Scheibenwischermotor zum Bierbrauen: Steyrer Kreativszene stellt aus

29. September 2016, 14:02
16 Postings

Design, 3D-Druck und Robotik: Auf der "Mini Maker Faire" geht es ums Erfinden und Selbermachen

Steyr/Wien – "Experimentierfreudige Selbermacher mit Spaß an der Sache" nennen sich die Mitglieder des Vereins Steyr-Werke, "Kreativköpfe, erfinderische Querdenker und Technikenthusiasten". Der Name des Vereins ist eine Anspielung auf das 1864 vom Steyrer Industriepionier Josef Werndl gegründete Unternehmen, das in der Zwischenkriegszeit in der Steyr-Daimler-Puch AG aufging und Ende der 1980er-Jahre in zahlreiche Teilkonzerne zerfiel. Die Bezeichnung Steyr-Werke trug das Unternehmen zwar nur von 1926 bis 1934; im Volksmund der oberösterreichischen Stadt verwendet man sie aber bis heute.

Von diesem Bekanntheitsgrad zu profitieren hatten fünf Steyrer im Sinn, als sie einen Namen für ihren heuer gegründeten Verein suchten. Als ideelle Nachfolger Werndls sehen sie sich zwar nicht, sagt Gründungsmitglied Stephan Rosinger, "die Förderung des individuellen Erfindergeistes" stehe aber durchaus in dieser Tradition – die auch die Stadt als solche oft für sich in Anspruch nimmt.

Tatsächlich war Steyr 1884 die erste Stadt der Welt, in der eine Straßenbeleuchtung mit Strom aus Wasserkraft betrieben wurde. Heute sind es die Entwicklungsabteilungen der Fahrzeughersteller BMW und MAN, das Forschungsinstitut Profactor oder das städtische Technologiezentrum TIC, mit denen sich die kommunale Verwaltung ihrer Innovationskraft rühmt.

Bewehrungsstahlschreiber und Malzrührwerk

Mit Profactor arbeiten auch die "Macher" von Steyr-Werke zusammen. Der Verein entstand im Rahmen der Bemühungen, einen "Makerspace" zu schaffen, also "eine offene Werkstatt, die Werkzeuge, Maschinen und Wissen bereitstellt, um kreative und innovative Ideen umsetzen zu können", wie es Thomas Treml, ein weiteres Gründungsmitglieder, ausdrückt.

Nach mehreren regelmäßigen Treffen mit steigenden Teilnehmerzahlen wendet sich Steyr-Werke nun mit einer Messe nach dem Vorbild und im Rahmen der US-amerikanischen Maker Faire-Bewegung erstmals an eine größere Öffentlichkeit. Es ist die dritte derartige Veranstaltung in Österreich nach der heurigen Premiere im April in Wien und einer Messe Anfang September in Linz.

Anhand von rund 40 Projekten soll bei der Steyrer "Mini Maker Faire" am 30. September und am 1. Oktober im Kulturverein Röda gezeigt werden, "was Garagen, Keller, Werkzeugkisten, Haushaltszubehör und Natur so hergeben". Upcycling, 3D-Druck und Handwerk stehen als Schlagworte auf der Veranstaltungswebsite, daneben Hacking, Robotik oder Design. Unter den Anschauungsmaterialien sind Gags wie ein Stück Bewehrungsstahl, das zum Kugelschreiber wird, oder eine Regentonne, die als Sitzgelegenheit einen neuen Zweck gewinnt. Ein Selberbrauer baute ein Malzrührwerk auf Grundlage eines Scheibenwischermotors.

Ein teilnehmender Arzt entwickelte aus einem alten Mobiltelefon und Lego Technic gar einen günstig herzustellenden Übungsapparat für endoskopische Untersuchungen des Bauchraums. Das Modell könne auf Open-Source-Basis um unter 100 Euro nachgebaut werden und sei demnach prädestiniert für den Einsatz in Entwicklungsländern.

Daneben sind Möbel- und Schmuckstücke zu sehen, deren Herstellungsprozesse die Designer selbst vermitteln. Kinder sind zu dem "Kreativfestival mit Mitmachprogramm" explizit eingeladen, der Eintritt ist auch für die Workshops und Vorträge frei. (mcmt, 29.9.2016)

Share if you care.