Spurensuche: Lithium, Trinkwasser, Depression

19. September 2016, 13:56
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Medikamente erhöhen den Lithiumgehalt in Trinkwasser nicht – hat eine Studie des FWF ergeben – die Rolle des Spurenelements bei Depression wird weiteruntersucht

Mehreren Studien zufolge geht ein hoher Gehalt an Lithium im Trinkwasser mit einer geringeren Selbstmord-Rate einher. Diesen Zusammenhang fand ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien 2011 auch für Österreich. Wie viele lithiumhaltige Medikamente in einer Region verschrieben werden, hat einer neuen Studie zufolge jedoch keinen Einfluss auf den Gehalt des Leichtmetalls im Wasser.

Bereits vor fünf Jahren zeigte das Team um Nestor Kapusta von der Wiener Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, dass der Zusammenhang zwischen höherem Lithiumgehalt im Wasser und der Anzahl der Selbstmorde auch dann erhalten bleibt, wenn sozioökonomische Faktoren wie Einkommen oder psychosoziale Versorgung – die die Suizidrate bekanntermaßen beeinflussen – berücksichtigt werden.

Der Schluss der Wissenschafter damals: Schon geringste Mengen an Lithium im Trinkwasser scheinen neben anderen Ursachen ein möglicher eigenständiger Einflussfaktor zu sein.

Medikamente und Grundwasser

Da das Leichtmetall auch in Medikamenten enthalten ist, die vor allem zur Behandlung von Depressionen und bipolaren (manisch-depressiven) psychischen Erkrankungen seit langem eingesetzt werden, gingen die Wissenschafter der "Suicide Research Group" nun der Frage nach, ob die Lithium-Werte im Wasser von Rückständen dieser hochdosierten Arzneien beeinflusst werden. Dazu wurden insgesamt 6.460 Trinkwasserproben aus ganz Österreich mit den Verschreibungshäufigkeiten solcher Medikamente verglichen, heißt es in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds FWF, der das Projekt gefördert hat.

Es zeigte sich, dass der Lithiumgehalt im Trinkwasser durch die Verschreibungen so gut wie nicht beeinflusst wird und auch die Suizidraten unter Berücksichtigung der Verschreibungen gleich blieben. "Daher bleibt unser bisheriges Wissen aufrecht, dass Lithiumvorkommen im Trinkwasser eher aus natürlichen Quellen stammt und Auswirkungen auf die Suizidrate hat", erklärte Kapusta.

Kein Wundermittel

Dass solche Mikro-Dosen, wie sie im Trinkwasser enthalten sind, überhaupt einen nachweisbaren Einfluss haben, sei erstaunlich. Lithium als Wundermittel zu bezeichnen sei jedoch nicht angebracht, so der Forscher, der auch Überlegungen, das Leichtmetall als Spurenelement dem Wasser beizumischen, aktuell nichts abgewinnen kann. Es brauche hier noch mehr Forschung.

Lithium kommt in der Natur nur in geringen Mengen vor. Im heimischen Alpenraum, etwa in Tirol, sind die Werte besonders niedrig. In Tiefebenen, wo sich das Wasser ansammelt und Lithium besser aus dem Gestein gelöst werden kann, steigt der Wert – so etwa in Mistelbach, im Raum Wien, Graz und Linz. Die höchsten Suizidraten werden in der Steiermark und in Kärnten verzeichnet. Im Burgenland, in Wien und Vorarlberg sind sie am niedrigsten. (APA, 19.9.2016)

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