Wiener Ärztestreit: Eskalation und Kuschelkurs

Kommentar22. September 2016, 17:30
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Die Prämisse, dass Patienten adäquat versorgt werden müssen, scheint beim Streit leider nur sekundär

Nach der Eskalation folgte der Kuschelkurs: Zuerst gingen die Ärzte des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) auf die Straße, um gegen die Reduktion von Nachtdiensten und für das Patientenwohl zu streiken. Mittwochabend wurde eine "Einigung" mit dem KAV über ein "Zwischenergebnis" der Gespräche verkündet, ein zweiter Streik für kommenden Montag wurde abgesagt.

Fakt ist aber: Die Sachlage, also der Streitgrund zwischen den Ärzten und der Stadt Wien, die hinter dem KAV steht, hat sich nicht verändert. Was zur logischen Schlussfolgerung führt: Die Eskalation des Konflikts, für die Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres hauptverantwortlich zeichnete, war ebenso übertrieben wie die jetzt präsentierte Einigung, die eben keine ist.

Die Ärzte kämpfen weniger gegen die Reduktion der Nachtdiensträder als gegen eine signifikante Änderung ihres Dienstzeitmodells. Die Stadt will mehr Ärzte untertags – und natürlich mit weniger Nachtdiensten auch Geld einsparen. Die Ärzte beharren hingegen auf ihren gewohnten 25-Stunden-Diensten, die ihnen weniger, dafür längere Dienste pro Monat bescheren.

Ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Wohl aber ein Arbeitszeitmodell, das weniger Arbeitsstunden bei gleichem Gehalt für Ärzte vorsieht – und die Prämisse, dass Patienten adäquat versorgt werden müssen. Das scheint beim Streit zwischen Stadt und Ärzten leider nur sekundär. (David Krutzler, 22.9.2016)

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