Aussichtsloser Kampf des HSV-Retters Labbadia

22. September 2016, 21:36
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Der in der Kritik stehende Coach wird die Hamburger gegen die Bayern nochmals betreuen. Im Hintergrund wird aber offenbar längst ein neuer Trainer gesucht

Beim deutschen Bundesliga-Dino Hamburger SV ist weiter Feuer am Dach. Während schon eifrig über einen Nachfolger von Bruno Labbadia debattiert wird, kämpft der Trainer um seinen Job und erinnert dabei an Don Quijote in seinem einsamen Kampf gegen die Windmühlen. Das Heimspiel gegen Bayern München am Samstag ist womöglich Labbadias letzte Bewährungschance.

"Ich bin komplett bei mir selbst und kümmere mich um die Sachen, die ich beeinflussen kann", sagte Labbadia am Donnerstag. Der 50-Jährige gab sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem 0:1 bei Aufsteiger Freiburg, der dritten Niederlage hintereinander, souverän und ließ die Fragen zur fehlenden Unterstützung von Klubboss Dietmar Beiersdorfer abprallen.

Nur ein Punkt aus vier Spielen

"Es gehört in diesem Geschäft dazu, dass man das Gefühlsleben ein Stück weit außen vor lässt", sagte Labbadia, "ich freue mich auf das Spiel." Doch die Fakten bürden ihm großen Druck auf. Ein Punkt aus vier Partien, Rang 16 – und mit Beiersdorfer ein Klubchef, der seinen wichtigsten Angestellten seit Tagen öffentlich zappeln lässt.

"Als ich kam, konnte es nur ein Mann richten", erinnerte sich Labbadia. "Daran hat sich nichts geändert." Mit dem feinen Unterschied, dass er bei der Last-Minute-Rettung in der Relegation vor 17 Monaten mit Sportchef Peter Knäbel einen Fürsprecher hatte. Von Beiersdorfer lässt sich das derzeit nicht behaupten.

Und so rückt in der nächsten schweren Krise auch der Vorstandschef in den Fokus. Der 52-Jährige gab zuletzt in der Diskussion über seinen Trainer ein bescheidenes Bild ab. Drei Trainer und zwei Sportchefs hat Beiersdorfer in zwei Jahren bereits verschlissen.

Gerüchte um Hoffenheim-Trainer Nagelsmann

Beiersdorfer befindet sich offenbar schon auf der Suche nach einem neuen Trainer. Nach übereinstimmenden Berichten des "Kicker" und der "Hamburger Morgenpost" soll Julian Nagelsmann, Coach von 1899 Hoffenheim, Wunschkandidat für die Labbadia-Nachfolge sein. "Diese Spekulationen sind absurd. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln und werde mich dazu auch nicht weiter äußern", sagte Nagelsmann.

Neben Nagelsmann werden die derzeit vereinslosen Markus Gisdol, André Breitenreiter und André Villas-Boas, den Beiersdorfer 2014 nach St. Petersburg lotste, als Trainerkandidaten gehandelt.

Treffen der Klubspitze mit dem Investor

Am Donnerstag traf sich die Klubspitze mit HSV-Investor Klaus-Michael-Kühne, der nach seiner erneuten Finanzspritze und Transferausgaben von 33 Millionen Euro im Sommer mit den Europacup-Plätzen geliebäugelt hatte. "Das Treffen ist seit rund vier Monaten vereinbart. Anlass ist nicht die Trainersituation. Wir treffen uns regelmäßig alle acht bis zehn Wochen", sagte Beiersdorfer der "Bild"-Zeitung.

Labbadia war nicht eingeladen. "Mein Terminkalender ist voll genug", sagte der Trainer. "Ich wünsche Herrn Kühne, dass er Hamburg genießt, es ist eine tolle Stadt." (sid, red, 22.9.2016)

  • Die Zeit läuft gegen HSV-Trainer Bruno Labbadia.
    foto: reuters/axel schmidt

    Die Zeit läuft gegen HSV-Trainer Bruno Labbadia.

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