Ex-Unicredit-Chef: Italobanken müssen abspecken

21. September 2016, 19:24
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Alessandro Profumo rechnet mit weniger Filialen

"Auch ich würde heute als Unicredit-Chef Beteiligungen verkaufen", erklärt der ehemalige Chef der Bank-Austria-Mutter Unicredit, Alessandro Profumo, im Gespräch mit dem STANDARD. "Die Zeiten haben sich geändert", beantwortete er die Frage, ob es denn nach der rasanten Expansion von Unicredit zu Anfang der Jahrtausendwende nicht bedauerlich sei, die einmal erworbenen Assets zum Teil wieder abgeben zu müssen. Bekanntlich stehen unter anderem die polnische Pekao Bank und der Vermögensverwalter Pioneer Investments zum Verkauf.

Profumo, der kurz nach dem Rücktritt als Unicredit-Chef (2010) zum Präsidenten der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena ernannt wurde, sieht deren Rettung nur dann, wenn der neue Bankchef möglichst schnell den Geschäftsplan verabschiedet und vor der angepeilten Kapitalerhöhung eine Bilanzsäuberung mit der Ausgliederung aller notleidenden Kredite durchführt.

Den eigentlichen Grund für die Endlos-Krise der Traditionsbank aus Siena sieht er nicht nur in der damaligen "schlechten Governance". Er wollte sich nicht dazu äußern, ob der kürzlich erfolgte Chefwechsel bei MPS notwendig gewesen sei. Sowohl Bankchef Fabrizio Viola als auch Präsident Massimo Tonini hatten angeblich auf Wunsch internationaler Investoren das Handtuch geworfen.

Langgehegter Wunsch nach Beteiligung

Profumo hatte sich vor gut einem Jahr von seinem Präsidentenamt bei MPS zurückgezogen. Er ging seinem langgehegten Wunsch nach, sich selbst an einem Unternehmen zu beteiligen und erwarb 27 Prozent des unabhängigen Finanzberaters Equita Sim. Gleichzeitig wurde er auch zum Equita-Präsidenten ernannt. Das Unternehmen hat u. a. den Verleger Urbano Cairo beim Bieterkampf um den Traditionsverlag Rizzoli Corriere della Sera flankiert. Mittelfristig plant Profumo auch "sein" Unternehmen Equita an die Börse zu bringen.

Der bisher überzeugte Europäer Profumo äußerte sich zur heutigen Europapolitik skeptisch und unterstützt Italiens Regierungschef Matteo Renzi bei dessen jüngster Kritik in Bratislava an der lahmen Wachstums- und mangelnden Flüchtlingspolitik. "Wenn nicht alle an ein und demselben Seil ziehen, dann zerbricht Europa", befürchtete der Banker.

Für Eurominister

Er wünsche sich ein föderales Europa, mit einem gemeinsamen Wirtschaftsminister der Euroländer. An die Einführung eines Euro A und eines Euro B glaubt er nicht. Nach wie vor sei er überzeugt, dass die Einführung der Bankenunion, einer gemeinsamen Bankenaufsicht ein großer Schritt voran gewesen sei und als Modell für andere Branchen dienen könne.

Profumo, mit 40 Jahren jüngster Bankchef Italiens (1997), wandelte Unicredit mit einem Anteil von drei Prozent am Inlandsmarkt zu einem der größten europäischen Player mit 3,5 Prozent Marktanteil in Europa. Seine Vision über die Zukunft der Banken liegt vor allem im Fokus auf dem Investmentbanking, das noch ein hohes Wachstumspotenzial aufweise. Das Retailbanking müsse weiterhin abgespeckt, Filialen geschlossen und der Kundenservice qualifiziert werden. Im Wealth Management (Private Banking, Versicherungen) sieht er verringerte Margen voraus. Er ist überzeugt, dass es zu viele Banken in Italien gebe. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 21.9.2016)

  • Profumo ist jetzt an einem Finanzberater beteiligt.
    foto: reuters / rellandini

    Profumo ist jetzt an einem Finanzberater beteiligt.

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