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Lenken und lenken lassen

22. September 2016, 09:58

Das Steuer aus der Hand zu geben, fällt vielen schwer. Liegt die Zukunft des Straßenverkehrs dennoch im automatisierten Fahren? In Hagenberg wird intensiv zum Thema geforscht.

Kein morgendlicher Stau mehr beim Weg in die Arbeit – eine Wunschvorstellung? Vielleicht doch nicht, wenn die schnellstmögliche Route und optimale Abfahrtszeit vorberechnet sind und zusätzlich vor Unfallstellen gewarnt sowie eine Umleitungsroute vorgeschlagen wird! Wenn so auch noch der Spritverbrauch möglichst gering bleibt, ist das Szenario wohl perfekt! Wie es sich verwirklichen lässt, daran wird auch an der FH Oberösterreich in Hagenberg geforscht.

Vernetzung als Schlüssel

"Drahtlose Funkkommunikation und Software sind der Schlüssel dazu, dass Fahrzeuge sich untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur austauschen und Informationen über Verkehrsaufkommen, Straßenzustände bzw. Gefahren empfangen können", sagt Gerald Ostermayer, der Leiter der Forschungsgruppe "Networks & Mobility".

Im Projekt "Connected Vehicles" forschen er und seine Mitarbeiter zu eben diesem so wichtigen Informationsaustausch – interdisziplinär und in drei Themenbereichen. "Zuerst einmal geht es um eine effiziente Nutzung des Straßennetzes. Unsere Forschung leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Fahrzeuge in Echtzeit optimal durch den Verkehr zu leiten – durch dynamisches Rerouting etwa, wenn es Unfälle gibt oder wenn sich Staus zu bilden beginnen", erklärt Ostermayer.

Der zweite Forschungsschwerpunkt liegt auf der Kommunikationsstrecke zwischen den Fahrzeugen, die mit neuen Methoden untersucht wird. Das dritte Thema betrifft die heikle Balance zwischen Datensicherheit und Betriebssicherheit, also Security und Safety. Ostermayer: "Wenn zum Beispiel ein Bremsmanöver zu spät eingeleitet wird, weil Daten von außen manipuliert wurden oder deren Entschlüsselung nicht rechtzeitig oder nicht korrekt erfolgt ist, kann das natürlich fatale Auswirkungen haben."

Irren ist menschlich

Zusätzlich arbeiten Ostermayer und sein Team in Hagenberg an der Modellierung des menschlichen Fahrverhaltens. Im Rahmen des Forschungsprojektes "aDrive" gehen sie folgender Frage nach: Wie verhalten sich Personen am Steuer eines Fahrzeugs in ganz bestimmten Situationen? Diese Informationen sind besonders wichtig, um Mischzustände im Straßenverkehr zu untersuchen. Und mit solchen wird man es auch langfristig zu tun haben.

"Es werden nie alle Fahrer die Daten ihres Fahrzeugs zur Verfügung stellen, nicht jeder wird mit Navi fahren, und ein Fahrer eines Ferrari wird wohl immer selber lenken wollen", ist Ostermayer überzeugt. Deswegen untersucht seine Forschungsgruppe auch verschiedenste Szenarien: solche mit autonom fahrenden Autos, mit kooperativ fahrenden Autos, mit weder autonom noch kooperativ fahrenden Autos und Kombinationen davon.

Nutzen für alle

Die Aufgabe der ForscherInnen ist es, Zahlen zu finden: Welchen Aufwand muss man betreiben, um welchen Gewinn – gemessen in Reduktion von Zeit, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung – zu erzielen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung. Erste Ergebnisse wurden bereits im Journal "IEEE Transcations on Intelligent Transportation Systems" veröffentlicht.

Profitieren kann davon letztendlich jede/r Einzelne individuell und die Allgemeinheit – "wenn Unternehmen aus unseren Forschungsresultaten dann auch einen Business Case ableiten und Dinge in die Praxis umsetzen", so Ostermayer. Auf jeden Fall fließt das gewonnene Wissen aber in die Lehre an der FH ein und kommt so den Studierenden wieder zu Gute – demnächst, so ist es zumindest geplant, sogar auch im Rahmen eines neuen Studiengangs am Campus Hagenberg namens Automotive Computing.

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    foto: fotolia
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