkmal für ihre 200 vertriebenen und ermordeten Roma-Mitbürger aufstellen. Aber immer kommt was dazwischen

Kemeten/Kemeta – Vor zehn Jahren hat der Gemeinderat von Kemeten den Entschluss gefasst, öffentlich seiner mehr als 200 Roma-Mitbürger zu gedenken, die einst von den Nazis vertrieben, deportiert, ermordet worden sind. Man entschied sich für ein Denk-, oder Mahn-, oder Erinnerungsmal. Ein solches wurde auch tatsächlich gefertigt. Nur aufgestellt wurde es noch nicht in Kemeta, wie die Roma dazu gesagt haben seit je. Denn immer ist irgendwas Ungebetenes dazwischengekommen.

Von außen mag das den Eindruck erwecken, als wolle man in der südburgenländischen Gemeinde – die SPÖ dominiert mit 12 von 19 Sitzen das Ortsparlament – die Frage, ob und wie man seinen verjagten Mitbürgern gedenkt, aussitzen bis St. Nimmerlein. Der rote Bürgermeister Johann Nussgraber erklärt allerdings, dass dem ganz und gar nicht – sondern quasi im Gegenteil – sei. Nur: "Mein Problem ist, wenn wir das aufstellen, dann aber nur, weil wir das wollen." Nicht die anderen, die Nicht-Kemeter.

Virtuelles Erinnern

Der Volkshochschule der burgenländischen Roma geht der Kemeter Gedenkwille dennoch etwas zu langsam. Auf Initiative des Künstlers Andreas Lehner ist nun zumindest ein virtueller Gedenkort eingerichtet worden. Und um den entsprechend zu bewerben, wurde auf der B 57, die Oberwart mit Güssing verbindet, im Ortsgebiet von Kemeten ein entsprechendes Plakat aufgestellt. Nicht unbedingt zur Freude des Bürgermeisters: "Ich lass mich grundsätzlich nicht unter Druck setzen."

Die Kemeter Erinnerungsstätte ist ein Teil der schon 2003 gestarteten, in Kemeten damals noch offiziell von sich gewiesenen Aktion, an jenen Orten, wo einst die insgesamt 8000 burgenländischen Roma daheim gewesen sind, Gedenktafeln anzubringen. Plätze sollten das dann sein, wo "man Kerzen hinstellen kann", wie Emmerich Gärtner-Horvath vom Roma-Verein sagt. Nirgends habe es Schwierigkeiten oder gar Probleme gegeben. Außer eben in Kemeta, eine der einst größten Roma-Gemeinden.

STANDARD-Erinnern

Demnächst, sagt Johann Nussgraber, werde es dann aber eh auch in Kemeten soweit sein. "Noch im heurigen Jahr. Aber dazu hätte es diese Aktion nicht gebraucht." Der STANDARD blätterte – die Worte klangen ihm gar so vertraut – im eigenen Archiv.

Und siehe: im September 2011 war da zu lesen: "Dem STANDARD verspricht der Bürgermeister, dass das Gedenk-Mal noch ,irgendwann in diesem Herbst‘ aufgestellt wird‘. Jedenfalls vor der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr. Aber, das möchte er ausdrücklich festgehalten wissen: ,Entscheiden tun wir selber, von außen lassen wir uns das nicht sagen.‘"

2017 wählen übrigens die burgenländischen Kommunen schon wieder. (Wolfgang Weisgram, 26. 9. 2016)

  • Die Volkshochschule der burgenländischer Roma zeigt plakativ, was in Kemeten zur Zeit noch fehlt. Und dass man diesbezüglich keine Ruhe geben will.
    foto: andreas lehner/vhs der bgld. roma

    Die Volkshochschule der burgenländischer Roma zeigt plakativ, was in Kemeten zur Zeit noch fehlt. Und dass man diesbezüglich keine Ruhe geben will.

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