Kapitallücken lassen sich mit Crowdfunding füllen

22. September 2016, 06:00
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Mit Hilfe des Schwarms lässt sich viel auf die Beine stellen. Das gilt auch für die Finanzierung pfiffiger Geschäftsideen

Wien – "Ich habe in Sachen Finanzierung schon einmal alles auf eine Bank gesetzt und keine guten Erfahrungen gemacht", sagt Herfried Neumeister. Der Gründer der Star Agro versucht jetzt mit Schwarmfinanzierung etwas Neues. Die Firma mit Sitz in der Südsteiermark kreiert und vertreibt natürliche Pflanzendünger.

Neumeister kommt die neugegründete Crowdfunding-Plattform der Rockets Holding, Lion Rocket, für Klein- und Mittelbetriebe gerade recht. Die erste Plattform dieser Art ist das nicht. In Zeiten, in denen der Mittelstand über schleppende Kreditvergabe der Banken klagt, gewinnen Alternativen an Bedeutung. KMU-Forscher Peter Voithofer findet das gut: "Konkurrenz belebt. Gut, dass es mehr Möglichkeiten der Finanzierung gibt."

Hauptklientel sind Start-ups

Zehn bis 15 Millionen Euro wurden heuer via Crowd gesammelt, 8,3 Millionen laut den Gründern Wolfgang Deutschmann und Peter Garber von den Rocket-Plattformen. Was die gesamten Finanzierungsvolumina betrifft, ist das laut Voithofers Schätzung aber "deutlich unter einem Prozent."

Das Hauptklientel der meisten Plattformen sind Start-ups, Immobilienprojekte und kleine Unternehmen. Lion Rocket spricht explizit etablierte Firmen an, die mindestens fünf Jahre alt sind. Die Crowdinvestoren geben den Firmen, wie in der Branche mittlerweile üblich, ein Nachrangdarlehen. Akquiriert werden können maximal 1,5 Millionen Euro.

Größere Firmen brauchen Prospekt

Grundsätzlich gilt das seit dem Vorjahr geltende Alternativfinanzierungsgesetz für Start-ups und den Mittelstand, laut Definition der EU-Kommission mit höchstens 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. Finanzieren sich größere Firmen über Crowd, müssen sie einen vollständigen Kapitalmarktprospekt vorlegen. Eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit.

Star Agro kommt ohne aus. Mit Niederlassungen in sieben EU-Ländern beschäftigt das Unternehmen 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 48 Millionen. Neumeister will nun mit Star OGET (Ohne Gentechnik) Produktneuheiten forcieren und ist sicher, dass es Bedarf gibt. "Jetzt erst recht, wo Bayer Monsanto geschluckt hat."

Neue Kundenbeziehungen etablieren

Für Investmentpunk Gerald Hörhan, Berater der Rocket-Plattformen, heißt es, aus der Not eine Tugend zu machen: "Die Bank gibt das Geld billig. Dafür braucht es immer mehr Sicherheiten. Über Lion sollen die Firmen ihr Eigenkapital stärken können, damit sie sich hinterher leichter bei den Banken finanzieren können."

Der eine oder andere könnte dies brauchen. Grundsätzlich hat sich laut KMU-Forscher Voithofer aber die Kapitalquote bei den heimischen Firmen deutlich gebessert und liegt im Durchschnitt bei 30 Prozent. "Auch Banken freuen sich derzeit, wenn jemand investieren will." Einen Vorteil kann man aber Crowdfunding sicher nicht absprechen. Schwarmfinanzierungen bietet die Möglichkeit, neue Kundenbeziehungen zu etablieren.

Vor allem für Anbieter von Konsumprodukten sei dies eine gute Idee, sagt Hörhan. Smoothie-Hersteller Jucyou lässt sich das nicht entgehen. Die 2006 gegründete Firma produziert Plastikflaschen für gepresstes und püriertes Obst für den Lebensmittelhandel. Mit der Crowd will man eine Produktionsstätte für die Abfüllung in Glas finanzieren. (Regina Bruckner, 22.9.2016)

  • Obst ist gesund. In Form von Smoothies ist es auch noch schick. Ob Glas dazu besser passt als Plastik, will eine Firma nun ausprobieren.
    foto: ho

    Obst ist gesund. In Form von Smoothies ist es auch noch schick. Ob Glas dazu besser passt als Plastik, will eine Firma nun ausprobieren.

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