"Menstruationshintergrund": Damenabend mit Nachgeschmack

19. September 2016, 15:29
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Von Elke Hartmann inszeniertes Dreipersonenstück im Innsbrucker Theater praesent

Das rund fünfzig Sitzplätze fassende Theater praesent im Souterrain eines Wohnhauses zählt seit knapp zehn Jahren zu den Fixpunkten der Innsbrucker Offtheaterszene. Zum Auftakt der Saison haben sich Elke Hartmann (Regie) und die Darstellerinnen Alev Irmak, Julia Kronenberg und Teresa Waas einer besonderen Thematik gestellt: Menstruationshintergrund nennen sie ihren Abend, humorvoll soll er sein, intelligent kritisch und mit aufrichtigen Einblicken – das verheißt die Ankündigung.

Zu Beginn sitzen die drei Damen in schwarzem Outfit und weißem Tutu schnatternd an der Bühnenkante und ersehnen ihren Geliebten. Als bühnenraumfüllende Videoprojektion kommt er auch angeflogen, und zwar in Gestalt eines Schwans. Und sogleich wird zackig und in hohem Tempo kopuliert, jede für sich. Doch ach! Der Orgasmus bleibt aus und stellt sich auch nach mehrmaligem Bemühen nicht ein. Eine legt sogleich ein Ei und übergibt dieses einem männlichen Zuseher zur vorübergehenden Betreuung.

Sodann wird unverblümt über Cellulite geplaudert, in explizierter Wortwahl wird darüber diskutiert, ob die drei Lust hätten, mit Leonard Cohen zu "ficken" – oder eben nicht. Ob sie denn Feministinnen seien? Man kommt zu dem Schluss: Vielleicht im Vergleich mit einer Ötztaler Hausfrau, sonst aber eher nicht.

In Soloparts echauffiert man sich, als zweifache Mutter von Männern immer noch als "süß" wahrgenommen zu werden. Um dann detailreich zu schildern, welche Flüssigkeiten in welchen Mengen einem weiblichen Körper entrinnen, der soeben geboren hat. Oder man beklagt sich darüber, wiederholt mit Frida Kahlo verglichen zu werden. Und lässt sich in ein Gipskorsett in Form eines Brautkleids stecken und findet daran sogar Gefallen. In dieser Tonart plätschert der Abend dahin, der einen schalen Nachgeschmack und die bange Frage hinterlässt: Gibt es wirklich keine relevanteren weiblichen Themen in unserer Zeit? (dns, 19.9.2016)

Theater praesent, bis 5.11, Innsbruck, Jahnstraße 25, 20.00

  • "Menstruationshintergrund" im Innsbrucker Theater praesent.
    foto: johannes gabl

    "Menstruationshintergrund" im Innsbrucker Theater praesent.

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