Österreichische Firmen in den USA wegen Trump zunehmend verunsichert

24. September 2016, 12:00
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WKO-Niederlassungsleiter: "Viele warten ab, welches Bild sich nach dem 8. November bietet"

Die US-Präsidentenwahl in sechseinhalb Wochen wirft lange Schatten. Selbst Unternehmen, die in Nordamerika eher schwach bis gar nicht engagiert sind, das aber ändern möchten, sind irritiert. "Viele warten ab, welches Bild sich nach dem 8. November bietet", sagte Tony Emsenhuber bei einem Netzwerktreffen österreichischen Niederlassungsleiter in Atlanta dem STANDARD. Eisenhuber, der seit mehr als 20 Jahren für die Außenstelle Los Angeles der Wirtschaftskammer (WKO) tätig ist, kann sich an keine vergleichbare Situation erinnern: "Die Investitionszurückhaltung ist spürbar, die Unsicherheit allenthalben groß."

Bis vor kurzem hätte noch kaum jemand für möglich gehalten, dass ein Kandidat wie Donald Trump Nachfolger von Barack Obama werden kann. Wiederholte Male hat er selbst Gefolgsleute der eigenen Republikanischen Partei vor den Kopf gestoßen, indem er für Marktabschottung plädierte, die Aufhebung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta versprach und die Unterzeichnung neuer Abkommen dies- und jenseits von Atlantik und Pazifik ausschloss. Zudem möchte er der US-Kohleindustrie, die nicht zuletzt wegen Umweltschutzbestimmungen auf dem Rückzug ist, zu neuem Aufschwung verhelfen.

Markt mit 300 Millionen Verbrauchern

Dabei stehen die USA vergleichsweise gut da: Die Wirtschaft wächst mit einer Rate um die drei Prozent, die Inflation ist niedrig, die Zinssätze befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Wer den Markteintritt einmal geschafft hat, kann seine Waren und Dienstleistungen zu vergleichbaren Bedingungen knapp 300 Millionen Konsumenten anbieten. Rund 650 österreichische Unternehmen unterhalten inzwischen eigene Niederlassungen in den USA, etwa ein Drittel produziert auch dort, schätzt der Wirtschaftsdelegierte Rudolf Thaler.

Die Registrierung sei "ruck, zuck" gegangen, erzählt Konrad Eberle von der Firma LTW. "So was würde man sich auch in Österreich wünschen." LTW, ein Tochterunternehmen des Seilbahnbauers Doppelmayr und wie dieser in Wolfurt zu Hause, ist auf Hochregallager spezialisiert. So schnell die Anmeldung gegangen sei, so kompliziert bis eigenartig seien die Amerikaner in anderen Bereichen, sagte Eberle. Trump als Präsident wäre eine Katastrophe, meint nicht nur er.

Vorstoß für Finanztransaktionssteuer

Nicht nur in den USA, auch in Europa nimmt das Trennende wieder zu. "Das ist schlecht, das schwächt uns", sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zur Eröffnung von Connect Austria, einem von der Wirtschaftskammer organisierten Forum zum Erfahrungsaustausch, das zum neunten Mal stattfand, heuer in Atlanta. Nur gemeinsam sei Europa stark und könne gegenüber anderen Weltmächten wie USA und China reüssieren.

Privat und Staat seien gut beraten, an einem Strang zu ziehen und nach Jahren der Zurückhaltung wieder stärker zu investieren. Mit Arbeitsplätzen in zukunftsträchtigen Bereichen könnte neuer Wohlstand geschaffen und so die grassierende Unsicherheit reduziert werden. Investitionen in die Infrastruktur sollten über einen deutlich längeren Zeitraum als bisher abgeschrieben und aus der Schuldenberechnung ausgeklammert werden können, forderte Leichtfried einmal mehr. Und: "Wir sollten auch wieder einen Vorstoß wagen in Richtung Spekulations- beziehungsweise Finanztransaktionssteuer, damit wieder mehr in die Realwirtschaft investiert wird statt in schnelle Rendite mit Finanzspekulation."

Mittel- bis langfristiges Ziel auf europäischer Ebene sollten eine einheitliche Bemessungsgrundlage und eine Angleichung der Steuersätze für Konzerne in der EU sein. Durch den Steuerwettlauf entgingen den Staaten der Union zwischen 80 und 120 Milliarden Euro pro Jahr, sagt Leichtfried. Heruntergebrachten auf Österreich seien das – konservativ geschätzt – etwa 1,3 Milliarden Euro. (Günther Strobl aus Atlanta, 24.9.2016)

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung des Infrastrukturministeriums.

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