Konflikt um geplanten Bau neben Karlskirche

22. September 2016, 14:25
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Das Zurich-Bürohaus zwischen Karlskirche und Wien-Museum soll aufgestockt werden. Dagegen sind Bürgerinitiativen, Anrainer und die FPÖ

Wien – Nach der Aufregung um die Neugestaltung des Wiener Heumarkts inklusive 73-Meter-Hochhaus gehen bei einem weiteren innerstädtischen Bauprojekt die Wogen hoch. Seit Wochen wettern Anrainer und Bürgerinitiativen gegen die geplante Aufstockung des Zurich-Bürogebäudes am Karlsplatz direkt neben der Karlskirche.

Am Mittwoch fand am Karlsplatz eine Demonstration statt: Unter den einigen Dutzend Demonstranten waren auch Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) sowie Parteikollegin Ursula Stenzel, ehemalige Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt und aktuell nichtamtsführende Stadträtin. "Schluss mit der Zerstörung des Karlsplatzes", war auf Tafeln zu lesen, ein Banner sagte "Nein zum Glasmonster". Neben der FPÖ sprach sich auch die Bezirks-ÖVP gegen das Projekt aus.

Drei Etagen mehr

Doch zurück zum Anfang: Als Reaktion auf die geplante Erweiterung des Wien-Museums durch Certov Winkler Ruck Architekten beschloss die Zurich-Versicherung, ihr fremdvermietetes Bürogebäude zu sanieren und um zwei Etagen und ein Staffelgeschoß aufzustocken. Henke Schreieck Architekten, die aus einem Architekturwettbewerb einstimmig als Sieger hervorgingen, schlugen eine behutsame Fortführung des 1971 errichteten Georg-Lippert-Baus vor.

"Die aus der Fußgängerperspektive wahrgenommene Gebäudehöhe liegt unter der Höhe des neuen Wien-Museums", erklärt der Juryvorsitzende Rüdiger Lainer. "Vor allem aber ordnet sich das Projekt der benachbarten, prominenten Karlskirche unter. Das ist in den Plänen und Visualisierungen deutlich zu erkennen." Nicht jedoch in denen, die von der "Kronen Zeitung" veröffentlicht wurden. "Diese sind manipuliert und falsch", so Lainer.

Das bestätigt auch Herbert Rasinger, Obmann des Vereins Initiative Stadtbildschutz Wien: "Es sind unterschiedliche Bilder in Umlauf, die definitiv nicht übereinstimmen. Generell denke ich aber, dass es keine gute Idee ist, jedem Haus in Wien einen Gupf aufzusetzen. Georg Lippert war ein sehr guter Architekt. Der braucht niemanden, der ihn korrigiert."

"Sinnvolle Ergänzung"

Christoph Luchsinger, Städtebau-Professor an der TU Wien, sieht die Sache anders: "Das Projekt ist eine sinnvolle Ergänzung zum Wien-Museum und wird den Karlsplatz, der an dieser Stelle nach wie vor unfertig scheint, abschließen und stadträumlich aufwerten."

Den Gegnern – darunter Anrainer, Rasingers Bürgerinitiative sowie die Plattform rettetdiekarlskirche.at – möchte er sagen: "Ich verstehe, dass es verschiedene Meinungen gibt. Doch einem hochqualitativen Projekt mit einer derartigen Polemik zu begegnen ist ein Armutszeugnis für die Stadt Wien."

Im Ressort von Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) betrachtet man die Aufstockungen des Wien-Museums und des Zurich-Hauses als gemeinsames Planungsgebiet. Im Bereich der Widmung werde man die beiden Projekte in der Unesco-geschützten Weltkulturerbe-Kernzone als Einheit bearbeiten.

Kein Planungsstopp

Droht auch hier ein Planungsstopp für das "Glasfurunkel" (O-Ton "Krone") oder eine Nachdenkpause wie im Fall des Eislaufverein-Intercont-Areals inklusive Turm im Mai 2016? "Man muss schon unterscheiden zwischen dem, was auf fachlicher Ebene breit diskutiert und an sachlichen Bedenken im Laufe des Verfahrens geäußert wird, und dem, was vereinzelt als Meinung geäußert wird", sagt Patrik Volf, Sprecher von Vassilakou.

Eine Gefährdung sei nicht gegeben. Das Juryergebnis spreche für sich. "Aus aktueller Sicht sehe ich keine Gefahr für unser Projekt", sagt Silvia Emrich, Vorstandsmitglied der Zurich-Versicherung. "Wir hoffen, dass wir im zweiten Halbjahr 2017 die Baugenehmigung bekommen." (Wojciech Czaja, 22.9.2016)

  • Die geplante Aufstockung des Zurich-Bürogebäudes neben der Wiener Karlskirche erregt die Gemüter. Die Stadt steht hinter dem Projekt.
    rendering: henke schreieck

    Die geplante Aufstockung des Zurich-Bürogebäudes neben der Wiener Karlskirche erregt die Gemüter. Die Stadt steht hinter dem Projekt.

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