Ein Kostenvergleich bei Fonds lohnt

22. September 2016, 09:05
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Beim Kauf von Fondsanteilen fallen Gebühren an, die bei der Anschaffung berücksichtigt werden müssen

Wien – Beim Blick auf ihren Kontoauszug ärgert sich Frau N*. Sie hat sich – entgegen ihrer bisherigen Überzeugung – von ihrem Bankberater überreden lassen, Geld in einen Fonds anzulegen. Von ihrem Konto wurde dann aber nicht nur die Summe abgezogen, die in den Fonds investiert wurde, sondern etwas mehr. Ein erboster Anruf bei der Bank bringt jene Klarheit, die Frau N. nach dem Beratungsgespräch längst hätte haben sollen. Ein Fonds verursacht nämlich auch Anschaffungskosten und laufende Gebühren.

Folgende Kosten sind beim Kauf und Halten von Fondsanteilen zu berücksichtigen:

  • Depot: Jedes Finanzprodukt, das gekauft wird, wird auf einem Depot hinterlegt, das bei der Bank liegt. Bei der Depoteröffnung fallen einmalige Kosten an – ebenso für die laufende Depotverwaltung. Die Kosten für ein Depot variieren von Bank zu Bank. Es gibt auch Onlinebroker, bei denen Depots eröffnet werden können – ein Kostenvergleich lohnt hier.
  • Ausgabeaufschlag: Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr, die beim Kauf des Fonds anfällt. Sie wird als Prozentsatz (auf der Basis des Rücknahmepreises) angegeben. Die Höhe des Ausgabeaufschlags variiert von Institut zu Institut und dient zur Deckung der Vertriebskosten. Für ein und denselben Fonds kann es daher einen – je nach Vertriebsnetz (Filialen von Banken, Vermögensberater, Diskontbroker) – unterschiedlich hohen Ausgabeaufschlag geben. Bis zu vier Prozent und mehr müssen hierbei aber kalkuliert werden. Die gute Nachricht: Mit etwas Verhandlungsgeschick kann an dieser Kostenschraube gedreht werden.
  • Managementgebühr: Unter diesem Punkt sind jene Kosten zusammengefasst, die der Fonds selbst laufend zu begleichen hat. Dazu zählen die Verwaltungsgebühren für das Fondsmanagement und die Ausgaben für den Wirtschaftsprüfer sowie die Gebühren, die für Transaktionen anfallen. Bezahlt wird diese Gebühr nicht direkt vom Anleger, sondern sie wird dem Fonds laufend angelastet und ist daher im Fondspreis auf täglicher Basis (Rechenwert) berücksichtigt. Je nach Art des Fonds können bis zu zwei Prozent pro Jahr verrechnet werden. Bezahlt wird anteilsmäßig aus dem Fonds. Weil der Inhalt (oft sind die Transaktionskosten in den Verwaltungsgebühren nicht enthalten) und Name dieser Gebühr mitunter nicht bei allen Instituten einheitlich ist, wurden diese Kosten in den vergangenen Jahren unter "Total Expense Ratio" oder "Laufende Kosten" zusammengefasst. Damit ist auf einen Blick ersichtlich, welcher Aufwand beim Fonds jährlich zusätzlich zum Ausgabeaufschlag anfällt. Die laufenden Kosten müssen in jedem "Fondsbeipackzettel", dem "key investor document" (KID) angeführt sein.
  • Performancegebühr: Diese Kosten kommen nicht bei jedem Fonds vor. Sie fallen dann an, wenn der Fonds eine bestimmte Wertentwicklung erreicht hat – ab diesem Niveau nascht der Fonds am Wertzuwachs mit. Oft wird diese Gebühr bei alternativen Strategien oder Hedgefonds verrechnet.
  • Rücknahmegebühr: Will man den Fonds verkaufen, kann man diesen meist börsentäglich der Bank zurückverkaufen. Achtung: In manchen Fällen wird dann eine Rücknahmegebühr verrechnet.

Was grundsätzlich nicht vergessen werden darf: Die Kosten des Fonds nagen freilich auch an der Rendite; gerade zu Beginn, wenn der Ausgabeaufschlag abgezogen wird. Es ist bei Fonds daher so wie bei anderen Produkten auch: Es kann längere Zeit dauern, bis Anleger ins Plus kommen.

Mit der Erweiterung der EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid – soll 2018 in Kraft treten) sollen Banken vorlegen müssen, wie viel sie an dem Kunden verdienen, etwa durch Bestandsprovisionen. Das ist jenes Geld, das eine Bank von einem Fondshaus dafür bekommt, dass die Bank den Fonds im Angebot hat. Die EU will damit mehr Transparenz in die Branche bringen. (Bettina Pfluger, 22.9.2016)

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  • Artikelbild
    foto: getty images/istockphoto
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