Pankreaskarzinom: Vorzeichen im Blut

21. September 2016, 12:52
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An der Universitätsklinik in Ulm arbeiten Forscher an einer Früherkennung für Bauchspeicheldrüsenkrebs – zell-freie DNA im Blut könnte Hinweise liefern.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine schwerwiegende Diagnose. Das Organ liegt im Körper so, dass es in weiten Teilen für Chirurgen kaum erreichbar ist. Der Tumor kann also in den wenigsten Fällen entfernt werden. Bleibt die Chemotherapie, die die Erkrankung zwar verzögern, doch kaum heilen kann.

Bei der Erforschung der Erkrankung sind Forscher mit vielen Unbekannten konfrontiert. Ein gewisses genetisches Risiko dürfte eine Rolle spielen. Eine Möglichkeit, Krebsvorstufen zu erkennen, ist eine Front, an der gearbeitet wird. Wissenschaftler der Universitätsklinik für Innere Medizin in Ulm haben erstmals genetisches Material von entarteten Zellen im Blut nachgewiesen, das die Entstehung einer bestimmten Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs ankündigen kann.

Ringen um Früherkennung

Dies könnte ein erster Schritt dazu sein, mit Hilfe einer Blutuntersuchung in Zukunft frühe Formen oder mögliche Vorformen dieser häufigen Art von zystischen Bauchspeicheldrüsentumoren zu finden. Bisher wird diese Erkrankung meist nur zufällig oder zu spät entdeckt, was die Therapiemöglichkeiten massiv einschränkt.

Bisher lässt sich eine der häufigen Arten von zystischem Bauchspeicheldrüsenkrebs, genannt IPMN, nur mit bildgebenden Verfahren wie CT, MRT oder mit endoskopischem Ultraschall ausfindig machen. "Das wollen wir nicht hinnehmen", sagt Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik. "Wir haben daher das Blut ‚befragt‘ und es zum Sprechen gebracht."

Den Wissenschaftlern ist es gelungen, im Blut aussagekräftiges genetisches Material, das die entarteten Zellen absondern, zu analysieren und in seiner Menge zu bestimmen. Dabei handelt es sich um die zirkulierende zell-freie DNA (circulating cell-free DNA, cfDNA). Dass bestimmte IPMN sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln können, ist bekannt – unbekannt ist jedoch der Zeitpunkt.

Weitere Hürden

Daher werden die betroffenen Patienten engmaschig beobachtet. Dies ist bisher nur mit bildgebenden Verfahren möglich, die entweder jeweils eine Strahlenbelastung für die Patienten bedeuten, sehr teuer sind oder einen invasiven Charakter mit möglichen Komplikationen haben. Die Krankheitsentwicklung durch eine Blutuntersuchung stellt einen Durchbruch dar.

Allerdings: "Jetzt gilt es herauszufinden, ob das Blut uns in Kombination mit anderen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse auch verrät, wann aus Vorstufen tatsächlich ein Tumor entsteht – und wann nicht", erläutert Alexander Kleger, Mitautor der in der Zeitschrift Gastroenterology veröffentlichten Studie.

Originalpublikation:

Detection of Hot-Spot Mutations in Circulating Cell-Free DNA From Patients With Intraductal Papillary Mucinous Neoplasms of the Pancreas

Basics zur Bauchspeicheldrüse

Sie reguliert unter anderem Verdauungsprozesse und den Blutzuckerspiegel. Die Intraduktal papillär muszinöse Neoplasie (IPMN) ist der häufigste zystische Bauspeicheldrüsentumor. Betroffen sind im Durchschnitt Menschen Im Alter von 60 bis 70 Jahren. Die IPMN kommen häufiger bei Männern als bei Frauen vor (Verhältnis 3:2). In zirka 25 Prozent der Fälle ist eine Entartung hin zum Bauspeicheldrüsentumor möglich. In Studien bei Patienten ohne Bauchspeicheldrüsentumor fanden sich 2,6 Zysten pro 100 Patienten (Prävalenz).

Zum Weiterlesen:

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Alles hängt davon ab, wo genau der Krebs liegt

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