Wiener City: Teileröffnung der Begegnungszone Herrengasse

23. September 2016, 20:17
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Die Herrengasse im ersten Bezirk soll zur Flaniermeile werden. Der erste Teil der neuen Begegnungszone wurde mit einem Straßenfest eingeweiht

Wien – Die Neubaugasse in den Ersten holen – so beschreibt Shop-Besitzerin Sibylle Hamtil den Gedanken hinter der Errichtung einer Begegnungszone in der Herrengasse im ersten Wiener Gemeindebezirk. Denn nicht nur auf der Mariahilferstraße mit dem hippen angrenzenden sechsten und siebten Bezirk sollen die Fußgänger Vorrang haben, sondern auch im Herz der Wiener City soll ein ähnliches Konzept Fuß fassen.

Herrengasse als Flaniermeile

Vor allem auf Drängen des Rechtsanwalts und Vertreters der Eigentümergesellschaft des Ersten Wiener Hochhauses, Wolfgang Spitzy, hat sich am Anfang des vergangenen Jahres die Initiative "Herrengasse Plus" gegründet, mit dem Anspruch, die Herrengasse wieder als Flaniermeile zu gestalten. Nach monatelangen Verhandlungen gab es schließlich ein Ergebnis: Die Herrengasse soll zur Begegnungszone werden, der Durchzugsverkehr eingedämmt, die Bodenniveaus von Gehsteig und Straße angeglichen. Was naturgemäß folgte: Baustellen.

foto: alexander obermüller
Die neue Begegnungszone in der Herrengasse in der Wiener City.

Nach fünf Monaten Dauerlärm können die Anrainer und Shop-Besitzer der Herrengasse im ersten Wiener Gemeindebezirk nun das erste Mal aufatmen: Am Freitag beging man dort unter dem Motto "It doesn’t matter what you wear – as long as you are there" im Rahmen eines Straßenfests die Teileröffnung zwischen Michaelerplatz und Fahnengasse. "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt", meint Hamtil, die in diesem Abschnitt der Gasse "The Viennastore" betreibt. Von der neuen Gestaltung erhofft man sich mehr flanierende Touristen. Aber auch Wiener sollen wieder vermehrt hier shoppen. Den Großteil der Kosten trugen die Hauseigentümer, die Stadt Wien steuerte die Finanzierung für die Erneuerung der Wasserversorgung bei.

foto: alexander obermüller
Eine Coverband aus Salzburg sorgte für Stimmung und versuchte, die Passanten zum Tanzen zu bringen.

Getraudt Schmidt ist ebenfalls gekommen, um sich die Begegnungszone aus nächster Nähe anzusehen. Die Fachgruppenobfrau der Freizeit- und Sportbetriebe der Wiener Wirtschaftskammer findet, dass die Neugestaltung "prinzipiell eine gute Idee ist." In der Innenstadt könne sie das Konzept der Verkehrsberuhigung nachvollziehen, generell plädiert sie aber für mehr Kompromissbereitschaft in dem Bereich. "Vor allem aus Sicht des Tourismus wäre es wichtig, bei großen Straßenzügen den Bus-Verkehr nicht einzuschränken", sagt die Fremdenführerin, die eine sinkende Bereitschaft zum Gehen bei Touristen beobachtet. "In der Stadt wohnen und im Dorf schlafen, das wird es nicht geben", so Schmidt. Die neue Version der Herrengasse werde aber "auf jeden Fall spannend".

foto: alexander obermüller
Das Team von "Wien Gin" war mit einem Stand vertreten. Eine Flasche der Gin-Variante für Feinschmecker war an diesem Abend für 30 Euro statt den sonst üblichen 42 Euro zu haben.

Die Shop-Betreiber wollen mit der Neugestaltung jedenfalls ein Gegengewicht zum Luxus-Center "Goldenes Quartier" darstellen. Über ein gewisses Einkommen muss man als Shoppende in der Herrengasse zwar in jedem Fall verfügen, aber Handtaschen um 5000 Euro könne sich niemand leisten, sagt Hamtil.

Das Match mit den Autos

Die Bummler und Festbesucher tun sich beim Eröffnungsfest noch schwer, den Platz auf der Straße den Autos streitig zu machen. Man merkt, dass noch nicht alle von der Verkehrsberuhigung erfahren haben – oder sich zumindest nicht unbedingt damit anfreunden wollen. Nach wie vor fahren Autos und Fiaker im Sekundentakt durch, weder im Schrittempo noch zur Freude der Initiatoren.

Man habe schon mit dem Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), darüber gesprochen, sagt Hamtil. Dieser habe zugesagt, Tempokontrollen durchführen zu lassen, auch ein Schild soll noch aufgestellt werden. Ob die Fußgänger dann auch in der Praxis so wie geplant Vorrang haben werden, wird sich dann zeigen. (Vanessa Gaigg, 23.9.2016)

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