Ruttenstorfer: Teile der Politik wollen Telekom Austria zerschlagen

22. September 2016, 11:32
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Mehrheitseigentümer America Movil nicht an Zerschlagung interessiert – Eigentümer müssen über Zukunft entscheiden

"Teile der österreichischen Politik" wollen die Telekom Austria zerschlagen, kritisiert Telekom-Austria-Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer. Der Mehrheitseigentümer America Movil (AMX) habe daran hingegen kein Interesse und wolle das Unternehmen als "Wachstumsplattform für Europa" nutzen. Die Eigentümer sollten sich rasch entscheiden, wie es weitergeht und die Telekom Austria arbeiten lassen.

Er selber habe am vorigen Freitag mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) ein Gespräch über die Telekom Austria geführt, so Ruttenstorfer am Donnerstag zur APA. Dabei sei es auch um den in den heimischen Medien zuletzt lancierten Vorschlag gegangen, die Telekom Austria zu zerschlagen, indem entweder die A1 als zentraler Baustein aus dem Konzern herausgelöst oder das Netz als eigener Bereich aus der A1 ausgegliedert wird.

De Facto die Zerschlagung zu fordern, knapp nachdem die Telekom Austria verkauft wurde, sei "jetzt etwas ungewöhnlich". Es sei zwar legitim, in Österreich darüber zu diskutieren, dass man die gesamte Infrastruktur zusammenführen will, aber das wäre besser geschehen, bevor die Telekom Austria verkauft wurde. Auch habe America Movil öffentlich klar gesagt, "das macht sie nicht", so Ruttenstorfer. Er habe dem mexikanischen Mehrheitseigentümer von solchen Überlegungen in Österreich berichtet, aber "ich habe keinen Hinweis, dass die AMX diesem Vorschlag näher treten möchte". Auch dem Finanzminister habe er gesagt, dass er nicht glaube, dass die AMX einem Vorschlag zur Zerschlagung zustimmen würde.

Strategische Diskussionen

Zugleich betont Ruttenstorfer, es sei das Recht der Haupteigentümer America Movil und Republik Österreich, über solche strategischen Fragen zu diskutieren. Das sei nicht die Entscheidung des Aufsichtsrates. Aus seiner Sicht ist die Telekom Austria aber auf gutem Weg zu einem effizienten Konzern, "ich würde der Zerschlagung nicht das Wort reden". Sollten sich die Haupteigentümer auf die Zerschlagung einigen, dann könne man eben keine Synergien heben. Jedenfalls brauche es dazu eine Entscheidung der Hauptversammlung.

Wenn man den Konzern nicht zerschlagen wolle, dann sei die Alternative, die Unternehmensteile enger zusammenzuführen und die Synergien besser zu nutzen. Das sei derzeit die Strategie des Vorstandes, sagt Ruttenstorfer. Eine der Möglichkeiten sei die – heute im "Kurier" beschriebene – Variante, die Österreich-Tochter A1 in eine GmbH umzuwandeln. "Darüber wird nachgedacht", so Ruttenstorfer. Einen formellen Vorschlag gebe es nicht, daher wolle er sich als Aufsichtsratschef dazu auch nicht äußern. "Ich muss auf das Wohl des Unternehmens schauen", sagt Ruttenstorfer. Er sei in seiner Funktion auch nicht Eigentümervertreter.

Laut "Kurier" hat Schelling bei dem Vier-Augen-Gespräch Ruttenstorfer zum Rücktritt aufgefordert. "Es steht mir nicht zu, den Minister zu kommentieren oder zu zitieren", sagt dazu Ruttenstorfer, aber er begleite die Firma gerne, "die Frage eines Rücktritts stellt sich für mich nicht".

Umwandlung

Laut "Kurier" ist die Umwandlung der A1 in eine GmbH "fast fertig ausverhandelt" und soll im November im Aufsichtsrat beschlossen werden. "Viele Kritiker" würden Ruttenstorfer vorwerfen, nicht die Interessen der Republik Österreich zu vertreten, er komme auch in der SPÖ – Ruttenstorfer gilt als SPÖ-nahe – "immer stärker unter Beschuss". Insbesondere A1-Betriebsratschef Walter Hotz fordert im "Kurier" den Rücktritt Ruttenstorfers. Hotz wolle der Umwandlung der A1 in eine GmbH mit dem damit verbundenen Verlust an Selbstständigkeit keinesfalls zustimmen, zur Not werde es "gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen" dagegen geben. Aus Hotz' Sicht würde die A1 durch die Umwandlung in eine GmbH geschwächt, das sei nicht im Sinne des Syndikatsvertrags zwischen Republik Österreich und America Movil.

  • Artikelbild
    foto: heinz-peter bader / reuters
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