Deutscher Buchpreis: Zwei Österreicher auf der Shortlist

20. September 2016, 10:33
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Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt sind unter den sechs Anwärtern, Vergabe ist am 17. Oktober

Frankfurt am Main – Mit Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt sind heuer zwei österreichische Autoren auf der Shortlist des deutschen Buchpreises vertreten, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt veröffentlichte. Nicht auf der Liste vertreten sind hingegen Anna Weidenholzer ("Weshalb die Herren Seesterne tragen", Matthes & Seitz) und Hans Platzgumer ("Am Rand", Zsolnay).

"Die Romane der diesjährigen Shortlist decken ein breites inhaltliches Spektrum ab", sagte Jurysprecher Christoph Schröder. Was sie gemeinsam hätten, sei "eine starke Bodenhaftung, der unmittelbare Bezug zur beobachteten Realität". Schröder berichtete von "harten, kontroversen Gesprächen" in der Jury. Er hofft, dass die Liste nun aber "die unbestrittene Qualität dieses Bücherjahres" widerspiegele.

Der 1982 geborene Kaiser-Mühlecker überzeugte die Jury mit seinem Roman "Fremde Seele, dunkler Wald" (S. Fischer). Darin legt er eine zwischen dynamischer Narration und eigenwilliger Atmosphäre pendelnde Geschichte rund um ein Brüderpaar und den Niedergang des väterlichen Hofs vor, von der man nur schwer lassen kann. Die Jury beeindruckte an diesem "sehr österreichischen" Buch, wie der junge Autor "hilflosen und sprachlosen Figuren, die mit der Geschwindigkeit der Welt nicht mehr zurande kommen, eine Stimme gibt und daraus Literatur macht". Es ist das bereits sechste Buch des Oberösterreichers.

Eva Schmidt veröffentlichte im Frühjahr "Ein langes Jahr" (Jung und Jung). Nach vier Prosawerken und einer schöpferischen Pause von fast 20 Jahren, erzählt die 64-jährige Vorarlbergerin darin in 38 Episoden und aus wechselnden Perspektiven, die sich doch zu einem Ganzen fügen, mitfühlend von den kleinen Dingen des Lebens, von den stillen Nöten und spärlichen Freuden ganz normaler Menschen – und von Hunden. "Eigentlich nichts Spektakuläres", gibt die Jury zu, das aber "auf sehr elegante Weise".

Die übrigen Nominierten

Bodo Kirchhoff ist mit 68 Jahren der älteste Kandidat, war 2012 aber schon einmal für den Buchpreis nominiert. Nun in "Widerfahrnis" (Frankfurter Verlagsanstalt) bricht die Leidenschaft unverhofft über ein resignierendes Paar herein. "Wahnsinnig souverän und intelligent erzählt" sei die Liebesgeschichte, sagt die Jury, gelungen die Verbindung zwischen Lovestory und Aktualität.

Auch Thomas Melle ist kein Buchpreis-Unbekannter: Drei Romane hat er geschrieben – alle waren dafür nominiert. In "Die Welt im Rücken" (Rowohlt Berlin) schildert er seine manisch-depressive Erkrankung. "Er verwandelt eine Krankheit in grandiose Literatur", so das Juryurteil hier.

Philipp Winkler, Absolvent der Hildesheimer Schreibschule, hat mit "Hool" (Aufbau) seinen ersten Roman vorgelegt. Er gibt darin einer Szene eine Stimme, die in der deutschen Literatur so gut wie nie vorkommt: den Hooligans. Die FAZ findet es "eine der intensivsten Lektüren dieser Saison", die Zeit ist der Meinung, das Buch "geht auf interessante Weise schief".

André Kubiczek erzählt in "Skizze eines Sommers" (Rowohlt) von einem Jugendlichen in der DDR während sieben Wochen sturmfreier Bude. "Das hat einen ungeheueren Witz und sehr viel Tiefe", lobte die Jury das Buch neben seiner "leichthändigen, schwebenden" Art.

Roman des Jahres gesucht

Für die Longlist hatte die Jury zunächst 20 Titel aus 178 Neuerscheinungen von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Nun wurde die Liste auf sechs verkürzt. Der Sieger wird am 17. Oktober bekanntgegeben. Er erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist je 2.500 Euro.

Nicht auf die Shortlist haben es u. a. Schauspieler Joachim Meyerhoff ("Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke", Kiepenheuer & Witsch) und so renommierte Autoren wie der Schweizer Peter Stamm ("Weit über das Land", S. Fischer) und Sibylle Lewitscharoff ("Das Pfingstwunder", Suhrkamp) geschafft.

Seit 2005 wird der Preis vergeben und bildet den Auftakt zur Frankfurter Buchmesse. Im Vorjahr wurde Frank Witzels Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" prämiert. (APA, red, 20.9.2016)

  • Die Autoren Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt.
    foto: jürgen bauer, markus gmeiner

    Die Autoren Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt.

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