Industrie mahnt zu Maßhalten bei Löhnen: "Wollen Stück für uns"

22. September 2016, 07:00
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Am Montag verhandeln die Metaller über eine Lohnerhöhung

Wien – Fünf Tage vor der Herbstlohnrunde für rund 190.000 Metaller und Industrieangestellte mahnt der größte der fünf Fachverbände, die Maschinen- und Metallwarenindustrie samt Gießereien, zu einem moderaten Abschluss. "Wir zahlen überdurchschnittlich gut, unser Mindestlohn ist mit 1750 Euro pro Monat der höchste in Österreich und die Durchschnittsgehälter für Angestellte liegen mit rund 4300 Euro ebenfalls weit über anderen Branchen", rechnete Verbandsobmann Christian Knill am Mittwoch in einer Pressekonferenz vor.

Jahr für Jahr habe die Branche Inflation und Produktivitätssteigerung mehr als abgedeckt. "Jetzt wollen wir auch ein Stück vom Produktivitätsfortschritt für uns", assistierte Fachverbandsgeschäftsführer Bernd-Thomas Krafft und stellte damit indirekt die sogenannte "Benya-Formel" für die Berechnung der Lohnerhöhung infrage.

"Leben vom Export"

Zur Unterfütterung verwies er auf fehlende Investitionen und vor allem hohe Lohnstückkosten, Österreich rangiert im EU-Vergleich auf Platz 3 hinter Finnland und Deutschland. "Wir leben vom Export", appelliert Krafft, deshalb müsse man insbesondere in Europa konkurrenzfähig bleiben. Der Auftragseingang stagniere ebenso wie die Bruttoanlageninvestitionen, die seit 2009 um 3,2 Prozent zurückgegangen seien. Auch der Produktionswert bewege sich laut Konjunkturstatistik der Kammer seit 2012 mit rund 35 Milliarden Euro nicht vom Fleck.

Streit mit den Sozialpartnern von Metall- und Privatangestelltengewerkschaft ist damit programmiert. Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer von der Produktionsgewerkschaft Proge relativiert die pessimistische Darstellung der wirtschaftlichen Lage der Branche postwendend: Wohl seien die Investitionen im Vorjahr verhalten gewesen, aber im ersten Halbjahr 2016 zögen sie wieder kräftig an, sagt Wimmer unter Verweis auf Berechnungen ÖGB-eigener Ökonomen. "Die Daten zeigen eindeutig aufwärts", sagt Salinen-Arbeiter Wimmer, der am Montag mit einer konkreten Prozentzahl in die Verhandlungen gehen will.

Produktion schwankend

Die Stundenproduktivität in der Herstellung von Waren sieht man bei konstanter Zahl der Arbeitsstunden um 2,1 Prozent höher. Der Produktionsindex in der Sachgüterindustrie sei wohl monatlich schwankend, aber trotz einer Delle im Mai und Juni stehe im ersten Halbjahr unterm Strich ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber Juni 2015 und im Gesamtjahr eines von 1,8 Prozent. Einzig die Teuerungsrate sehen beide Verhandlungspartner ähnlich, nämlich zwischen 0,7 bis 0,9 Prozent.

Das Wifo sagte im Juni einen realen BIP-Zuwachs um 1,7 Prozent voraus und den der gesamtwirtschaftlichen Produktivität pro Stunde um 0,8 Prozent höher – ob diese Annahmen so bleiben weiß man am 29. September, da präsentieren Wifo und IHS ihre Herbstprognose. (ung, 22.9.2016)

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