Gedruckte Zeitungen, Langspielplatten und Pferdekutschen

20. September 2016, 12:53
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Print kann "Zukunft nicht verdrängen" – Regionale Blätter wie "Vorarlberger Nachrichten" und "Tiroler Tageszeitung" nach wie vor erfolgreich

Wien – Die Zukunft der gedruckten Zeitung beschäftigte bei den Österreichischen Medientagen sowohl klassische Zeitungsverleger als auch Macher von Digitalmedien. Während für Oliver Eckert von Burda Forward "Zeitungen nah verwandt mit Langspielplatten" sind, sang der Vorarlberger Verleger Eugen Russ ein Loblied auf die gedruckte Zeitung. Sie biete dem Leser in wenigen Minuten einen Nachrichtenüberblick.

800 Meldungen auf 36 Seiten, durchgeblättert in fünf bis sieben Minuten – kein Internetbrowser biete einen so schnellen Überblick wie die Zeitung, sagte Russ am Dienstag bei den 23. Medientagen am Campus der Wiener Wirtschaftsuni. "Die Zeitung ist der ultimative Browser."

"Können die Zukunft nicht verdrängen"

Der Digitalchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Mathias Müller von Blumencron, sagte, es sei nicht relevant, in welcher Form Journalismus erscheint. Das klassische Zeitungsgeschäft zu schützen, kommt demnach nicht infrage. "Wir können die Zukunft nicht verdrängen", so der deutsche Medienmacher. Die Verlage müssten lernen, digital zu verkaufen.

Der Tiroler Verleger Hermann Petz, Chef der Moser Holding, zu der auch die "Tiroler Tageszeitung" gehört, stellte klar, dass die gedruckte Zeitung im Regionalbereich noch immer eine große Rolle spielt. Die Moser Holding sei weiterhin mit einer guten Rendite ausgestattet. Russ, dem unter anderem die "Vorarlberger Nachrichten" gehören, unterstrich das. Print mache in seinem Hause etwas mehr als 50 Prozent aus und sei sehr profitabel.

Facebook und Google als größter Mitbewerber

Eckert warnt allerdings davor, das alte Geschäft zu verteidigen. "Es muss längst schon radikal digitalisiert werden", so der BurdaForward-Chef. Medien müssten selbst "disrupten", weil sie seit Jahren stark "disrupted", also verdrängt, werden. "Facebook und Google sind unsere größten Mitbewerber." Eckert glaubt, dass man mit digitalem Journalismus auch ohne Paywall eine Menge Geld verdienen kann. Zwar seien Printprodukte noch hochwertiger als Digitaljournalismus, räumte er ein, er geht aber davon aus, dass die Qualität steigen wird. In den USA habe etwa die Huffington Post einen Pulitzer Preis gewonnen, erinnerte Eckert.

VÖZ, oder wie immer er in Zukunft heißt

Russ wies hingegen daraufhin, dass selbst die Huffington Post Stellen abbaue. Das Problem sei die schiere Größe von Technikriesen wie Google und Faceboook, mit deren Skaleneffekten Verleger und Medienunternehmen nicht mithalten könnten. Seine Lösung ist, einzigartige Inhalte anzubieten und dafür auch im Internet Geld zu verlangen – Stichwort Paid Content. Denn: "Warum sollten die Leute dafür zahlen, was woanders gratis verfügbar ist?"

Dass die Veränderungen der Medienbranche auch vor dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) nicht halt machen werden, ist VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger bewusst. In den USA habe sich der Zeitungsverband bereits in News Media Alliance umbenannt. Der VÖZ, "wie er auch immer heißen mag", sei bereits dabei, sich breiter aufzustellen. Die Digitaltöchter der Zeitungen und andere Mediengattungen seien schon Mitglieder im VÖZ, sagte Grünberger. (APA, 20.9.2016)

  • Der VÖZ, "wie er auch immer heißen mag", sei bereits dabei, sich breiter aufzustellen, sagt dessen Geschäftsführer Gerald Grünberger.
    foto: oemt

    Der VÖZ, "wie er auch immer heißen mag", sei bereits dabei, sich breiter aufzustellen, sagt dessen Geschäftsführer Gerald Grünberger.

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