Fußballerische Lippenbekenntnisse

20. September 2016, 16:28
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Michel Platini soll trotz seiner Sperre Gelder von der Uefa bezogen haben. Der europäische Fußballverband dementiert nur halbherzig. Der neue Präsident Aleksander Ceferin gerät damit früher als befürchtet ins Zwielicht

Nyon – Die Ära Michel Platini ist zwar längst Geschichte, doch die europäische Fußballunion (Uefa) lässt sich offenbar selbst von ihrer Vergangenheit einholen. Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) soll der 61-jährige Franzose, der von 2007 bis 2015 als Präsident an der Spitze stand, trotz seiner Sperre auch zukünftig finanzielle Zuwendungen der Uefa erhalten.

"Das Thema wird wohl in den kommenden Monaten vom Exekutivkomitee angegangen, auf Vorschlag und unter Beratung des neuen Compensation-Committee und von Rechtsexperten", hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes an die FAZ. Die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa hatte Platini zunächst für acht Jahre gesperrt, der Internationale Sportgerichtshof Cas reduzierte auf vier. Anscheinend soll für den Franzosen im Nachhinein eine Abfindungs- und Pensionsregelung geschaffen werden. Dabei hatte der neue Uefa-Boss und Platini-Nachfolger Aleksander Ceferin (48) bei seiner Wahl vor Wochenfrist in Athen noch kundgetan: "Es ist das Ende des Zeitalters der Privilegien. Der Fußball kommt an erster Stelle." Sollte die Uefa tatsächlich weiter Gelder in Richtung Platini fließen lassen, wären die Aussagen des Slowenen nur Lippenbekenntnisse gewesen.

Die FAZ wirft gar die Frage auf, ob sich die Uefa im Falle einer Finanzspritze für Platini nicht der Untreue schuldig macht. Schließlich haben die Fifa-Ethiker aufgrund einer von Ex-Fifa-Chef Joseph S. Blatter (80) an Platini veranlassten Zahlung in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus dem Jahr 2011 Korruption festgestellt.

Luftballon geplatzt

Platinis Ambitionen, selbst Fifa-Präsident zu werden, platzten wie ein Luftballon. Stattdessen wurde seine langjährige rechte Hand, der Schweizer Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino (46), neuer Fifa-Boss. Und beim Weltverband geht man rigoroser mit dem Exchef um. Laut FAZ hat Blatter seit der Wahl Infantinos im Februar keine Zuwendungen mehr erhalten. Eine Abfindung soll ebenfalls nicht gezahlt worden sein.

Vielmehr hat die Fifa-Ethikkommission erst kürzlich neue Verfahren gegen Blatter, den früheren Generalsekretär Jérôme Valcke sowie den ehemaligen Finanzchef und Valcke-Stellvertreter Markus Kattner eingeleitet. Die ermittelnde Kammer unter Vorsitz von Djimrabaye Bourngar aus dem Tschad hat aufgrund der im vergangenen Juni öffentlich gewordenen Zahlungen von umgerechnet mehr als 70 Millionen Euro Ermittlungen aufgenommen. Weitere Sanktionen für die Betreffenden drohen. Blatter und Co hatten sich der Fifa zufolge im Laufe mehrerer Jahre gegenseitig extrem hohe Gehaltserhöhungen und Boni genehmigt. Blatter und Valcke wurden bereits langfristig gesperrt, Kattner wurde im Mai von der Fifa-Führung unter Infantino entlassen.

Unterdessen gibt es auch schon Vorwürfe gegen den neuen Uefa-Präsidenten Ceferin. Der Slowene soll seinen Lebenslauf "geschönt" haben. Drei Einträge, darunter seine geschäftsführende Tätigkeit beim Profiklub NK Olimpija Ljubljana zwischen 2006 und 2011, werden moniert. Die Uefa widerspricht indes energisch: "Die Uefa hat absolut keine Bedenken bezüglich des Lebenslaufes und der Qualifikationen ihres neuen Präsidenten und wird keine Kommentare mehr abgeben zu Geschichten, die sich auf reine Spekulationen gründen." (sid, red, 20.9.2016)

  • Auf Wiedersehen sagte Michel Platini, er durfte in Athen eine Rede halten. Er wurde zum Abschied mit viel Applaus und vielleicht auch mit einer hohen Abfindung bedacht.
    foto: reuters/konstantinidis

    Auf Wiedersehen sagte Michel Platini, er durfte in Athen eine Rede halten. Er wurde zum Abschied mit viel Applaus und vielleicht auch mit einer hohen Abfindung bedacht.

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