Im neunten Monat: "Report spezial" zur Präsidentenwahl

20. September 2016, 08:15
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Alexander Van der Bellen versucht auf rührende Weise davon zu überzeugen, im Wahlkampf noch immer Spaß zu haben

Eh. Er liebt Kirtage. Sicher. Er kann gar nicht an sich halten, wenn irgendwo ein Bier angezapft, eine Pauke geschlagen, ein Brettl gejausnet oder ein Schuh geplattelt wird. Alexander Van der Bellen versuchte am Montagabend im "Report Spezial" auf ORF 2 auf fast rührende Weise davon zu überzeugen, dass er noch Spaß am Wahlkampf habe. In einer Zuspielung hörte man ihn irgendwo zwischen Jungbauernfest im Wiener Augarten und Aufsteirern in Graz sagen: "Ich bin gerne bei diesen Festen, ein bissl Musik, schauen, was es für Speck gibt … oder sonst was." (Die veganen unter seinen eingefleischten Wählern von früher mussten da tapfer sein und sich kurz die Ohren zuhalten.)

"Kein Kirtag, kein Volksfest"

Susanne Schnabl fragte ihn dann im Studio angesichts dessen, dass er plötzlich "keinen Kirtag, kein Volksfest" auslasse, ob man einen Schalter innerlich einfach so umlegen könne. Die Antwort des Präsidentschaftskandidaten: "Hm." (VdB-Pause.) "Ich kann nur sagen, ich bin guter Dinge. Mir macht das eigentlich nachgerade Spaß." Der Wahlkampf sei jetzt "im neunten Monat, dauert jetzt halt noch zwei Monate zusätzlich", aber er gehe gerne unter die Leute. Jede Schwangere hätte ihm da erzählt, dass auch der geliebteste Babybauch "im neunten Monat" beschwerlich wird. "Übertragung" nennt man die gute Hoffnung ab zwei Wochen nach dem errechneten Geburtstermin übrigens.

Tapfer weiter

Sportpsychologe Anton (früher Toni) Innauer formulierte es in der Sendung so: Manchmal könnten die Leute schon "die Lust verlieren, auf einen Wahlkampf zu warten, der immer wieder hinausgeschoben wird". Doch Van der Bellen macht tapfer weiter. Er lobt Kirtage als Hort der freiwilligen Arbeit, die Vereinen zugute käme und – natürlich – wieder einmal vor allem von Frauen geleistet werde, und hält sich sonst fast überall zurück. Nur vor seinem Konkurrenten Norbert Hofer, dem er das Relativieren in Sachen Öxit genauso wenig abnimmt wie viele ihm die Liebe zu Kirtagen, warnt er eindringlich.

Während Hofer im Ausland schon präsidentielle Auftritte absolviert, seufzte Van der Bellen als Antwort auf die Frage, warum er das nicht auch mache: "Das gehört sich nicht." Immerhin sei man noch Kandidat. Wer weiß, wie lange noch. (Colette M. Schmidt, 20.9.2016)

  • "Ich bin gern bei diesen Festen. Ich mag die Musik. Und ich muss schauen, was es für einen Speck gibt, oder sonst was": Alexander Van der Bellen, hier beim ÖVP-Kirtag in Wien.
    foto: red/orf

    "Ich bin gern bei diesen Festen. Ich mag die Musik. Und ich muss schauen, was es für einen Speck gibt, oder sonst was": Alexander Van der Bellen, hier beim ÖVP-Kirtag in Wien.

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