"Was hat uns bloß so ruiniert?": Auch Coolness kann nerven

22. September 2016, 10:31
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Marie Kreutzers Film tritt gegen das österreichische Feel-bad-Kino an

Stella (Vicky Krieps) will unbedingt cool sein. Dafür verkleidet sich die Filmakademiestudentin als Hipster (samt Placebo-Brille) und lebt mit ihrem Food-Blogger-Freund in einer Altbauwohnung. Als sie ein Kind erwartet, löst das prompt zwei weitere Schwangerschaften im Freundeskreis aus.

foto: juhani zebra / thimfilm
Ines (Pia Hierzegger) hat keine Lust auf Familie. Exfreund Chris wohnt vor ihrer Wohnung im Auto.

Was hat uns bloß so ruiniert?, fragt Marie Kreutzer (Gruber geht) in ihrem neuen Film und meint damit die Aufgabe des eigenen Selbst beim Elternsein. Drei Paare lässt sie am Alles-richtig-Machen scheitern. Stella ist dabei so sehr um ihre Coolness bemüht, dass sie sehr bald nicht nur ihrem Umfeld unglaublich auf die Nerven geht. Etwas, das sich auch auf den Zuschauer überträgt. Der Ausbruch aus dem perfekten Leben gelingt ihr dann klischeehaft mit einer Affäre – in Klosterneuburg.

Mit einem im Bobo-Milieu verhafteten Film tritt Kreutzer gegen das österreichische Feel-bad-Kino an, auf das auch ironisch Bezug genommen wird. Die Darstellung scheiternder Menschen ist ihr aber schon besser gelungen.

thimfilm filmverleih

Sehenswert ist dafür das Paar Ines (Pia Hierzegger) und Chris (Manuel Rubey). Erfrischend undramatisch ist Ines nicht am Muttersein interessiert und trennt sich bei der Geburt von ihrem Freund. Chris schläft daraufhin im Auto und kümmert sich ums Kind. "Du bist mir moralisch überlegen, sonst nicht", sagt Ines zu Chris und hat damit irgendwie recht. (kst, 21.9.2016)

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