Neues Crowdfunding-Portal für Tourismus startet

20. September 2016, 13:51
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Hoteliers sollen bis zu 15 Prozent der Projektsumme über den Schwarm finanzieren

Wien – Mit einem neuen Crowdfunding-Portal wollen Branchenvertreter die Schwarmfinanzierung im Tourismus salonfähig machen. Die gemeinsame Initiative von Touristikern, Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) und Wirtschaftsministerium soll Investitionen erleichtern. Denn konventionelle Projektfinanzierung über Kredite werde immer schwieriger, sagte Petra Nocker-Schwarzenbacher, Tourismus-Spartenobfrau in der Wirtschaftskammer, am Dienstag bei der Präsentation der Pläne.

"Die Vorstellung, als Kleinanleger in ein Hotel oder ein Wirtshaus zu investieren, ist vielleicht noch ungewöhnlich. Das kann aber zu einem wichtigen alternativen Finanzierungsmodell werden. Wir wollen aus der Crowd auch Markenbotschafter machen", so Nocker-Schwarzenbacher. Wer diese Crowd sein soll? Einerseits professionelle Anleger, aber auch Personen aus dem Unternehmensumfeld. In der Hotellerie sind das sowohl (Stamm-)Gäste als auch Einheimische. 80 Prozent der heimischen Hotels sind Familienbetriebe – und damit laut Initiatoren besonders gut geeignet, um über Tradition und Flair eine Verbundenheit der Anleger zu wecken.

Investieren, wo andere urlauben

"Wir haben Häuser, die Geschichten erzählen. Das ist die Voraussetzung, dass jemand kommt und 3.000 oder 5.000 Euro investiert", sagte ÖHT-Direktor Wolfgang Kleemann. Das Angebot unter "tourismus-crowdfunding.at" ist keine Crowdinvesting-Plattform an sich, sondern "nur" ein Portal, auf dem Projekte von bereits bestehenden Plattformen präsentiert werden. Der User sieht diese Projekte und bekommt alle Infos für die Investitionsentscheidung. Investieren kann man aber nicht direkt, sondern eben über eine der vier Partnerplattformen.

Für Unternehmer bietet die Plattform auch Informationen, wie man Crowdfunding mit anderen Finanzierungsformen kombinieren kann. Das erste Projekt soll Anfang November online gehen – ein Neubau von Adeo Alpin, dem Hotelunternehmen der Ex-Skistars Rainer Schönfelder und Hermann Maier. Den Standort wollte Schönfelder am Mittwoch aber noch nicht verraten.

Grundrendite und Naturalien

"Crowdfunding allein kann kein Hotelprojekt finanzieren", schränkt Tourismusbanker Kleemann ein. Das Instrument sei ausdrücklich keine Konkurrenz zu Kredit-, Förder- und Eigenfinanzierung, sondern eine Ergänzung. Dementsprechend werden auf der Plattform nur Projekte präsentiert, die von ÖHT und Conda geprüft und vorselektiert wurden. "Wir glauben dass man irgendwann zwischen fünf und 15 Prozent einer Projektsumme finanzieren wird können", erwartet Kleemann. Noch gehe es aber um geringere Summen und darum, das Bewusstsein zu wecken.

Typische Laufzeiten bei den Minidarlehen sollen vier bis sechs Jahre betragen. "Für eine Beteiligung sollte es eine gewisse Grundrendite geben, die jedenfalls höher als das ist, was das Sparbuch abwirft", sagte Kleemann. Darüber hinaus kann es je nach Projekt eine "Wohlfühlverzinsung" geben – also etwa Preisnachlässe oder Naturalien, wenn man dann im Hotel urlaubt.

Schwarmfinanzierung wächst

Die Crowdfunding-Summen in Österreich nehmen stetig zu – vor allem seit vor einem Jahr das sogenannte Alternativfinanzierungsgesetz beschlossen wurde. Größere Finanzierungen bis zu fünf Millionen Euro ohne unverhältnismäßigen Aufwand wie die Erstellung eines vollständigen Kapitalmarktprospekts sind dadurch überhaupt erst möglich geworden.

Konnten im gesamten Vorjahr noch rund acht Millionen Euro über Schwarmfinanzierung aufgebracht werden, waren es im ersten Halbjahr 2016 schon 13 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen noch immer verschwindend gering. Experten verweisen aber auf Länder wie Großbritannien, wo der Markt nach raschem Wachstum seit Jahren boomt. (Simon Moser, 20.9.2016)

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