Das eine Blau-Weiße von Amine

Kolumne21. September 2016, 08:00
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Sommerfrische, Gender und Verschleierung

Wie könne ich behaupten, dass Kindern durch ganzjährig geöffnete Schulen gedient wäre, fragt Leserin Sigrid F., "und statt penetrant zu gendern, sollten Sie unsere wirklichen Probleme in der Schule ansprechen, z. B. verschleierte Mütter und Kinder mit Kopftüchern."

Gut. Nummer eins glaube ich, dass es Kindern nicht bekommt, den Sommer neun Wochen im Stück mit einem Display auf der Couch zu verbringen, nur weil die Schulen geschlossen in der Sommerfrische sind. Mein Appell: Haltet im Sommer die schulische Infrastruktur mit Sport- und Spielplätzen, Turnsälen, Küchen, ja sogar Schwimmbecken BITTE! ENDLICH! OFFEN! Lasset herein Freizeitpädagoginnen, auf dass sie mit den Kindern durch Stadt und Land ziehen, sowie Lehramtsstudierende, die denen, die es brauchen, ein paar Gratiseinheiten Nachhilfe geben!

Was das Gendern angeht, Frau F., da werden Sie sich noch wundern (Katehofer'scher Imperativ)! Hab ich nämlich schon gern – Lehrerinnen, die wie Sie behaupten, weibliche Schüler "natürlich mitzumeinen", während sie in ihrem anderen Natürlich immer so reden, als bestünde Schule nur aus Männern. Lehrerzimmer, Lehrerhandbuch ... Bei 75 Prozent Lehrerinnen. Bei uns war zwischendurch sogar der Islamlehrer eine Frau, man erkannte ihn am Kopftuch.

Damit zur Verschleierung. Da halte ich es mit Alexander Van der Bellen, der sich "extrem unbehaglich" fühlt, wenn er vollverschleierte Frauen sieht, jedoch Kleingekickl wie Burkini-Diskussionen "einfach nur albern" findet. Und mit Christine Nöstlinger, die im STANDARD-Interview sagte: "Natürlich finde ich es befremdlich (...)." Aber: "Nicht alles, was mir nicht gefällt, kann ich verbieten."

Selbstbewusst zu reagieren – das ist etwas anderes: Als Lehrer schicke ich Mütter in Burka und Nikab weg (ist in den letzten 20 Jahren circa eineinhalbmal vorgekommen), weil ich mir das Recht herausnehme, Menschen ins Gesicht schauen zu können, wenn ich mit ihnen rede. Und was die Kopftücher angeht, die ich an meiner Schule täglich sehe – eines schöner als das andere, nimm nur her das eine blau-weiße von Amine. (Niki Glattauer, 21.9.2016)

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    foto: dpa
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