Václav Havel als Dramatiker: Verboten, aber doch gespielt

25. September 2016, 09:00
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Das Theatermuseum erinnert mit einer Ausstellung zu Václav Havel an die vom damaligen Direktor Achim Benning initiierte "tschechische Periode" des Burgtheaters. Die Schau ehrt einen von der Politikerrolle überstrahlten Dramatiker

Wien – Noch tief in den kommunistischen Jahren, weit vor dem Abbruch des Eisernen Vorhangs, hat das Burgtheater unter seinem damaligen (1976-1986) Direktor Achim Benning eine, wie Benning selber formuliert, "Ostpolitik" betrieben. Sprich: Das österreichische Nationaltheater wurde damals für die Stücke des tschechischen Dramatikers Vaclav Hável (1936-2011) eine Heimstätte.

Der Schriftsteller war für seine regimekritischen Ansichten, die eine offene, demokratische Gesellschaft propagierten, in seiner Heimat für insgesamt siebzehn Jahre mit einem Publikations- und Aufführungsverbot belegt und später inhaftiert worden. Dieser nicht nur darauf gründenden Beziehung Hávels zum Wiener Theater und zu seinem Herbergsgeber Benning ist nun – anlässlich von Hávels 80. Geburtstag am 5. Oktober – eine Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum gewidmet.

Seine Freiheit, unsere Freiheit. Václav Havel und das Burgtheater versammelt in zwei Räumen Dokumente aus den betreffenden Jahrzehnten. Anna Freimanová, Hávels langjährige Kulturberaterin in seiner Zeit als tschechischer Staatspräsident, hat die gemeinsam mit der Václav-Havel-Bibliothek Prag konzipierte Schau kuratiert. Sie ist chronologisch aufgebaut und enthält viel Lesestoff.

Neben einem Gartenmöbelset vom Exildomizil auf Hrádecek und einer Schreibmaschine sind es Briefe, Plakate, Fotografien, Zeitungsausschnitte, Bücher und Manuskripte, die die "tschechische Periode des Burgtheaters" (Benning) plastisch machen. Sogar ein Bühnenbildmodell von Herbert Kappelmüller für die Aufführung von Largo desolato (1985) ist erhalten, ebenso Kostümskizzen von Leo Bei für Havels autobiografisch geprägte Bühnenfigur des Ferdinand Vanek. Diesen hat damals Joachim Bißmeier in den Einaktern Protest, Audienz und Vernissage verkörpert. Auch davon sind Szenenbilder zu sehen.

Insgesamt sechs Theaterstücke Havels wurden damals am Akademietheater gezeigt. Auch einen Blick auf das Schauspielhaus Zürich, an welches Benning 1989 als Direktor übersiedelte, gewährt die Ausstellung. Es markiert den Schlusspunkt der Havel-Entdeckung, denn im Jahr darauf war Václav Havel bereits als Staatspräsident zu Besuch – und fortan blieb der Dramatiker im Schatten des weltweit gefeierten Politikers.

Von den Tippfehlern in den Tafeltexten sollte man absehen – und sich vor allem Zeit nehmen für die beiden Fernsehdokumentationen, u. a. aus Havels Zeit am Theater am Geländer in Prag. (Margarete Affenzeller, 25.9.2016)

Bis 17. 4.

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Theatermuseum

  • In der Tschechoslowakei einst mit einem Aufführungsverbot belegt, wurde Václav Havel indes am Burgtheater gefeiert.
    foto: ondrej nemec / václav havel library

    In der Tschechoslowakei einst mit einem Aufführungsverbot belegt, wurde Václav Havel indes am Burgtheater gefeiert.

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