Öffentlich-Rechtliche nötiger denn je, sagt SRG-Chef

21. September 2016, 11:33
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Roger de Weck: "Marktlücke für öffentliche Anbieter wird nicht kleiner, sondern wesentlich größer"

Wien – Öffentlich-rechtliche Medien sind notwendiger denn je, müssen aber ihre "Hausaufgaben" machen. Das führte Roger de Weck, Generaldirektor der Schweizer Rundfunkgesellschaft SRG, am Donnerstag in einem eindringlichen Plädoyer für starke öffentlich finanzierte Medien aus. Der Medienwandel sei eine Chance, so seine aufmunternde Botschaft an das Publikum der österreichischen Medientage.

"Dieses digitale Zeitalter, ob für private oder öffentliche, bietet so viele Chancen, dass ich gerne nicht 62 wäre, sondern 22, wie vor 40 Jahren, als ich in die Medien einstieg", sagte de Weck. Allerdings müsse man sich die entsprechenden Strategien zurechtlegen, um das Potenzial zu nutzen.

Allianzen mit Vermarktern

Eine davon sei, Allianzen zu suchen, etwa mit Vermarktungsplattformen: Ein Alleingang gegen die Global Players sei nicht möglich, "man muss sich zusammentun". Und im Redaktionsbereich müsse die Mischung genauso stimmen wie die Qualität. "Die Kanäle, das ist Menü. Das Internet ist à la carte. Und wir müssen à la carte so gut sein wie im Menü."

Live-Programm etwa sei auf den TV-Sendern besser aufgehoben, das Internet "für das Abrufbare oft besser geeignet". Die linearen Kanäle böten "Kontinuität", das Internet "Agilität". Neue Breitband-Technologien ermöglichten zielgruppenspezifische Angebote, gerade in der viersprachigen Schweiz ein großer Vorteil, so de Weck.

Eine Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sieht er nicht. Denn die "Marktlücke für öffentliche Anbieter wird nicht etwa kleiner, sondern wesentlich größer", in Zeiten, in denen es gelte, "aufklärerische Werte" hochzuhalten. Und: "Öffentliche Medienhäuser kann man nicht kaufen." In der Schweiz gebe es Politiker, die "ganz bewusst" Medien zum Zweck der "Kontrollnahme" kauften, berichtete de Weck.

Wenn's wichtig wird

Durch die "Fragmentierung der Öffentlichkeit in viele Internet-Communities" hätten auch "fast nur die öffentlichen Medienhäuser noch die Möglichkeit, eine Gesamtöffentlichkeit zu schaffen". Der Bedarf dafür sei zumindest bei Großereignissen da: "Wir haben im Alltag ein gewisses Erodieren, aber, wenn's wichtig wird, mehr Zuschauer denn je in unserer Geschichte."

Zudem werde es "international zunehmend schwieriger, Journalismus auf privater Basis zu finanzieren". De Weck wandte sich daher auch gegen Kritik, dass Subventionen bzw. die Gebührenfinanzierung für Öffentlich-Rechtliche den Markt verzerre: "Ob man Journalismus öffentlich finanziert, ändert nichts, aber gar nichts an den Schwierigkeiten der privaten Medien. Dieses Nullsummenspiel, dass das Stärken der einen das Schwächen der anderen bedeutet, funktioniert nicht." (APA´, 21.9.2016)

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