Jüdisches Museum Berlin begibt sich auf die Spuren des Golems

24. September 2016, 12:00
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Große Ausstellung widmet sich der jüdischen Legendenfigur

Berlin – Das Jüdische Museum Berlin begibt sich seit Freitag in der Ausstellung "Golem" auf die Spuren der jüdischen Legendenfigur. In der mittelalterlichen Kabbala hat das mächtige, mystische Wesen seine Wurzeln – vom Menschen aus Lehm oder Staub durch rituelle Beschwörung und hebräische Buchstabenkombinationen zum Leben erweckt.

In der berühmten Legende um den Prager Rabbi Löw wird der Golem zunächst zum Helfer der Menschen. In vielen Golem-Erzählungen gerate das Geschöpf dann aber außer Kontrolle und der Golem selbst werde zur Bedrohung für den Menschen, der ihn geschaffen hat, so die Ausstellungsmacher. Der Golem-Mythos sei heute auch Metapher für moderne Entwicklungen in Forschung und Politik, die außer Kontrolle geraten und zur Bedrohung werden können.

Auseinandersetzung mit einer unheimlichen Figur

Seit Jahrhunderten inspiriert der Golem Künstler und Autoren. Mehr als 250 Ausstellungsstücke aus 600 Jahren – darunter Gemälde, Manuskripte, Kostüme und Installationen – erzählen von ihrer Auseinandersetzung mit der oft unheimlichen Figur. Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung auf die Werke zeitgenössischer Künstler unter anderem aus den USA, Israel, Tschechien und Deutschland. Im Eingangsbereich begrüßt den Besucher ein überlebensgroßer, leuchtender Golem ganz aus Lampen, geschaffen vom Prager Künstler Kristof Kintera.

Golem-Figuren aus Computerspielen sind ebenso zu sehen wie Skizzen, Ausschnitte und Plakate zu Paul Wegeners legendärem Stummfilm "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920). Ausgestellt sind außerdem ein Schaltungsmodul des israelischen Großcomputers "Golem Aleph" (1963) und Hugo Steiner-Prags Illustrationen zu Gustav Meyrinks Roman "Der Golem" (1915). Und auch eine Baseballmütze mit der Aufschrift "Make America Great Again" aus dem Wahlkampf von Donald Trump – einem "imaginierten Retter mit drohendem Kontrollverlust", so die Kuratorin Martina Lüdicke – ist in einer Vitrine zu sehen. (APA, 24.9.2016)

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