Einkaufsmeilen von Berlin bis Tokio

29. November 2016, 05:30
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Luxus-Shopping-Viertel sind das Aushängeschild jeder Metropole. Ein Streifzug durch die edelsten Einkaufsmeilen von Berlin bis Tokio

Versteckte Geschäfte in Tokio

Der Name ist Konzept: Das japanische Wort "Gin" bedeutet "Silber", und "Za" steht für "Ort", war Ginza doch lange die Hauptproduktionsstätte für Silbermünzen. Das Viertel mit seinen imposanten modernen Gebäuden kann ziemlich überwältigend sein, die Leuchtreklamen am Abend zaubern typisches Tokio-Feeling, wie wir es aus Filmen kennen. Am Wochenende verwandelt sich die Luxusmeile in eine Fußgängerzone. "Lost in Translation" fühlt man sich trotzdem: Am besten, man beginnt seine Shoppingtour deshalb in einer der Nobelmalls entlang der Ginza Wake und Mitsukoshi.

foto: apa/afp/yamanaka
Das Ginza-Viertel in Tokio.

Es gehört in Japan übrigens zum guten Ton, sich Zeit zu nehmen, sogar kleine Einkäufe schön einpacken zu lassen, selbst wenn sie kein Geschenk sind. Erst danach lohnt sich ein Gang in die Seitenstraßen. Und: Immer auch den Kopf nach oben richten! Viele kleine Shops werben nicht auf Augenhöhe. Die Eingänge sind mitunter versteckt. Würden sich nicht viele Fashionistas anstellen, wüsste man nicht, dass man richtig ist. Besonders lohnend sind die kleinen Outlets, die ein fantastisches Angebot an internationalen Luxuslabels führen. Trotzdem ist auch ein Abstecher ins Viertel Shinjuku empfehlenswert, wo der minimalistisch-elegante Flagship-Store von Comme des Garçons beheimatet ist.

West- und Ost-Chic in Berlin

Berlin wäre nicht Berlin, wenn Luxusshopping auf eine Straße beschränkt wäre: Die ehemals geteilte Stadt lockt im Westen mit dem legendären Kurfürstendamm, im Osten mit der Friedrichstraße. Man muss schon ein Stückchen laufen, um beide Straßen tatsächlich zur Gänze zu sehen, und wandert dabei durch ein Stück deutscher Geschichte: Die kontrastreiche Friedrichstraße hat den Touristenmagneten Checkpoint Charlie aufzubieten, aber auch sozialen Wohnbau. Die Luxusecke von Unter den Linden bis zur Leipziger Straße ist recht überschaubar, so richtig brummt das Luxus-Shopping-Business dann doch nicht in Berlin, man kommt nach wie vor aus anderen Gründen in die Stadt.

foto: istock / wdstock / muratkoc
Galeries Lafayette in Berlin.

Empfehlenswert ist das schicke gläserne Kaufhaus Galeries Lafayette, das von Céline über Balmain bis Helmut Lang, Saint Laurent und Versace führt. Im Keller werden Delikatessen angeboten, in den kleinen Restaurants tummeln sich vor allem mittags Büroangestellte aus den umliegenden Geschäftstowers. Einen Häuserblock weiter liegt die Nobelmall Quartier 206.

Shopping und Kaffee in Mailand

Die Via Montenapoleone in Mailand oder, wie die Einheimischen sagen, die Monte ist gerade einmal 500 Meter lang; von schlichten Patrizierhäusern flankiert, fädeln sich hier in elegantem Understatement Brands wie Prada, Gucci, Missoni und Dolce & Gabbana auf. Aber eigentlich spricht man ohnehin vom "Triangolo d'Oro", das sich von der Via Montenapoleone über ihre Parallelstraßen Via della Spiga, Via Sant'Andrea und Via Pietro Verri erstreckt. Nichts ist in dieser Ecke der italienischen Stadt laut oder protzig. Man fühlt sich wie in einer malerischen Kleinstadt in den engen Gassen, wo es Antiquitäten neben Juwelen, Design und Mode gibt.

foto: ap/bruno
Die Via Montenapoleone in Mailand.

Schließlich ist Mailand distinguierter als das hektische Rom, von dem man sich abgrenzen möchte, das zeigt sich natürlich auch beim Einkaufen. Im Anschluss an eine erfolgreiche Shoppingtour ist ein Besuch des Caffè Cova Pflicht: Seit 1817 gibt es die Traditionskonditorei mit den üppigen Lüstern, die schon fast wienerisch wirkt, ginge es nicht um einiges lebhafter zu. Oder noch ein Sprung in die eindrucksvolle Passage Galleria Vittorio Emanuele II nahe dem berühmten Dom, wo sich Mailand einmal mehr in seiner immensen Pracht zeigt.

Filmreif flanieren in New York

Besonders der Bereich zwischen der 49th Street und der 60th Street in der Fifth Avenue ist mit zahlreichen Luxuskaufhäusern wie Saks und Barneys und vornehmen Restaurants gesäumt, Klassiker wie Gucci, Chanel, Louis Vuitton, DKNY, Calvin Klein und Tommy Hilfiger machen sich hier breit. Aber auch der riesige Apple-Store, vor dem sich regelmäßig Schlangen bilden, steht in diesem Abschnitt.

foto: picturedesk / gavin hellier
Tiffany & Co in New York.

Stolze 1.700 Euro Miete müssen die Shops pro Quadratmeter hinblättern. Die Fifth Avenue ist nicht erst seit der TV-Kultserie "Sex and the City" ein Markenzeichen der Stadt, wo Carrie ihren Shoppingexzessen frönt. Vieles in dieser Straße hat Kinoformat: etwa der schicke Tiffany-Store, bekannt aus dem Filmklassiker "Frühstück bei Tiffany" aus dem Jahr 1961 mit Audrey Hepburn. Bereits in den 1950ern galt der Prachtboulevard als Refugium der oberen zehntausend – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Grundsätzlich gilt: je kleiner die Hausnummer, desto höher die Mietpreise. Das Schöne an der Fifth Avenue aber ist, dass sie auch ziemlich viel gratis zu bieten hat: das gigantische Empire State Building etwa oder den Trump Tower. Am bezauberndsten ist die Straße natürlich kurz vor Weihnachten, aber dann weht mitunter auch ein eisiger Wind.

Shoppen mit der Queen in London

Die Bond Street ist knapp 1,2 Kilometer lang, hat es aber in sich: Sie gilt als eine der teuersten und luxuriösesten Einzelhandelslagen Europas (der Mietpreis liegt für einen Quadratmeter bei rund 720 Euro), sogar die britische Queen geht hier shoppen, weil sich neben beeindruckenden Flagship-Stores von Chanel, Hermès, Prada, Dior oder Alexander McQueen und Burberry noch immer kleine Hoflieferanten wie die Schuhmanufaktur Royal Warrant finden. Vor allem für Londoner Traditionshäuser gehört es zum nationalen Stolz, auf der Bond Street einen Shop zu betreiben, schon in viktorianischen Zeiten galt das noble Pflaster als Refugium der Upperclass.

foto: reuters/hall
Die Bond Street in London.

Man spürt noch heute den distinguierten Charme dieser Einbahnstraße, die eigentlich im Norden, nach der quirligen Oxford Street, den Namen New Bond Street trägt, im Süden dann Old Bond Street heißt und in der trashigeren Shopping- und Ausgehgegend Piccadilly endet. Das Beeindruckende an dieser Einkaufsmeile in Mayfair ist, wie groß die Dichte an Luxusshops auf doch recht überschaubarem Raum ist und wie gut die Bond Street gelegen ist: Sie wuchert in all die kleinen Seitenstraßen weiter, wo sich vor allem junge Labels, aber auch etablierte wie Raf Simons und Fred Perry im benachbarten, bei den Shopmieten um einiges günstigeren Chelsea angesiedelt haben.

Oder man besucht den Dover Street Market, der auf drei Etagen alle gerade gehypten Designer – von Balenciaga über Craig Green bis Gosha Rubchinskiy – präsentiert. Und wenn man erschöpft ist, geht man einfach stilvoll auf einen Tee bei Fortnum & Mason auf der Piccadilly Street.

Einkauf mit Aussicht in Paris

Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe, sondern auch des Nobelshoppings. Nirgends gibt es dermaßen viele Luxusgeschäfte in prächtigem Ambiente, umgeben von Museen, Stadtpalästen und gepflegten Parkanlagen. Das sogenannte Goldene Dreieck ("Triangle d'Or") zwischen Champs-Elysées, Avenue Montaigne und Avenue George V hat sich zur Luxusmeile der Extraklasse gemausert. Hier findet man alle Labels von Gucci über Kenzo, Givenchy, Bulgari, Nina Ricci, Valentino, Chanel und Pucci bis Loewe. Aber auch die schicksten Parfumstores und auch teure Hotels liegen in der Nachbarschaft.

foto: picturedesk / robertharding
Louis Vuitton in Paris.

Vergangenes Jahr eröffnete Hedi Slimane ein neues Flaggschiff von Saint-Laurent Paris ganz in Schwarzweiß auf 900 Quadratmetern in der Avenue Montaigne. In der Nähe ist auch die Rue du Faubourg Saint-Honoré, mittlerweile ebenfalls ein Wahrzeichen für Luxus. Rund um das Palais Royal finden sich Vintageläden und moderne Must-haves wie Acne Studios und die minimalistische Mode von Rick Owens, die experimentellen Entwürfe von Maison Margiela und hippe Shops wie Kitsuné. Dabei galt gerade diese Ecke vor nicht allzu langer Zeit als ausgestorben. Wer es kompakt mag, geht in den Concept-Store Colette in der Rue Saint-Honoré. (Karin Cerny, RONDO Spezial, 29.11.2016)

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