Printbranche auf der Suche nach den Umsätzen

20. September 2016, 16:29
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Medienvertreter diskutierten am ersten Tag des Branchentreffens in Wien verschiedene Erlösquellen und neue Geschäftsfelder

Wien – Medien als Reisebüros, Autoverkäufer oder Anbieter von Handytarifen? Die 23. Medientage haben sich am Dienstagnachmittag auf die Suche nach neuen Umsätzen begeben, weil die Werbeerlöse vieler Medien nach und nach wegbrechen. Ideen gibt es viele, sich aber weit vom Kerngeschäft zu entfernen, kommt nur für die wenigsten infrage. Letztlich soll das Geld auch in Zukunft vom Kunden kommen.

Für NZZ-Chef Veit Dengler sind die Kunden in erster Linie die Leser, die Nutzer oder Teilnehmer. Werbeeinnahmen spielen aus seiner Sicht künftig eine geringere Rolle. Medien hätten bei Onlinewerbung nämlich kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Eine zusätzliche Umsatzquelle seien Konferenzen und Tagungen. Und ja, auch Reisen, begleitet von NZZ-Korrespondenten, biete man an.

Haupteinnahmequelle ORF-Gebühren

ORF-Onlinechef Thomas Prantner führte neben der ORF-Finanzierung durch Gebühren und Werbung Beteiligungen an Start-ups wie Flimmit oder fidelio sowie die neue "Austria Videoplattform" ins Treffen. Haupteinnahmequelle sei aber zu zwei Drittel die Rundfunkgebühr, diese sei "keine gmahde Wiesn" und müsste immer wieder erkämpft und legitimiert werden, in dem die öffentlich-rechtlichen Programme auch genützt werden.

Stefan Lassnig von den Regionalmedien Austria (RMA) appellierte, das eigene Geschäftsmodell nicht andauernd infrage zu stellen. Jenes der RMA, sich als lokale Gratiswochenzeitung zur Gänze über Werbung zu finanzieren, funktioniere. 2015 sei das erfolgreichste Jahr gewesen. Handyverträge oder Autos zu verkaufen werde jedenfalls nicht das Geschäftsmodell der RMA sein, stellte Lassnig klar.

Abonnenten möglichst fest binden

"Krone"-Manager Gerhard Riedler verteidigte, dass die Mediaprint-Titel "Kronen Zeitung" und "Kurier" seit kurzem auch Mobilfunkangebote am Markt haben. Man mache das aus einem einzigen Grund: Um die Abonnenten möglichst fest an die Zeitungen zu binden und die Latte für den Ausstieg hoch zu legen.

Der Geschäftsführer der APA – Austria Presse Agentur, Clemens Pig, verwies darauf, trotz 75 Mio. Euro Umsatz frei von Werbung zu sein. Die Einnahmenseite der APA unterscheide sich somit grundlegend von Medien am Publikumsmarkt. Als Nachrichtenagentur sehe man sich als B2B-Dienstleister der Branche. Um die klassische Nachrichtenagentur habe man aber viele neue Geschäftsfelder, etwa im IT-Bereich, aufgebaut. Ähnliche Innovationen will Pig auch künftig vorantreiben. Er erinnerte auch daran, dass die APA über die Vermarktung von Pressespiegel jährlich 1,5 Mio. Euro an Erlösteilung an Medien ausschütte.

Vehement gegen die Einnahmequelle Förderung argumentierte Dengler. Dadurch entstehe eine Abhängigkeit gegenüber dem Fördergeber, dem Staat, außerdem verzerre es den Markt. Die Folge seien Medien wie in Osteuropa. Dengler plädierte dafür, Medien sich selbst und dem Markt zu überlassen. "Es verschwinden Unternehmen vom Markt, die am Markt vorbei produzieren", sagte Dengler. Zu NZZ.at sagte er, dass man nach eineinhalb Jahren nichts anderes erwarten dürfe. Man müsse einen langen Atem haben. (APA, 20.9.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa / georg hochmuth
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