Hedgefonds kämpfen um ihre Kunden

21. September 2016, 15:41
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Große Fonds ziehen mangels Gewinns Geld ab – Niedrigere Gebühren als Lockmittel

Frankfurt – Noch vor wenigen Jahren rannten Investoren Hedgefondsmanagern die Türen ein. Nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen müssen die einstigen Börsenstars nun Kunden mit Rabatten ködern. "Es gibt keinen Fondsmanager, der nicht über niedrigere Gebühren nachdenkt", sagt David Saunders, Chef des Vermögensberaters K2, der im Auftrag seiner Kunden zehn Milliarden Dollar bei Hedgefonds angelegt hat.

Auch das alte "2 und 20"-Modell – also zwei Prozent Managementgebühr plus 20 Prozent der Kursgewinne – gehört seit der Finanzkrise der Vergangenheit an. Die Performancefees schrumpften im vergangenen Jahrzehnt laut dem Branchendienst Eurekahedge auf unter 17 Prozent. Zudem haben sich viele Hedgefondsmanager in den vergangenen Jahren verzockt. Mehr als 100 Hedgefonds mussten allein 2015 schließen. Darüber hinaus entwickelt sich "Kollege Computer" zu einer ernsthaften Konkurrenz. Während der Börsenturbulenzen zu Jahresbeginn machten die Black-Box-Hedgefonds, bei denen hoch entwickelte Programme die Investitionsentscheidungen treffen, im Schnitt 4,1 Prozent Gewinn. Fondsmanager fuhren dagegen teilweise zweistellige prozentuale Verluste ein.

Rauer Gegenwind

Weil sie kaum reguliert werden, gehen einige Fonds noch immer extreme Risiken ein und gelten daher als Risiko für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems. Einige Kunden haben daher bereits Konsequenzen gezogen. Der Pensionsfonds des US-Bundesstaats New Jersey etwa will seine Investitionen in Hedgefonds von derzeit rund neun Milliarden Dollar halbieren. "Sie haben nicht geliefert", sagt Randi Weingarten, Chefin der US-Lehrergewerkschaft.

Im benachbarten New York City beschloss der größte Pensionsfonds der Stadt vor einigen Monaten, sein Geld komplett aus Hegdefonds abzuziehen. Auch der kalifornische Pensionsfonds Calpers – einer der größten weltweit – zog 2014 die Reißleine. Unter dem Strich legten Investoren seit Jahresbeginn zwar 14,7 Milliarden Dollar neu bei Hedgefonds an, sagen die Experten von Eurekahedge. Im vergangenen Jahr waren es aber knapp 109 und 2007 sogar noch 343 Milliarden Dollar.

Die Hedgefonds-Branche reagiert und dreht daher an der Preisschraube: Der US-Fonds Caxton staffelt nach Reuters-Recherchen seine Managementgebühren. Je höher die Anlagesumme, desto geringer die Kosten. Noch günstiger wird es, wenn Investoren sich verpflichten, ihr Geld mindestens drei Jahre fest anzulegen. Der Vermögensverwalter BlackRock halbierte die Gebühren für seinen UK Emerging Companies Fonds nahezu auf ein Prozent.

Bei einigen Vertretern der Branche geht es auch ans Eingemachte. Weltmarktführer Bridgewater mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt etwa 150 Milliarden Dollar will sich angesichts "aufgeblähter, ineffizienter und bürokratischer" Strukturen gesundschrumpfen. Inzwischen ist auch ein Stellenabbau kein Tabu mehr beim Branchenprimus.

Für einen Abgesang auf die Branche besteht nach Einschätzung von Dawn Fitzpatrick, Aktien-Chefin der UBS-Vermögensverwaltung, aber kein Anlass. Sie rät Anlegern zu Geduld, räumt aber ein: "Das ist derzeit aber sehr hart." (Reuters, 22.9.2016)

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