Höchstgericht in Italien beschließt Ablaufdatum für Journalismus

23. September 2016, 12:00
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Italienisches Gericht beruft sich auf das europäische "Recht auf Vergessenwerden" und vergleicht das Ablaufdatum journalistischer Inhalte mit der Haltbarkeit von Joghurt

Rom – Das oberste Gericht in Italien beschloss, dass journalistische Artikel ein Ablaufdatum haben, was mit großen Konsequenzen für die Medienwelt einhergeht. Kritiker bezeichnen das Urteil als starken Eingriff in die Pressefreiheit.

Das Gerichtsurteil bezog sich auf das "Recht auf Vergessenwerden", das der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2014 beschlossen hatte. Dieses Recht soll sicherstellen, dass digitale Informationen mit Bezug auf Personen nicht dauerhaft zu Verfügung stehen und gibt Personen die Möglichkeit, unter gewissen Umständen verlangen zu können, Inhalte über sich aus den Vorschlägen von Suchmaschinen zu löschen.

Ablaufdatum von zwei Jahren

Dies gilt laut dem obersten italienischen Gericht nun auch für journalistische Inhalte, die demnach ein Ablaufdatum von zwei Jahren haben. Argumentiert wurde unter anderem mit Vergleichen der Haltbarkeit von Joghurt und Eiscreme.

Grund für die Gerichtsverhandlung ist ein Artikel in Verbindung mit einem italienischen Restaurant: Eine regionale italienische Nachrichtenseite namens "Primadanoi.it" publizierte einen kritischen Artikel über einen Rechtsfall eines Restaurants beziehungsweise seines Eigentümers, woraufhin der Restaurantbesitzer vor Gericht ging. (red, 23.9.2016)

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