Frankreichs Konservative: Sarkozy macht gegen Juppé Boden gut

20. September 2016, 08:00
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In Frankreich wählen die Konservativen einen Kandidaten: Sarkozy holt bisherigen Alleinfavoriten ein

Die "primaire" der französischen Republikaner (Konservativen) könnte Ende November schon darüber bestimmen, wer im kommenden Mai als neuer Staatspräsident in den Élysée-Palast einzieht. Die wichtigsten Widersacher auf der Rechten wie auf der Linken, darunter auch Front-National-Chefin Marine Le Pen oder der sozialistische Präsident François Hollande, scheinen laut allen Erhebungen chancenlos zu sein.

Deshalb treten bei den Republikanern intern gleich acht Kandidatinnen und Kandidaten an. Klarer Favorit war vor kurzem noch der ehemalige Premierminister Alain Juppé, der gemäßigte, weithin geschätzte Bürgermeister der Weinstadt Bordeaux. Dahinter folgte Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und hinter ihm Ex-Premier François Fillon und der Technokrat Bruno Le Maire.

Sarkozy ging es noch diesen Sommer wie Hollande: Rund vier Fünftel der Franzosen wollten nicht, dass er ein zweites Mal antritt. Doch nun wittert das kleine, aber grenzenlos motivierte Sarkozy-Lager Morgenluft: Laut einer neuen Umfrage von vergangener Woche hat ihr Idol erstmals mit Juppé gleichgezogen: Beiden werden in der Primärwahl 37 Prozent der Stimmen gutgeschrieben. Sarko-Veteranen frohlocken bereits, Juppé werde das gleiche Schicksal wie Edouard Balladur 1995 erleiden: Der damals bereits fürs Elysée "gesetzte" Gaullist wurde vom schlecht gestarteten Jacques Chirac schließlich noch abgefangen.

Einige Kehrtwenden

Die Sarkozysten stellen Juppé mit dieser Parallele als den gleich weichen "Bourgeois" hin, während sich Sarkozy gerne mit dem "Haudegen" Chirac vergleicht. Der Vergleich hinkt allerdings schon deshalb, weil Sarkozy anno 1995 selbst auf Balladur gesetzt hatte und damit Verrat an seinem Ziehvater Chirac beging. Sarkozy aber hat den Widerspruch noch nie gescheut. In einer neuen, mehrstündigen Polittalkshow des Senders France 2 vollzog er in bewährter Manier eine Kehrtwende um die andere: Die Homo-Ehe billigt er anders als früher; dafür möchte er die Verfassung ändern, um zum Beispiel das islamische Badekleid Burkini verbieten zu können. "Guantánamo" lehnt er ab, mit der Internierung von Radikalislamisten auf bloßen Verdacht hin strebt er aber das Gleiche an.

Sarkozy dreht auf

Sich selbst vergleicht Sarkozy mit der Hollywood-Figur Rocky, der nach seinen Boxniederlagen auch immer wieder zurückgekehrt sei. Noch Anfang dieses Jahres hatte er sich in einem Buch eher konfuzianische Gaben attestiert ("Der Bogenschütze ist ein Vorbild für jeden Weisen"). Jetzt nimmt der 62-Jährige betont Kurs nach rechts, um nicht zuletzt den um zehn Jahre älteren Weisen Juppé aus dem Busch zu klopfen.

Dass er dafür als billige Kopie des Originals Le Pen bezeichnet wird, ist Sarkozy gleich: Hauptsache, er dominiert die öffentliche Debatte mit seinen durchaus telegenen Auftritten, die immer hart an der Grenze zur Demagogie und Dichtkunst sind.

Dass er neuerdings eine Anklage zu gewärtigen hat, weil er seine – auf 21,5 Millionen Euro limitierten – Präsidentschaftswahlausgaben 2012 um schätzungsweise 23 Millionen Euro überschritt, verdrehte er in den Vorwurf an den Richter, ihn zwölf Stunden lang verhört zu haben.

Sarkozy betreibt, das muss man ihm lassen, seine Schauspielerei weiterhin sehr gekonnt. Erstaunlicher ist, dass er damit wieder viele Franzosen zu überzeugen beginnt. Bis zur Primärwahl am 20. und 27. November wird er seine Nummer noch oft wiederholen können. Und dann ist in seinen Augen erst Halbzeit – auf dem Weg zurück ins Elysée. Der mittlerweile 72-jährige Juppé hat hingegen bereits jetzt Mühe, mit Sarkozys Tempo mitzuhalten. (Stefan Brändle aus Paris, 20.9.2016)

  • Der frühere französische Premier Alain Juppé (li.) galt bisher als Favorit im Mitte-rechts-Lager,  nun holt sein interner Rivale,  Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, (re.) langsam,  aber doch auf.
    foto: apa/afp/nicolas tucat

    Der frühere französische Premier Alain Juppé (li.) galt bisher als Favorit im Mitte-rechts-Lager, nun holt sein interner Rivale, Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, (re.) langsam, aber doch auf.

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