Archäologen entdecken in Römersiedlung Hinweise auf antikes Verbrechen

22. September 2016, 15:49
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Skelett eines schwer verstümmelten Mannes im nordpfälzischen Eisenberg lässt einen Mord vermuten

foto: landesarchäologie rheinland-pfalz
Die einst unter schweren Steinbrocken verscharrte Leiche war übel zugerichtet. Archäologen vermuten, dass man sie loswerden wollte.

Speyer – Deutsche Archäologen sind möglicherweise einem antiken Verbrechen auf die Spur gekommen. Forscher von der Universität Heidelberg stießen bei Ausgrabungen inmitten einer römischen Siedlung im nordpfälzischen Eisenberg auf die Überreste einer Person, die offenbar großer Gewalteinwirkung ausgesetzt war: Ihre Schienbeine waren knapp unterhalb der Knie gebrochen, ihr Oberkörper war vollständig abgetrennt worden und lag im rechten Winkel zum Rest.

Bislang ist nur klar, dass es sich wohl um einen zu Lebzeiten 1,65 Meter großen Mann handelt. Wann der Mann starb bzw. wie alt die Gebeine genau sind, konnte noch nicht festgestellt werden. Ulrich Himmelmann von der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz – Außenstelle Speyer schätzt sie allerdings auf 1500 bis 2000 Jahre – zu dieser Zeit zumindest bestand die lokale römische Siedlung, die wahrscheinlich mit der Zollstation Rufiniana ident ist.

Unter Steinbrocken versteckt

Ungewöhnlich ist vor allem der Fundort, denn Beisetzungen innerhalb einer Siedlung waren zur Römerzeit aus hygienischen Gründen eigentlich verboten. Dies und die Tatsache, dass man den Toten unter großen Steinbrocken versteckt hatte, lassen die Archäologen vermuten, dass sie es mit einem Mordopfer zu tun haben könnten. Ein Unfallopfer wäre demnach eher regulär außerhalb der Siedlung beigesetzt worden. Nun sollen sich Anthropologen der Gebeine annehmen. Himmelmann hofft, dass diese Untersuchungen Licht in die mysteriösen Todesumstände bringen können. (red, 22.9.2016)

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