Trumps Handelszölle würden Millionen Jobs kosten

20. September 2016, 06:00
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Strafzölle gegen China würden nach hinten losgehen. Die Produktion des iPhone würde für Peking zur Geheimwaffe

Washington/Wien – Donald Trump hält bekanntlich nicht viel vom Freihandel. Das nordamerikanische Nafta-Abkommen mit Mexiko und Kanada würde der republikanische Präsidentschaftskandidat neu verhandeln, notfalls aus dem Vertrag aussteigen. China hat er der Währungsmanipulation bezichtigt und Strafzölle auf Importe aus dem Reich der Mitte angekündigt.

Für die USA könnte eine solche Vorgangsweise nach hinten losgehen, hat das renommierte Peterson Institute in einer Studie herausgefunden. Die Einhebung von US-Strafzöllen würde zu Retorsionsmaßnahmen der Handelspartner wie China und letztlich zu einem Handelskrieg führen. Die Folge: "Millionen Jobs" gingen verloren, so das Institut, das nach Peter George Peterson, der unter dem republikanischen Präsidenten Richard Nixon Handelsminister war, benannt ist. Und: Wegen der Belastungen für den Außenhandel würden die USA in eine Rezession schlittern.

Doch wäre Trump überhaupt in der Lage, derartig weitreichende Maßnahmen zu setzen? Ja, schreiben die Studienautoren. US-Präsidenten haben schon zuhauf auf Grundlage eines Notfallparagrafen, des International Emergency Economic Act, Handelsbarrieren errichtet. Sanktionen gegen Nicaragua, Panama oder Somalia zählten dazu. Dazu kommt der bizarr anmutende "Trading with the Enemy Act", der auf den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 zurückgeht. Dass er nicht antiquiert ist, zeigen Maßnahmen Washingtons gegen Syrien und Libyen. Legendär ist zudem die Einführung eines zehnprozentigen Extrazolls auf Importe durch Nixon im Jahr 1971, um das Ende der festen Währungskurse und drohende Nachteile für die USA abzufedern.

Warenerzeugung vor allem betroffen

Doch wie kommen die negativen Effekte von Trumps Politik zustande, und in welchen Bereichen würden sie auftreten? Laut Peterson Institute wäre von Handelshemmnissen vor allem die Warenerzeugung betroffen, und hier wiederum Staaten wie Washington, wo u. a. Boeing seinen Sitz hat. Allein 179.000 Jobs gingen bei den Flugzeugbauern verloren, sollte China im Gegenzug zu Strafzöllen – Trump hat gegenüber Peking einen Extratarif von 45 Prozent angekündigt – den Kauf von US-Maschinen einstellen. Dann wäre da die Zulieferkette, die wegen des Imports von Halbfertigwaren mit Knappheit und Preiserhöhungen zu rechnen hätte.

Exemplarisch greift die Untersuchung das iPhone heraus, dessen Herstellung Pekings "Geheimwaffe" in einem Handelskrieg mit den USA sei. Während Chinas Wertschöpfungslücke bei einem Lieferstopp "minimal" sei, würde die Verfügbarkeit der Apple-Handys gestört. Der folgende Kurssturz der Apple-Aktien hätte zudem negative Folgen für die Pensionsvorsorge der Amerikaner.

Über die direkten kommen die Studienautoren zu den indirekten Folgen: weniger Konsum durch höhere Arbeitslosigkeit und steigende Preise, weil die Zölle eingeführte Waren verteuern. Betroffen wären praktisch alle Sektoren – vom Einzelhandel über die Gastronomie bis hin zu den Spitälern.

Nicht unerwähnt lässt das Peterson Institute, dass auch Hillary Clintons handelskritische Politik schmerzhaft sei. Jene von Trump sei allerdings "entsetzlich zerstörerisch". (as, 20.9.2016)

  • Boeing wäre einer der am meisten betroffenen Konzerne, sollten die USA einen Handelskrieg mit China provozieren. Doch die Folgen würden vor Einzelhandel und Gastronomie nicht haltmachen.
    foto: reuters/frey

    Boeing wäre einer der am meisten betroffenen Konzerne, sollten die USA einen Handelskrieg mit China provozieren. Doch die Folgen würden vor Einzelhandel und Gastronomie nicht haltmachen.

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