Kinderbetreuung: 11.000 neue Plätze, aber Mängel bei Öffnungszeiten

21. September 2016, 12:46
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Umfrage: Bewertung der Familienfreundlichkeit Österreichs gestiegen

Wien – Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von gut einem Drittel der Österreicher als gut oder sehr gut eingeschätzt, geht aus dem neuesten "Familienfreundlichkeits-Monitor" von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hervor. Tatsächlich wurden allein 2015/2016 über 11.000 neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen, ein Problem stellen aber nach wie vor die Öffnungszeiten dar.

Um die eigene Politik auf den Prüfstand zu stellen, messe man einmal jährlich anhand von zehn Indikatoren die Fortschritte, erläuterte Karmasin bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Einschätzung der Familienfreundlichkeit Österreichs habe sich "dramatisch verbessert" und liegt bei 67 Prozent, frohlockte die Ressortchefin angesichts der Umfragedaten des Instituts Mindtake (rund 1.000 Befragte, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung).

Barcelona-Ziel noch immer nicht erreicht

Der Anteil der familienpolitischen Leistungen am BIP stagnierte (Wifo: 2013 und 2014 je 2,9 Prozent) bzw. sank (OECD: 2011 2,71 Prozent, 2013 2,62 Prozent) in den vergangenen Jahren je nach Berechnungsweise. Die absolute Zahl der Familien mit Kindern im Haushalt hat sich 2015 im Vergleich zu 2014 leicht gesteigert auf 1,391 Mio., ebenso ging die Fertilitätsrate von 1,46 auf 1,49 dezent nach oben (das entspricht etwa 3.000 Geburten mehr). Ziel sei es, dass 2025 der Kinderwunsch von zwei Sprösslingen auch tatsächlich realisiert werde, meinte Karmasin.

Einen wichtigen Einfluss darauf habe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die Kinderbetreuungsquote bei den 3- bis 6-Jährigen lag im Vorjahr bei 95,1 Prozent, jene für die noch Kleineren bei 27,4 Prozent. Das EU-weite Barcelona-Ziel von 33 Prozent ist also noch immer nicht erreicht, obwohl dies schon 2010 der Fall sein hätte sollen. Auf das Ziel fehlen noch 13.000 Plätze, diese seien bis 2018 realistisch, erklärte Karmasin.

Überhaupt freute sich die Ministerin über die Wirkung der 15a-Vereinbarungen der vergangenen Jahre zwischen Bund und Ländern, mit denen die Kinderbetreuung ausgebaut werden soll. Im Kindergartenjahr 2015/2016 wurden demnach gut 11.300 neue Plätze geschaffen – fast 5.000 für Unter-3-Jährige und 6.300 für 3- bis 6-Jährige. Seit 2007 zählte man insgesamt knapp 59.000 neue Betreuungsplätze.

Fast 40 Schließtage in Vorarlberg

Ein Problem für Eltern stellen nach wie vor die Öffnungszeiten dar: Von 25,2 Schließtagen im Jahr in der Steiermark bis 39,4 Schließtagen in Vorarlberg reicht die Skala – das sei "noch nicht so optimal, wie wir uns das vorstellen", richtete Karmasin den Ländern aus. "Missmut" erregt bei der Ministerin, dass Wien noch keine Daten eingemeldet hat – wohl aus "Zeitmangel und Überforderung" angesichts anderer Ereignisse im Kindergartenbereich, wie Karmasin vermutet. Schämen müsste sich die Bundeshauptstadt wohl nicht, verzeichnete man doch zuletzt 2014 lediglich 3,4 Schließtage und lag damit einsam an der Spitze.

Konkrete Maßnahmen für die Verbesserung der Qualität der Betreuungsplätze nannte Karmasin noch nicht: Sie verwies darauf, dass die Länder das Geld des Bundes ja auch in bessere Öffnungszeiten stecken können und will deshalb in den nächsten Tagen die aktuelle Jahresabrechnung evaluieren, wie viel Geld wohin geflossen ist. Mit den Ergebnissen wolle sie dann eine intensive Diskussion starten, kündigte sie an.

Die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung anhand des Kindergelds wächst der Ministerin auch "viel zu langsam". Sie liegt aktuell bei 19 Prozent, bis 2018 sollen es 25 Prozent sein. Karmasin hofft diesbezüglich auf die neuen Maßnahmen der "Familienzeit" (eine Art Papa-Monat nach der Geburt) und den "Partnerschaftsbonus" im Rahmen des neuen Kindergeld-Kontos ab 1. März. (APA, 21.9.2016)

  • Sophie Karmasin hat eine Umfrage in Auftrag gegeben: Die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungsstätten seien mangelhaft.
    foto: apa/schlager

    Sophie Karmasin hat eine Umfrage in Auftrag gegeben: Die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungsstätten seien mangelhaft.

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