22 Jahre Warten sind genug

20. September 2016, 12:27
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In Los Angeles wird wieder Football gespielt. Die NFL frönt damit weiter der Gigantomanie. Der sportliche Einstand ist den Rams gelungen

Los Angeles – Nach 22 Jahren wird in Los Angeles wieder Football gespielt. Die Rams, in der abgelaufenen NFL-Season noch in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri zu Hause, zogen vor der neuen Saison um in die größte Stadt Kaliforniens. Damit kehrt das Team an die Westküste zurück, wo es bereits seit 1946 unter dem Namen Los Angeles Rams gespielt hatte. Den Umzug ließ sich Rams-Eigentümer Stan Kroenke, Unternehmer und Milliardär, 550 Millionen Dollar kosten.

Teuerstes neues Stadion

Der US-Football frönt der Gigantomanie. Teurer, größer, exklusiver – die NFL erlebte in den vergangenen Jahren einen Stadionbauboom wie selten zuvor. Etliche amerikanische Metropolen reißen sich um ein Profiteam – und investieren Milliarden in teure Arenen. Die Rechnung für Rekordjagd am Bau trägt (ganz) am Ende oft der amerikanische Steuerzahler. Aber das ist ja wurscht.

In Los Angeles wird in Inglewood nahe des Flughafens ein Palast für 70.000 bis 80.000 Zuschauer errichtet. Kostenpunkt: rund zwei Milliarden Dollar. Laut der LA-Times soll das Stadion sogar privat finanziert werden, Kroenke habe bereits einen Kredit bekommen. Die "NFL Disney World" wäre dann die teuerste Sportarena der Welt. Und noch bevor das Stadion überhaupt steht, wurde es bereits zum Austragungsort der Super Bowl im Jahr 2021 gewählt.

The Super Bowl is coming to Los Angeles in 2021 📰

Ein von Los Angeles Rams (@rams) gepostetes Foto am

Bis die Arena 2019 steht, empfangen die Rams ihre Gäste im Los Angeles Coliseum. Dort feierte der Klub am Sonntag seine Rückkehr in die neue, alte Heimat. Die Mannschaft bezwang die favorisierten Seattle Seahawks überraschend mit 9:3. Kicker Greg Zuerlein fixierte den Sieg mit drei verwandelten Field Goals, auf den ersten Touchdown müssen die Widder noch warten.

Und St. Louis?

Zuletzt hatte das Team in St. Louis elf Mal in Serie die Playoffs verpasst. Dabei feierten die Widder in Missouri ihre größten Erfolge: zwei Finalspiele, wovon die Rams den Super Bowl im Jahr 2000 gewannen. 1995 ließ man L.A. noch hinter sich. Die wirtschaftliche Lage in Südkalifornien war schlecht, Eigentümerin Georgia Frontiere war sich sicher, dass die Stadt den Rams kein neues Stadion finanzieren wollte. Die Zuschauermassen blieben aus. Auch weil die Widder im rund 35 Kilometer entfernten Anaheim spielten.

In St. Louis stand dagegen eine brandneue Arena. Und die Stadt im Osten Missouris war die Heimat von Frontiere. Eigentlich hatten die NFL-Klubchefs nicht vor, dem Umzug der Rams zuzustimmen. Manche glaubten, der Klub könnte in Los Angeles bestehen, er sei einfach schlecht geführt. Doch Frontiere drohte mit einer Klage – die Liga gab nach. Der Klub übersiedelt, Frontiere avancierte in ihrer Heimatstadt St. Louis zur Heldin und im Süden Kaliforniens zur Persona non grata.

Um die Rams zwanzig Jahre später zu halten, versprach die Stadt St. Louis ein neues Stadion. Bürgermeister Francis Slay sagte, die NFL habe die Loyalität der Fans in St. Louis ignoriert. Sie hätten das Team "durch mehr Tiefs als Hochs hindurch unterstützt." Während des letzten Heimspiels hatten die Fans "Behaltet die Rams hier" skandiert. Doch in puncto wirtschaftlicher Entscheidungen spielen in der Gelddruckmaschine NFL Emotionen keine Rolle.

Wichtiger Fernsehmarkt

Los Angeles ist der zweitgrößte Fernsehmarkt in der USA. Seit dem Auszug der Rams und der Oakland Raiders 1995 liegt er brach. Im Großraum L.A. leben 18,5 Millionen Menschen. In St. Louis brachten die Rams lediglich 2,6 Prozent der gesamten Stadionbesucher der NFL ins eigene Stadion.

Auch die San Diego Chargers haben eine Option auf einen Umzug nach L.A. Sollten sie die Option nicht in Anspruch nehmen, wären die Oakland Raiders am Zug. (sid, siu, 20.9.2016)

Ergebnisse Week 2:

Montag:
Chicago Bears – Philadelphia Eagles 14:29

Sonntag:
Carolina Panthers – San Francisco 49ers 46:27
Washington Redskins – Dallas Cowboys 23:27
Pittsburgh Steelers – Cincinnati Bengals 24:16
New York Giants – New Orleans Saints 16:13
New England Patriots – Miami Dolphins 31:24
Houston Texans – Kansas City Chiefs 19:12
Detroit Lions – Tennessee Titans 15:16
Cleveland Browns – Baltimore Ravens 20:25
Los Angeles Rams – Seattle Seahawks 9:3
Arizona Cardinals – Tampa Bay Buccaneers 40:7
San Diego Chargers – Jacksonville Jaguars 38:14
Oakland Raiders – Atlanta Falcons 28:35
Denver Broncos – Indianapolis Colts 34:20
Minnesota Vikings – Green Bay Packers 17:14

Donnerstag:
Buffalo Bills – New York Jets 31:37

  • Die Los Angeles Rams spielten am Sonntag zum ersten Mal seit 22 Jahren ein Heimspiel in der kalifornischen Metropole L.A.
    foto: apa/afp/getty images/harry how

    Die Los Angeles Rams spielten am Sonntag zum ersten Mal seit 22 Jahren ein Heimspiel in der kalifornischen Metropole L.A.

  • Vor dem Spiel gegen die Seattle Seahawks heizten die Red Hot Chilli Peppers den Zuschauern ein.
    foto: apa/afp/getty images/harry how

    Vor dem Spiel gegen die Seattle Seahawks heizten die Red Hot Chilli Peppers den Zuschauern ein.

  • Die Anhänger der Rams in Los Angeles, wo der Klub von 1946 bis 1995 zu Hause war, freuen sich über die Rückkehr der Widder.
    foto: reuters/kirby lee-usa today sports

    Die Anhänger der Rams in Los Angeles, wo der Klub von 1946 bis 1995 zu Hause war, freuen sich über die Rückkehr der Widder.

  • Eigentümer Stan Kroenke lässt bis 2019 ein Stadion um rund zwei Milliarden US-Dollar in einem Vorort von Los Angeles errichten.
    foto: reuters/richard mackson-usa today sports

    Eigentümer Stan Kroenke lässt bis 2019 ein Stadion um rund zwei Milliarden US-Dollar in einem Vorort von Los Angeles errichten.

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