Voggenhubers Katastrophenvokabular bei "Im Zentrum"

19. September 2016, 16:56
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Wenn ein FPÖ-Politiker das Gerede von der Krise des Staates überzogen findet, sollte das zu denken geben

Der Notstand greift um sich. Kaum trifft die Bundesregierung Vorkehrungen zum Schutz vor dem potenziell republikserschütternden 37.501. Flüchtling, wartet schon die nächste Krise.

Denn wie der ehemalige grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber in "Im Zentrum" am Sonntag seiner legendären Zurückhaltung zum Trotz erklärt, hat Österreich nicht nur ein "Problem", weil die Wiederholung der Stichwahl zum Bundespräsidenten verschoben werden muss: Es sei ein "Desaster", eine "Krise", ein "Missstand", der sich seit Jahrzehnten in die Republik frisst, die "beständige Erosion von Demokratie und Rechtsstaat". Pannen? Ja, Pannen hat es auch im März 1933 gegeben!

Schließlich gehe es hier nicht um die Schlampereien beim ersten Versuch, einen Präsidenten zu wählen, und auch nicht um den Klebstoff beim zweiten, sondern – ja, worum denn eigentlich? Man brauche nur in die sozialen Medien zu schauen, sagt Voggenhuber, da seien die "Menschen voller Misstrauen". Reicht das zur Krise?

Und dann gebe es da diese politische Kraft, die "nur darauf lauert, neue Möglichkeiten zur Destabilisierung dieser Republik zu bekommen" (Voggenhuber meint nicht sich selbst).

Wenn dann mit Justizsprecher Harald Stefan ausgerechnet ein FPÖ-Politiker für eine gemäßigte Diskussion eintritt und das Gerede von der Krise des Staates "weit überzogen" findet, sagt das mehr aus als Moderatorin Ingrid Thurnhers Versuche, Voggenhubers Alarmglocken etwas zu dämpfen.

Das Drama finde in Österreich als Posse statt, erklärte Voggenhuber gleich zu Beginn. Wahrscheinlich, weil es immer einen gibt, der dafür sorgt. (Sebastian Fellner, 19.9.2016)

  • Der ehemalige grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber ortet in Österreich mehr als nur ein Problem.
    foto: orf/screenshot tvthek.orf.at

    Der ehemalige grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber ortet in Österreich mehr als nur ein Problem.

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