Maschinen- und Metallindustrie will "moderaten" Anstieg

21. September 2016, 12:20
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Premiere: Gewerkschaften geben bereits in der 1. Verhandlungsrunde den geforderten Lohnanstieg bekannt

Wien – Der Fachverband der Maschinen-, Metallwaren- und Gießereiindustrie (FMMGI) bringt sich für den Start der Herbstlohnrunde kommenden Montag in Stellung: Die Branche stagniert, der Ausblick ist wegen der Russlandkrise und des Brexit nicht rosig – und über all dem lasten die hohen Lohnabschlüsse der vergangenen Jahre, so FMMGI-Obmann Christian Knill.

"Ein moderater und fairer KV-Abschluss ist das Gebot der Stunde", sagte er am Mittwoch vor Journalisten. Denn jeder Euro, der mehr gezahlt werde, belaste den Arbeitgeber mit 1,92 Euro, rechnete Knill vor.

Ausgangsbasis für die heurigen Kollektivvertragsverhandlungen ist eine Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 0,8 Prozent – zumindest hier sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig. In der Vergangenheit sorgte dieser Wert oft schon im Vorfeld der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften für Unstimmigkeiten.

Traditionell wird dazu noch der Produktivitätszuwachs dazugeschlagen und daraus ergibt sich dann das Feilschen um die Lohn- und Gehaltserhöhung. Wobei Knill diese sogenannte "Benya-Formel", benannt nach dem ehemaligen Spitzengewerkschafter Anton Benya, für veraltet hält.

Arbeitszeitflexibilisierung weiterhin Thema

Für aktuell hingegen hält er die Diskussion über eine weitere Arbeitszeitflexibilisierung. Wobei sich erst im Juni die Sozialpartner auf ein Zeitkontenmodell geeinigt haben, das unter anderem eine Reduktion der Zeitzuschläge brachte. Ein "Kernpunkt" bei den am Montag beginnenden KV-Verhandlungen werde das Thema Arbeitszeit aber nicht, so Knill.

Für eine Premiere sorgen am Montag die Arbeitnehmervertreter. Die Privatangestelltengewerkschaft GPA und die Produktionsgewerkschaft Pro-GE werden erstmals schon in der Erstrunde der Verhandlungen ihre Prozentforderung für die Lohnerhöhung vorlegen. Vergangene Woche hatte Chefverhandler Rainer Wimmer (er ist auch Industriesprecher der SPÖ) ein kräftiges Plus eingefordert. "Die Wirtschaftsdaten ergeben einen soliden Aufwärtstrend", so Wimmer und sein Co-Verhandler Rudi Wagner. Zuletzt hat das Wifo für heuer ein reales BIP-Wachstum von 1,7 Prozent prognostiziert.

Das sieht Knill für seine Branche anders. "Der Produktionswert und die Auftragseingänge stagnieren, die Inlandsnachfrage ist rückläufig", so Knill. Bis zu 80 Prozent der Produktion gingen in den Export, hinter der chemischen Industrie sei die Maschinen- und Metallwarenindustrie der größte Exporteur nach Großbritannien, das gerade von der Brexit-Diskussion erschüttert wird. Das Russland-Embargo habe wiederum die Exporte in das Riesenreich halbiert.

Türkei-Krise trifft Branche kaum

Dafür trifft die Türkei-Krise die Branche kaum. Knill, Geschäftsführer der steirischen Knill Energy, hatte sich bereits aus der Türkei zurückgezogen als unter der Führung von Recep Tayyip Erdogan für nicht-türkische Unternehmen der Markt immer schwieriger wurde, sagte er heute. Dazu kämen Probleme mit der Rechtssicherheit.

Markus Marterbauer, Wirtschaftsexperte der Arbeiterkammer, verwies heute in einer Aussendung jedenfalls auf das steigende Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich. "Dieser Zyklus wird seit Anfang des laufenden Jahres auch von den Konsumausgaben der privaten Haushalte gestützt. Dieser Stütze muss durch eine faire Lohnerhöhung bei den diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen Rechnung getragen werden", so Marterbauer.

Die Maschinen- und Metallwarenindustrie beschäftigt 118.000 Mitarbeiter, dazu kommen noch 7.000 in der Gießereiindustrie. Damit hat die Beschäftigtenzahl im Jahresvergleich um 3,1 Prozent zugelegt. Im Vorjahr gab es eine KV-Erhöhung von 1,5 Prozent, bei einer Inflationsrate von 0,9 Prozent. Der Mindestlohn liegt bei 1.750 Euro brutto. Ein Angestellter verdient laut Knill im Schnitt 4.285 Euro brutto im Monat, bei einem Arbeiter seien es 2.973 Euro.

Zum Vergleich: Im Handel liegt der Mindestlohn bei 1.500 Euro, im Hotel- und Gastgewerbe bei 1.400 Euro und Taxler bekommen zumindest 1.200 brutto. Für die Beschäftigten von Rechtsanwälten wiederum gibt es in vier Bundesländern nicht einmal einen Kollektivvertrag. (APA, 21.9.2016)

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