Holocaust-Überlebender Mannheimer gestorben

24. September 2016, 16:46
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Zeitzeuge kämpfte jahrzehntelang gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus

München – Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik, wie die KZ-Gedenkstätte Dachau am Samstag mitteilte.

Mannheimer engagierte sich jahrzehntelang unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Mannheimer als "Mahner gegen das Vergessen und großen Versöhner". "Wir schulden ihm Dank", erklärte die Kanzlerin.

Theresienstadt, Auschwitz und Dachau

Mannheimer, der unter anderem in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz und Dachau inhaftiert war, besuchte Schulen, um über den Holocaust aufzuklären und über seine KZ-Zeit zu berichten. Er engagierte sich für die KZ-Gedenkstätte Dachau und die Einrichtung eines Jugendgästehauses dort, zudem gehörte er dem Verein "Gegen Vergessen Für Demokratie" an.

"Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon", war eine seiner zentralen Botschaften. Vor gut einem Jahr sprach Mannheimer bei der Eröffnung des NS-Dokumentationszentrum München, über das jahrelang gestritten worden war. "Es ist spät, aber nicht zu spät", sagte der Holocaust-Überlebende, der am 6. Februar 1920 in Nordmähren in der damaligen Tschechoslowakei geboren wurde.

Auszeichnungen

Der Verlust fast seiner gesamten Familie im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hatte Mannheimer tief geprägt. Unmittelbar nach dem Krieg wollte er Deutschland eigentlich verlassen. Seit den 1980er Jahren machte er es sich zu seiner Lebensaufgabe, öffentlich gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus zu kämpfen.

Für sein Engagement erhielt Mannheimer viele Auszeichnungen, darunter das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Kanzlerin Merkel reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter auf die Nachricht von Mannheimers Tod. Merkel hatte 2013 mit Mannheimer die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht.

Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

2001 hatte der damalige Bundespräsident Thomas Klestil Mannheimer das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Auch aus Österreich waren zahlreiche Verfolgte in Dachau interniert, darunter Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg und die späteren ÖVP-Nachkriegs-Kanzler Leopold Figl und Alfons Gorbach, der spätere SPÖ-Innenminister Franz Olah, der Kommunist Viktor Matejka, die Kabarettisten Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, der Schriftsteller Jura Soyfer, Fritz Löhner-Beda, seines Zeichens Librettist mehrerer Lehar-Operetten. Schon am 1. April 1938 – zwei Wochen nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland – wurden 151 hochrangige Beamte, Politiker und Funktionäre mit dem ersten "Österreichertransport" nach Dachau verschickt.

Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte Mannheimer als "tief beeindruckende, herausragende Persönlichkeit". "Als Holocaust-Überlebender und Opfer des Nazi-Terrors hat er die Größe besessen, trotz der Ermordung und Auslöschung seiner Familie Deutschland nicht zu verlassen und sich stattdessen sein Leben lang gegen das Vergessen zu engagieren."

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer äußerte sich ebenfalls über Twitter mit den Worten: "Der Tod Max Mannheimers ist ein schmerzlicher Verlust. Er wird uns allen fehlen." Die Fraktionschefs der Grünen im Deutschen Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, erklärten: "Es ist unsere Aufgabe, diese Erinnerungen an die Grausamkeiten des Nazi-Regimes wach zu halten."

"Seine Bemühungen um die KZ-Gedenkstätte Dachau, sein unermüdliches Engagement um die Errichtung des Jugendgästehauses in Dachau, seine Tätigkeit für den Verein 'Gegen Vergessen Für Demokratie' und nicht zuletzt seine ganz persönliche liebenswerte und doch auch hartnäckige Art, mit der es ihm gelang, seine Vorhaben durchzusetzen, werden uns immer in Erinnerung bleiben", sagte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, am Samstag.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erklärte: "Das ist ein unersetzlicher Verlust." Mannheimer habe "Großartiges für Frieden, Versöhnung und Demokratie geleistet", erklärte Stiftungsdirektor Karl Freller. (APA, 24.9.2016)

  • Max Mannheimer mit Kanzlerin Angela Merkel im Konzentrationslager Dachau im Jahr 2013.
    foto: apa/epa/kjer

    Max Mannheimer mit Kanzlerin Angela Merkel im Konzentrationslager Dachau im Jahr 2013.

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