Namen ändern lassen

26. September 2016, 15:28
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foto: derstandard.at

Pro
von Ronald Pohl

Als ich ein Jungspund war, schien mein weiterer Lebensweg vorgezeichnet. Mich faszinierte, wie so viele Buben, der Gleichschritt, der Zauber der Montur. Mit fiebrigen Augen starrte ich auf die bauchigen Kübelwagen unseres Bundesheeres.

Ich sah die Fangschnüre unserer Brigadiere und wusste im Augenblick: Eine Offizierslaufbahn musste es werden, unter allen Umständen!

Doch wie schlimm war die Enttäuschung, als ich klopfenden Herzens meinen Nachnamen in die Liste der Offiziersanwärter eintrug. "Herr Schloch", sprach der Diensthabende, und seine Schnurrbartspitzen hingen traurig nieder, "Sie wissen, dass Sie mit Ihrem Namen bei uns niemals Major werden können?"

Gewiss, ich hätte auf eine umfassende Demokratisierung unseres famosen Heeres hinarbeiten können. Jeder Rekrut sein eigener General! Ich nahm lieber das Namensänderungsgesetz (NÄG) in Anspruch, vergaß darüber aber auf das Bundesheer. Heute heiße ich Pohl und erfreue mich eines geruhsamen Lebens als Zivilist. Um meine Knie spielen meine Söhne Sewasto, Mono und Oligo, die Racker.

Kontra
von Christoph Winder

Eigentlich sollte man ja meinen, dass Winder ein kommunikationstechnisch günstigerer Name ist als Meier, Wrdlbrmft oder Zbigniew Brzezinski. Aus jahrzehntelanger Erfahrung darf ich Ihnen versichern, dass es sich anders verhält. Im Erstkontakt mit Unbekannten umschreibe ich Winder entweder a) mit "wie der Wind, mit -er hinten dran", oder b) mit "wie Winter, die Jahreszeit, nur mit einem weichen d". Obwohl ich beide Verständnishilfen glasklar finde, missverstehen mich meine Gesprächspartner häufig und glauben, ich hieße entweder Binder oder Winter.

So gesehen könnte mir ein Namenswechsel auf, sagen wir: Müller, künftig einigen Kommunikationsaufwand ersparen. Ich verzichte dennoch drauf. Erstens gibt es schon Müller genug. Zweitens ist mir der Winder im Lauf der Jahre ans Herz gewachsen.

Drittens tue ich jenen kritischen Postern einen Gefallen, die aus Rache unter einen meiner Artikel schreiben, entweder der Artikel oder der, der ihn geschrieben hat, sei "windig". Um diesen köstlichen Witz möchte ich sie um nichts in der Welt prellen. (RONDO, 23.9.2016)

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