CDU-Abgeordnete empört mit Nazi-Begriff "Umvolkung"

24. September 2016, 15:36
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Unions-Parlamentsgeschäftsführer nennt Twitter-Kommentar "unsäglich"

Leipzig – Die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla hat mit dem Gebrauch des Nazi-Begriffs "Umvolkung" für Empörung auch in den eigenen Reihen gesorgt. Kudla schrieb am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit Blick auf die Flüchtlingskrise: "Die Umvolkung Deutschlands hat längst begonnen". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "streitet es ab".

CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) kritisierte Kudlas Tweet als "unsäglich". Grosse-Brömer schrieb ebenfalls auf Twitter, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion "distanziert sich eindeutig von Inhalt und Sprache". Der Begriff "Umvolkung" wurde von den Nationalsozialisten für die angestrebte Germanisierung der besetzten Länder im Osten Europas verwendet.

Auch einige FPÖ-Politiker, darunter der ehemalige EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, hatten in den vergangenen Jahren von einer drohenden "Umvolkung" in Österreich gesprochen.

Streitbare Abweichlerin

Die 1962 in München geborene Kudla ging nach der Wende in den Osten Deutschlands. Sie ist seit Oktober 2009 für den Wahlkreis Leipzig I im Bundestag. Bei der nächsten Bundestagswahl will sie erneut antreten. Als einzige Bundestagsabgeordnete hatte Kudla im Juni gegen die Völkermord-Resolution zu den Armeniern gestimmt. Die türkische Stadt Pazar, die zuvor Grünen-Chef Cem Özdemir die Ehrenbürgerschaft entzogen hatte, trug Kudla diese daraufhin an.

Im August dieses Jahres wurde Kudlas Büro in Leipzig verwüstet. Zu dem Anschlag bekannten sich Linksextremisten.

Vor zwei Wochen hatte Kudla mit einer Beleidigung des türkischen Journalisten Can Dündar für Empörung gesorgt. Kudla hatte den früheren Chefredakteur der Oppositionszeitung "Cumhuriyet" ebenfalls auf Twitter als "Cansel Dünnschiss" bezeichnet. (red, APA, 24.9.2016)

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