Wiener Firma stellt Buttons aus Mais statt Blech her

22. September 2016, 15:00
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Buttons4you setzt auf biologisch abbaubare Anstecknadeln

Wien – Trotz massenweise digital verschickter Smileys bzw. Emoticons sind sie immer noch gefragt: blecherne Anstecknadeln, um persönliche Vorlieben auszudrücken, die sich im Deutschen als Buttons eingebürgert haben. Viele davon enden, den Moden folgend, irgendwann im Mist oder vergammeln sonst wo vor sich hin.

Auch wenn der Wiener Hannes Schmitz seit mehr als 30 Jahren Geld mit der Fertigung der bunten Plaketten verdient, die damit einhergehende Verschwendung von Ressourcen und Umweltbelastung war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Die Teilnahme am ÖkoBusinessPlan, einer Initiative der Stadt Wien, brachte ihn nicht nur dazu, seinen gesamten Betrieb Buttons4you im 20. Bezirk nachhaltig aufzustellen, sondern auch zu einem ökologisch runden Produkt: dem Biobutton.

Stärke, Holz und Wachs

Gut Ding will Weile haben: Mehrere Jahre lang experimentierte der umweltbewusste Unternehmer gemeinsam mit dem Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (Ifa Tulln) mit Materialien und Herstellungsmethoden, bis das Ei der runden Scheibe gefunden war: eine Mischung aus Industriemaisstärke, Holz und Wachs als Additiv. 17 Versuche davor waren fehlgeschlagen. Nachdem auch ein Hersteller mit Folien aus Maisstärke in Belgien gefunden worden war, konnte heuer mit der nachhaltigen Produktion gestartet werden.

Mit den neuen Rohstoffen ergeben sich einige Vorteile: Fielen beim Stanzen der Weißblechrohlinge 30 Prozent Abfälle an, sind es Schmitz zufolge nun nur noch 0,5 Prozent des Materials, das verloren geht. Die Weißblechabfälle wurden zwar zur Wiederverwendung eingeschmolzen, mussten dazu aber eigens zu einem Stahlverarbeiter transportiert werden.

Herstellung mit Justizanstalt

Das Grundmaterial wird nun von der Ifa-Tochter Fasal in Tulln geliefert. Ein großer Teil der Herstellung erfolgt in Kooperation mit der Justizanstalt Wien. "Zehn Prozent der jährlich von Buttons4you erzeugten rund eine Million Anstecker sind bereits 100 Prozent kompostierbar, recylingfähig und CO2-neutral", zieht Schmitz die erste Bilanz der Umstellung. Bis 2018 soll der Anteil auf 30 Prozent erhöht werden. Rund 400.000 Euro pro Jahr setzt das Unternehmen, zu dem auch eine Druckerei gehört, mit den Plaketten um.

Die Kehrseite der Medaille: die Herstellungskosten liegen 20 Prozent höher. Damit und mit dem Biomascherl hat es Schmitz bei seinen Kunden, großteils Werbemittelfirmen, nicht gerade leicht. Dafür hat der größte europäische Hersteller, der deutsche Buttonboss, Geschmack an den Maislingen aus Wien gefunden: "Wir werden für ihn Halbfertigprodukte erzeugen, das hilft uns, unsere Entwicklungskosten schneller wieder reinzuholen."

Das gesamteuropäische Patent hat er sich gesichert. Beim US-Patent läuft die 15. Einreichphase. "Die größten Buttonproduzenten der Welt wollen keine Europäer in den Markt lassen", mutmaßt Schmitz. (kat, 22.9.2016)

  • Ein Button ist nicht immer  ein Button. Diese sind aus Mais.
    foto: kat

    Ein Button ist nicht immer ein Button. Diese sind aus Mais.

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