Allo: Googles Whatsapp-Herausforderer im Test

21. September 2016, 06:01
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Neuer Messenger will mit smartem Google Assistant punkten – Incognito-Modus als Extra

Google versucht einen neuen Anlauf im heiß umkämpften Messenger-Markt. Unter dem Namen Allo hat der Softwarehersteller nun eine App vorgestellt, die es mit Whatsapp, Facebook Messenger und Co aufnehmen soll. Allo soll laut Google in Kürze im Google Play Store sowie im App Store von Apple für die ersten Nutzer zum kostenlosen Download stehen, bis die Software für alle erhältlich ist, könne es aber einige Tage dauern. Der STANDARD konnte den Messenger bereits vorab ausführlich unter die Lupe nehmen.

Zwei in einem

Genau genommen handelt es sich bei Allo eigentlich um zwei Programme in einem: Der eigentliche Messenger sowie der Google Assistant, also die geballte Sammlung des Google-Wissens, das – auf Wunsch – in allen Diskussionen zur Seite stehen soll, und mit dem man sich entscheidend von der Konkurrenz abzuheben hofft.

Doch beginnen wir zunächst einmal mit der Basis, also den Kernfunktionen des Messengers selbst. Das meiste darf hier von anderen Apps als bekannt angenommen werden. Neben der Textkonversation ist es auch möglich Bilder, den eigenen Standort, sowie kurze Audio-Schnippsel oder Video-Clips an das jeweilige Gegenüber zu schicken. Gerade bei letzterer Möglichkeit vermisst man allerdings die Möglichkeit bestehende Videos zurechtzuschneiden. Dafür werden Videos direkt in der App dargestellt und lassen sich auf Wunsch auch an ein Chromecast weiterreichen.

foto: andreas proschofsky / standard
Allo glänzt nicht zuletzt mit der Integration des Google Assistant.

Fotos können vor dem Absenden hingegen noch mit Text versehen oder übermalt werden, wobei dies derzeit der Android-Version vorbehalten ist, für iOS soll diese Funktion mit einem Update in den kommenden Wochen folgen. Die Übertragung der Bilder geht dann auffällig flott, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass Allo diese erheblich verkleinert um Bandbreite zu sparen. Dies fällt allerdings am Smartphone kaum auf, insofern hat Google hier wohl im Sinne der Performance und des mobilen Datenverbrauchs die richtige Entscheidung getroffen.

Neben den gewohnten Emojis bietet Allo auch eine breites Angebot an Stickern, um die eigene Gemütslage in grafischer Form zum Ausdruck zu bringen. Drei solcher Sticker-Sets sind vorinstalliert, 26 weitere lassen sich auf Wunsch herunterladen – ein Teil davon mit animierten Stickern. Verspielt gibt sich der Messenger zudem über die Möglichkeit einzelne Nachrichten größer oder kleiner abzusenden, ein Langdruck auf den Absendeknopf offenbart einen entsprechenden Slider.

Smart Reply

Das vielleicht spannendste Feature mögen manche bereits von der Mail-App Inbox kennen: Die Smart-Reply-Funktion schlägt automatisch passende Antworten vor, aus denen die Nutzer nur mehr auswählen müssen. Dieses Feature lernt nach und nach vom Diskussionsverhalten der User, klingt für das Gegenüber mit der Zeit also immer echter. Das Beeindruckendste ist aber, dass all das nicht bloß mit Textnachrichten funktioniert. Allo weiß auch Emojis, Sticker und sogar Fotos richtig zu deuten. Stellt das Gegenüber also ein Katzenfoto in den Chat, werden auch entsprechend passende Antwortmöglichkeiten geliefert.

grafik: google
Die Smart Reply-Funktion auf ein gepostetes Foto, die Möglichkeit Bilder vor dem Abschicken zu modifizieren und einige Sticker (von links nach rechts)

All dies ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Google setzt auf einen reduzierten Look mit weißem Hintergrund und starken Farbhighlights für die einzelnen Diskussionsteilnehmer. Auch erweist sich die App (wir haben die Android-Version getestet, Anm.) als äußerst flink, etwas das über Googles bisherigen Messenger Hangouts eher selten behauptet wurde.

Weitere Details: Es gibt eine Suchfunktion, mit der wahlweise alle Diskussionen oder auch nur ein einzelnes Gespräch durchsucht werden können, diese arbeitet ebenfalls erfreulich flott. Benachrichtigungen können für jeden Chat einzelnen angepasst werden, in den zugehörigen Details werden zudem alle jeweils in einem Diskussionsstrang geposteten Bilder zur Übersicht geboten. Einzelnachrichten können gezielt aus dem Verlauf gelöscht werden, wer will kann auch die gesamte History entfernen lassen.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Wer ein höheres Bedürfnis nach Privatsphäre hat, für den hat Google aber noch den Incognito-Modus im Angebot. In diesem erfolgt die Konversation zwischen zwei Gesprächspartnern vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Dabei kommt das Signal Protocol zum Einsatz, für das Google mit dem Hersteller Open Whisper Systems zusammengearbeitet hat. In diesem Modus hat also auch der App-Hersteller selbst keinerlei Einblick in die Kommunikation seiner User.

Von normalen Chats hebt sich der Incognito-Modus optisch deutlich ab, der Hintergrund ist hier dunkel gehalten, ähnlich wie es Google auch beim Chrome macht. Zudem gibt es in diesem Modus ein zusätzliches Feature: Es kann nämlich jede Nachricht – wie von Wickr oder Snapchat her bekannt – mit einem Ablaufdatum versehen werden. Der Bogen spannt sich dabei von 5 Sekunden bis zu einer Woche, der Timer beginnt zu laufen, wenn das Gegenüber die Nachricht gelesen hat. Ist diese Zeit abgelaufen, wird die Nachricht auf beiden Geräten gelöscht.

Im Gegenzug fehlen dem Incognito-Modus zwei zentrale Features: Neben der Smart-Reply-Funktion ist dies vor allem die Google-Assistant-Einbindung. Beides darf natürlich nicht überraschen, ohne Einblick in die Konversation lassen sich solche Funktionen schlicht nicht realisieren. Auch wird der Inhalt von Incognito-Nachrichten nicht in den Notifications am Lock Screen dargestellt.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Beim ersten Start frägt Allo unter Android nach den benötigten Berechtigungen, danach gibt es den Homescreen noch ohne offene Konversationen. Rechts im Bild der Incognito-Modus, der Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, und bei dem Nachrichten automatisch nach einer eingestellten Zeit gelöscht werden.

Neben Einzelgesprächen beherrscht Allo auch Gruppen-Chats mit bis zu 256 Teilnehmern. Einen Incognito-Modus gibt es für diese leider aber nicht.

Telefonnummer statt Google-Account

An dieser Stelle muss kurz über die technische Umsetzung von Allo gesprochen werden. Ähnlich wie Whatsapp ist der neue Messenger nämlich an die Telefonnummer gebunden, was spezifische Vor- und Nachteile zur Folge hat. Einerseits bedeutet dies, dass ein Google-Account nicht zwingend notwendig ist, die Kernfunktionen klappen auch ohne diesen. Nur wer all die "Google Smarts" wie den Assistant einsetzt will, muss sich auch bei Google anmelden.

Zudem ist dieses Wahl aus strategischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Immerhin ist damit die eigene Telefonnummernsammlung auch automatisch das Adressbuch für Allo. Und das bedeutet nicht zuletzt: Allo teilt sich das Adressbuch mit anderen Apps wie Whatsapp, für einen Umstieg entfällt also eine entscheidende Hürde. Wenn man nun bedenkt, dass Google über das Android-Regelwerk die Möglichkeit hat, Allo auf sämtlichen kommenden Android-Smartphones vorzuinstallieren, weiß man schnell, wo die Reise hingeht. Ob Google diesen Hebel wirklich ansetzen wird, muss sich natürlich erst zeigen, gesicherte Informationen gibt es hierzu bislang noch nicht.

Umgekehrt ergeben sich daraus auch einige Nachteile: Zunächst heißt dies, dass die Diskussionen vollständig an ein einzelnes Gerät gebunden sind, ein schneller Wechsel auf Tablet oder Desktop, wie es Google-Nutzer von den Hangouts gewohnt sind, funktioniert also nicht. Dies ließe sich zwar, wie andere Messenger zeigen, auf anderem Weg mehr oder weniger gut umschiffen, zumindest derzeit bietet Google solche Optionen aber nicht an.

Im Endeffekt zeigt sich hier ein gewisses Versagen der gesamten Online-Welt: Bisher ist es nicht gelungen, einen zentralen – und vor allem herstellerunabhängigen – Identitätsservice für das Internet zu etablieren. So bleibt der Rückgriff auf Telefonnummern als – in vielerlei Hinsicht problematische – Krücke. Immerhin sind Mobilfunkstandards nicht unbedingt für ihre hohen Sicherheitsstandards bekannt. So haben Forscher immer wieder Attacken demonstriert, die zeigen, wie man sich mit einer anderen Telefonnummer ausgeben kann, und damit dann in Folge auch Messenger wie Whatsapp unterwandern kann. Dieses Szenario droht zumindest theoretisch auch Allo, auch wenn zur konkreten Umsetzung bisher noch nicht alles bekannt ist.

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Das Vorstellungsvideo von Google.

Eingeschränkter SMS-Support

Allo bietet übrigens auch eine beschränkte Form der SMS-Anbindung. Wird eine Person in eine Diskussion aufgenommen, die Allo noch nicht installiert hat, erhält diese stattdessen eine SMS mit der betreffenden Nachricht. Das Gegenüber kann dann auf diesem Weg sogar zurückschreiben, oder wenn weiter Nachrichten nicht erwünscht sind einfach STOP an den Allo-Chat schicken. Oder aber natürlich das tun, was Google am liebsten wäre: Allo installieren und der Konversation komplett beitreten.

Parallel dazu gibt es aber noch eine zweite Option: Auf unterstützten Geräten (Google führt dies nicht näher aus, es ist aber davon auszugehen, dass damit aktuelle Android-Smartphones gemeint sind), wird den Usern statt einer SMS-Nachricht in so einem Fall nämlich eine Benachrichtigungen angeboten. Diese können sie dann Ignorieren, wenn sie kein weitere Kommunikation von Allo und seinen Nutzern erhalten wollen oder auf Wunsch auch hier direkt – ohne Installation der Allo-App – antworten.

Google Assistant

Doch zurück zum eigentlichen Highlight von Allo, dem Google Assistant. Dieser kann auf zwei Arten genutzt werden: Einerseits kann das Wissen des Bots über @google in jedem normalen Chat angezapft werden, etwa um Wissensdispute schnell mal zu klären, ohne auf ein andere Programm wechseln und herumkopieren zu müssen. Vor allem aber gibt es einen eigenen Diskussionsstrang, den jeder Nutzer mit dem Assistant führt, und der als Zwiegespräch mit einer künstlichen Intelligenz gestaltet ist. Im Gegensatz zu früheren Lösungen von Google versucht das Unternehmen hier also eine Persona aufzubauen, und nicht bloß trockene Antworten zu liefern.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Nach der Begrüßung informiert der Google Assistant darüber, was er so alles kann. Dazu gehören diverse Spiele oder auch nur ein kleiner Plausch, in dem der Assistant immer wieder verblüffend passende Antworten liefert.

Die Kommunikation kann dabei via Text- (inklusive Emoji-Erkennung) aber auch Spracheingabe funktionieren, wobei gerade letzteres verblüffend gut und flott funktioniert. Damit ist aber auch der Zeitpunkt gekommen, die wichtigste derzeit vorhandene Beschränkung zu verraten: Derzeit funktioniert der Google Assistant nämlich nur auf Englisch. Er sei allerdings gerade eifrig dabei neue Sprachen zu lernen, verrät der digitale Helfer selbst auf Nachfrage. Antworten gibt es exklusiv in Textform, eine Sprachausgabe ist hier also nicht vorhanden. Zudem muss betont werden, dass der Assistant derzeit explizit als Preview ausgewiesen wird, er also noch nicht die volle Funktionalität bietet, die Google eigentlich anvisiert.

Die Macht der Datenkombination

Trotzdem kann sich das Gebotene bereits sehen lassen, der Assistant kombiniert (fast) all die Informationen, die man so in den unterschiedlichen Produkten bei Google gespeichert hat, und versucht diese über "natürliche" Sprache zugänglich zu machen. So ist es etwa möglich zu fragen "show me all my photos from my last trip to San Francisco" und tatsächlich passende Bilder aus dem eigenen Google Photos-Account geliefert zu bekommen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wer wissen will, was der Assistant so alles kann, ist am besten bei der Frage "What can you do" aufgehoben, nach dieser liefert die App eine Übersicht, durch die man sich klicken kann. Um sich dauerndes Tippen zu ersparen, erweist sich die Smart Reply-Funktion als besonders hilfreich, bietet diese doch zu jeder Antwort wieder weiterführende Fragemöglichkeiten. Wer etwa nach Details zu einer bestimmten Schauspielerin fragt, kann dann gleich mit einem Klick weiterrerecherchieren, etwa zu Filmen, in denen sie mitgespielt hat. Zudem ist bei der Smart-Reply-Funktion meist ganz rechts auch die "What can you do"-Option zu finden.

Vielfältige Möglichkeiten

Aber was kann der Assistant im aktuellen Stand nun eigentlich? Im Grunde das, was bisher über viele unterschiedliche Google-Produkte verstreut war, von simplen Wissensfragen über die Suche nach passenden Flügen bis zur Routenplanung mithilfe von Google Maps. Natürlich gibt es auch Alltagsdienste, wie die Möglichkeit zu fragen, ob man am nächsten Samstag einen Regenschirm benötigen wird. Wer will kann sich zudem die Wetterinformationen jeden Tag zu einem fixen Zeitpunkt schicken lassen. Dasselbe geht auch mit Nachrichten, auch wenn deren Zusammenstellung derzeit noch etwas beliebig scheint. Sportergebnisse können ebenso abgefragt werden, wie es möglich ist Begriffe in mehr als 100 Sprachen übersetzen zu lassen. All diese Ergebnisse werden in Kartenform dargestellt, oft offenbart ein Klick darauf noch weitere Details.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Einige Dinge, bei denen der Assistant hilfreich sein kann: Die Restaurantsuche, das Aufspüren privater Fotos oder auch Wetterinformationen.

Das mag mühsam klingen, ist aber in der Realität – nicht zuletzt dank Smart Reply – eine ziemlich flinke Art, Wissen zu erlangen. So führt der Wunsch nach Essen zur Frage, in welche geschmackliche Richtung es gehen soll, dies wiederum zur Anzeigen von passenden Restaurant in der Umgebung, den jeweiligen Detailbewertungen, Fotos und der Möglichkeit gleich dort anzurufen, um einen Tisch zu reservieren.

Weitere vom Assistant bewältigbare Aufgaben sind das Setzen von Wecker oder Remindern, wobei Letztere allerdings aus unerfindlichen Gründen nicht mit dem restlichen Reminder-System anderer Google-Apps verbunden sind, also auf den Assistenten beschränkt sind. Die Nutzer können sich ihre Agenda für die nächsten Tage anzeigen lassen oder auch den Status zu anstehenden Reisen abfragen.

Spielerische Komponenten

Den Charme des Assistenten sollen natürlich dessen "leichtere" Seiten ausmachen. Also bietet Google auch in dieser Hinsicht einiges, so gibt es etwa einige Spiele, vom Filme anhand von Emojis raten bis zu diversen Wissensquiz, Solitaire oder Pacman reicht hier hier die Palette. Und wem langweilig ist, der kann sich mit vom Assistenten vorgeschlagenen Videos, Gedichten oder Fun Facts unterhalten lassen. Zu all dem gibt es natürlich noch jede Menge versteckte Funktionalität, wer will kann den Assistenten also fragen, ob er Android oder iPhone bevorzugt, oder was er von "HAL" hält – Dinge, die man ähnlich schon von Cortana oder Siri kennt.

In Summe funktioniert dieses Plaudern mit dem Google Assistant bereits ganz gut. Und doch zeigt sich hier schnell die Begrenztheit aktueller Bots. Denn wenn plötzlich eine Wortmeldung unerwartet mit einem Suchergebnis beantwortet wird, zerstört dies schnell wieder die Illusion, mit einem mehr oder weniger realen Gegenüber zu sprechen. Bis wir bei Vision von "Her" oder auch des Star-Trek-Computers angekommen sind, dürfte also wohl noch einige Zeit vergehen.

Preview-Defizite

Auch sonst ist der Preview-Status noch an einigen Stellen unübersehbar. So ist es etwa derzeit noch nicht möglich, direkt aus dem Assistant Bestellungen für Taxi oder Fahrtenservices vorzunehmen. Auch die – von Google bereits versprochene – Ansteuerung von Google-Cast-Geräten (etwa: "Spiel den Trailer von Eternal Sunshine of the Spotless Mind im Wohnzimmer ab") fehlt noch. Und anderes wirkt noch nicht ganz ausgereift, etwa wenn das Abspielen von Musik über mehrere Apps weitergereicht wird – hier könnte aber auch schlicht noch das eine oder andere passenden Update an anderer Stelle fehlen.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Die Anweisungen an den Google Assistant müssen nicht immer exakt sein, oft weiß er auch über den Kontext was gemeint ist. Auch für das eine oder andere Späßchen ist er zu haben.

Auch hält sich das Lernen des Assistant vom User derzeit noch in engen Grenzen, viel mehr als simple Dinge wie die Lieblingsfarbe oder die täglichen Wissens-Abos scheinen hier noch nicht gespeichert zu werden. Wer sein Verhältnis zum Google Assistant neu beginnen will, kann dies übrigens recht einfach, in dem einfach der Verlauf der entsprechenden Diskussion gelöscht wird.

Fazit

Allo ist ein moderner, plattformübergreifender und durchaus gut gemachter Messenger, daran gibt es keinen Zweifel. Der wirklich spannende Bestandteil ist aber der Google Messenger, die Integration all des Google-Wissens in einen zentralen Bot, erweist sich schnell als wirklich hilfreiches Extra. Jenseits allgemeiner Wissensfragen hängt dessen Nützlichkeit aber stark davon ab, wie sehr man sich auf die Google-Welt eingelassen hat. Wer sonst keinerlei Google-Services nutzt, wird aus Allo also auch deutlich weniger Mehrwert ziehen als jene, die ihre Mails über Gmail und ihre Fotos mittels Google Photos managen.

Bleibt die allgemeine philosophische Frage, warum der Assistant eigentlich in Allo gelandet ist. Immerhin erscheint es logisch, diesen schlicht überall verfügbar zu machen, etwa indem man entsprechende Programmierschnittstellen für Drittentwickler anbieter. Einerseits steht dahinter sicher das Bestreben Googles, durch ein Alleinstellungsmerkmal endlich im Messenger-Markt Fuß zu fassen – also mehr Verbreitung zu finden als man es mit den Hangouts bisher konnte. Andererseits ist die Chat-Kommunikation eine durchaus taugliche Art mit einem solchen Assistenten zu kommunizieren, immerhin erhält man hier einen zentralen Anlaufpunkt für viele Dinge, die sonst über unterschiedlichste Stellen verstreut waren.

Ausblick

Ob Googles Plan wirklich aufgeht, lässt sich derzeit nur schwer einschätzen. Zwar liefert man mit Allo eine sehr gute Messenger-App ab, aber wie die Softwaregeschichte zeigt, reicht dies nicht so einfach aus, um eingesessenen Konkurrenten ernsthafte Konkurrenz zu machen. Dass dem Google Assistant die Zukunft gehört – zumindest wenn man es auf den Kern als personalisierte Google-Wissenslieferung, also eine Art Google Suche 2.0, herunterbricht – scheint hingegen klar. Ob der Zugang dazu dann primär über Allo oder doch einen anderen Weg führen wird, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt... (Andreas Proschofsky, 21.9.2016)

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