Rapid lässt in St. Pölten Punkte liegen

24. September 2016, 17:53
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Wiener bleiben bei ihrer Auswärtsschwäche, gegen den Aufsteiger reicht es vor einem ausverkauften Haus in der NV-Arena nur zu einem 1:1

St. Pölten – Reinhard Weidinger, unfehlbarer STANDARD-Gewährsmann von der Osttribüne der NV-Arena, meinte kurz und bündig: "Ein Klassemann." Und er meinte: Alhassane Keita aus Guinea. Der nagelneue Mittelstürmer des SKN St. Pölten war beim 2:1-Erfolg im Cup gegen die SV Ried von Sir Karl Daxbacher erstmals in einem 4-4-2 neben Daniel Segovia eingesetzt worden und hatte ordentlich Eindruck gemacht.

Gegen Rapid, den Rekordmeister Rapid, das wusste Weidinger, würde es ein anderes Spiel sein. Das ist nur logisch und kann auch kaum bestritten werden. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich eher spät. Der niederösterreichische Aufsteiger ging also am Samstag recht zuversichtlich in die Partie gegen den Tabellendritten. Selbst auf dem neunten Platz gelegen, scheinen die St. Pöltner das eigenartige Axiom zu widerlegen, wonach Neulinge in Österreichs Bundesliga gefälligst mit der Spitze mitzuhalten hätten. Tatsächlich hatten das die vergangenen Jahre Grödig, der WAC oder Altach zustande gebracht. Wer sich da nun genau weswegen zu hinterfragen hat, ist eine gute Frage.

Hausherren mit bester Gelegenheit

Wie dem auch sei, die Arena war mit 8000 Zuschauern zum vierten Mal in ihrer Existenz ausverkauft, das Wetter konnte herrlicher kaum sein. Und vielleicht erinnerte sich der ein oder andere sogar an das Jahr 1988. Damals hatte sich erstmals ein Team aus St. Pölten in der Beletage mit den Hütteldorfern gemessen, am Ende konnte auf dem alten Voithplatz ein glorioser 1:0-Triumph der seinerzeitigen VSE begossen werden. Der Torschütze? Ein gewisser Mario Kempes. Der Weltmeister soll sogar noch eine Spur besser gewesen sein als Keita.

Zurück in der Gegenwart, gehen wir es also an, begann Rapid mit ordentlicher, zunächst aber noch wenig zwingender Kombinatorik. St. Pölten sah wenig Haut, war aber immerhin im Bemühen Raum und Männer zuzustellen recht erfolgreich. Den ersten Schuss auf das Goal von Christoph Riegler gab es in der 10. Minute zu notieren, er unterlief dem Kollegen Daniel Stec nach feinem Solo von Rapid-Kapitän Stefan Schwab.

Gleich darauf reichte in Pass um Daniel Schütz – agil, mutig, jedoch etwas glücklos – auf die Reise in Richtung Richard Strebinger zu schicken. Der Keeper jedoch zuckte nicht, gab sein kurzes Eck nicht auf und behielt schließlich in diesem Spiel der Nerven die Oberhand (11.). Die trotzdem irgendwie gelungene Aktion reichte immerhin für einen Hauch von Initialzündung auf Seiten der Hausherren, die sich in den kommenden paar Minuten mehr Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten zu gewinnen schienen.

Plötzlich ein Elfer

Bald aber brachte Rapid das Geschehen aber wieder unter eine irgendwie unauffällige Kontrolle. Gemächlich erfolgte der Aufbau gegen über weite Strecken äußerst kompakt formatierte St. Pöltner. So blieb Aufregung Mangelware, ehe Louis Schaub nach Zuspiel von Schwab den Ball nur um Haaresbreite am langen Eck vorbei schob (36.) Schaub um Haaresbreite. Ausgangspunkt der Aktion war der unternehmungslustige Thomas Murg, der sich auf der linken Seite mit Stec ein Dauerduell mit Haken und Ösen lieferte.

In der Nachspielzeit dann die kalte Dusche für den wackeren SKN, denn der Schweizer Referee Fedayi San zeigte auf den Elfmeterpunkt. Fassungslos schlug Sir Daxbacher die Hände vors Gesicht – er dürfte nicht der einzige gewesen sei, der über den Grund rätselte. Erst nach mehrfachem Studium der TV-Wiederholung wurde sichtbar: Schaub hatte einen Freistoß per Kopf nach hinten weitergeleitet, wo Manuel Hartl die Arme in einem Reflex nach oben riss und in der Tat Kontakt mit dem Ball herstellte. Joelinton, bis dahin kaum in Erscheinung getreten, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen (48.). Rapid ging mit einer 1:0-Führung in die Pause.

Lufthoheit und Ausgleich

Nach deren Beendigung probierte der SKN mehr, das muss so sein. Rasch stellten sich Resultate ein. Ein Schütz-Freistoß segelte in den Wiener Strafraum, zwei Kopfballduelle wurden gewonnen, ehe Innenverteidiger Daniel Petrovic aus kurzer Distanz zum Ausgleich einschoss (59.). Die Atmosphäre im Haus verdichtete sich, ein dynamisches St. Pölten konnte Rapid auch aufgrund einer gewissen Lufthoheit nun zumindest Ansatzweise in Verlegenheit bringen.

Von der Möglichkeit des Favoritensturzes lebte die ansonsten recht durchschnittliche Begegnung, die von Seiten der Gäste weiterhin langsam und etwas blutleer geführt wurde. Bemerkenswert allein ein Schlenzer Schaubs nach feiner Kombination, den Riegler letztlich aber mühelos über die Latte drehen konnte.

Rund zehn Minuten vor Schluss bekam Andreas Dober endlich die heißersehnte Gelegenheit, gegen seinen Herzensklub sein Können zu zeigen. Der 30-jährige Ex-Rapidler kam für Hartl, jedoch kaum mehr in Aktion. Denn allzuviel begab sich generell nicht mehr in einem Finale, das eine nun wieder etwas aktivere Rapid sah. Beide Seiten schienen mit dem Remis zufrieden, das sie am Ende auch bekamen. Es fiel leistungsgerecht aus, was dann doch wieder eher für den Außenseiter sprach.

Weitverbreitete Zufriedenheit

Beim SKN war in erster Linie der aufmerksame Defensiv-Verbund zu loben, der sich keinerlei Fauxpas leistete. Das war im bisherigen Saisonverlauf keineswegs die Regel. Herausragen konnte der junge Manuel Martic. Er erkämpfte so manchen Ball und verteilte die meisten davon mit Übersicht weiter. Auch das Urteil der Kulisse fiel begückt aus, sie verabschiedete ihre Wölfe mit Applaus. Dass Keita, der neue Hoffnungsträger, bei weitem nicht so viel Glanz verströmte wie gegen Innviertler, war kein Thema. Und Reinhard Weidinger hatte wieder einmal rechtbehalten. (Michael Robausch, 24.9. 2016)

Fußball-Bundesliga (9. Runde):
SKN St. Pölten – SK Rapid Wien 1:1 (0:1)
St. Pölten, NV-Arena, 8.000/ausverkauft, SR San/SUI

Torfolge:
0:1 (45.+3) Joelinton (Hand-Elfmeter)
1:1 (59.) Petrovic

St. Pölten: Riegler – Stec, Huber, Petrovic, Pirvulescu – Hartl (80. Dober), Martic (92. Grasegger), Perchtold, Schütz – Keita, Segovia (83. Luckassen)

Rapid: Strebinger – Pavelic, Schößwendter, Dibon, Schrammel – Grahovac, Schwab – Schaub, Szanto (79. Arase), Murg – Joelinton

Gelbe Karten: Stec, Petrovic, Martic bzw. Schwab

Stimmen

Karl Daxbacher (Trainer St. Pölten): "Unser Matchplan ist aufgegangen. Wir haben Rapid spielen lassen und versucht, mit langen Bällen zu arbeiten und in der Defensive nichts zu riskieren. Der Punkt geht in Ordnung."

Mike Büskens (Trainer Rapid): "Wir hatten vor, drei Punkte mitzunehmen, wir konnten den Ball aber nicht richtig zirkulieren lassen. Wir haben etwas die Kontrolle verloren. Letztendlich können wir nicht zufrieden sein. Wir haben uns im ersten Viertel den einen oder anderen Punkt mehr erhofft."

  • Ein Unentschieden wie ein Sieg: St. Pölten bestätigt einen leichten Aufwärtstrend.
    foto: apa/punz

    Ein Unentschieden wie ein Sieg: St. Pölten bestätigt einen leichten Aufwärtstrend.

  • St. Pölten-Trainer Karl Daxbacher: "Unser Matchplan ist aufgegangen. Wir haben Rapid spielen lassen und versucht, mit langen Bällen zu arbeiten und in der Defensive nichts zu riskieren. Der Punkt geht in Ordnung."
    foto: apa/punz

    St. Pölten-Trainer Karl Daxbacher: "Unser Matchplan ist aufgegangen. Wir haben Rapid spielen lassen und versucht, mit langen Bällen zu arbeiten und in der Defensive nichts zu riskieren. Der Punkt geht in Ordnung."

  • Rapid-Trainer Büskens: "Wir hatten vor, drei Punkte mitzunehmen, wir konnten den Ball aber nicht richtig zirkulieren lassen. Wir haben etwas die Kontrolle verloren. Letztendlich können wir nicht zufrieden sein. Wir haben uns im ersten Viertel den einen oder anderen Punkt mehr erhofft."
    foto: apa/ap/punz

    Rapid-Trainer Büskens: "Wir hatten vor, drei Punkte mitzunehmen, wir konnten den Ball aber nicht richtig zirkulieren lassen. Wir haben etwas die Kontrolle verloren. Letztendlich können wir nicht zufrieden sein. Wir haben uns im ersten Viertel den einen oder anderen Punkt mehr erhofft."


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