Deutsch-österreichisches Unternehmen will privaten Mondrover starten

19. September 2016, 15:12
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Teilnehmer am Google-Wettbewerb Lunar X-Price verhandeln nach eigenen Angaben über Raketenstarttermin bis Mitte 2018

Wien/Berlin – Das Berliner Unternehmen PTScientists (Part Time Scientists) handelt derzeit nach eigenen Angaben mit der US-Raumfahrtbehörde NASA und der Firma SpaceX einen Raketenstart aus, um 2017/2018 das erste private Fahrzeug auf dem Mond fahren lassen.

Ausgangspunkt der mittlerweile weit gediehenen Pläne sei ein 2007 von Google ausgelobter Wettbewerb gewesen, so der aus Österreich stammende technische Leiter des Projekts, Jürgen Brandner. Der Google Lunar X-Price (GLXP) ist mit 30 Millionen Dollar dotiert und geht an jenes zumindest zu 90 Prozent aus privaten Mitteln finanzierte Team, dessen Mondfahrzeug als erstes 500 Meter auf dem Erdtrabanten zurücklegt.

Das Startkapital für den Wettbewerb kam aus der Versicherungssumme in Folge eines Autounfalls. Es folgte die Gründung eines Vereins, 2009 stand der erste selbst entwickelte kleine Roboter bereit. "Ab dieser Zeit haben wir gemerkt, dass es ein wenig mehr braucht als einen Verein", so Brandner. Die Firma wurde mit dem Ziel gegründet, über den Wettbewerb hinaus "zukunftsträchtige Produkte" für die aufstrebende private Raumfahrt zu entwickeln.

Gewachsenes Projekt

Mittlerweile arbeiten zwölf Personen Vollzeit an dem Projekt, es gebe aber noch immer deutlich mehr "Teilzeitforscher". Aufgrund der starken österreichischen Beteiligung – heimische Forscher und Techniker machen etwa 50 Prozent des Teams aus – sei auch eine Niederlassung in Österreich in Planung.

"Als wir das Ganze gegründet haben, waren wir sehr naiv und dachten, dass wir das bis 2012 erledigt haben", sagte Brandner. Nun sehe es fast zehn Jahre nach der Ausschreibung danach aus, dass die etwa 210 Kilogramm schwere Landeeinheit "Alina" (Autonomous Landing and Navigation Module) mit zwei je 30 Kilo schweren, einen Meter langen, 75 Zentimeter breiten und etwa 60 Zentimeter hohen Rovern namens "Audi lunar quattro" tatsächlich auf dem Mond aufsetzen wird, ist Brandner überzeugt.

Industriepartner an Bord

Am Namen des Rovers ist unschwer zu erkennen, dass man mittlerweile einen großen Industriepartner mit an Bord hat. Auch von Kooperationen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie mit deutschen und österreichischen Unis habe man in den vergangenen Jahren viel gelernt.

Der Start, für den ein Zeitfenster von Ende 2017 bis Mitte 2018 vorgesehen ist, soll in Cape Canaveral mit einer SpaceX Rakete erfolgen. Ob und wie lange die Explosion einer SpaceX-Rakete Anfang September das Vorhaben verzögern könnte, lasse sich noch nicht seriös abschätzen. Ab einer Höhe von 35.000 Kilometern "erledigt unser Landesystem die restliche, fünftägige Reise zum Mond". Dort sollen die beiden Rover abgesetzt werden und zunächst die geforderten 500 Meter zurückzulegen und das zu dokumentieren. "Dann sind wir eigentlich frei und für einige wissenschaftliche und mediale Themen offen", so Brandner.

Bis zum Ende des Jahres müssen die an der Ausschreibung teilnehmenden Teams Startvereinbarungen vorlegen, um weitermachen zu können. Brandner schätzt, dass sich noch vier bis fünf ernsthafte Konkurrenten im Rennen um den Preis befinden. (APA, red, 19.9.2016)

  • Der Audi lunar quattro könnte zwischen Ende 2017 und Mitte 2018 zum Mond fliegen.
    illustration: ptscientists

    Der Audi lunar quattro könnte zwischen Ende 2017 und Mitte 2018 zum Mond fliegen.

  • Die Landeeinheit Alina ist für den Transport zweier solcher Fahrzeuge konzipiert.
    illustration: ptscientists

    Die Landeeinheit Alina ist für den Transport zweier solcher Fahrzeuge konzipiert.

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