"Fairnessabkommen": Team Van der Bellen will FPÖ-Vorschlag erweitern

19. September 2016, 15:21
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Beide Kandidaten möchten eine Plakatpause einlegen. Van der Bellens Wahlkampfleiter fordert darüber hinaus Verhaltensregeln. FPÖ spricht von "Themenverfehlung"

Wien – Nach ursprünglichem Zeitplan mit sechmonatiger Verspätung, aber immerhin: Am 26. Jänner kommenden Jahres soll Österreich ein neues Staatsoberhaupt haben. An diesem Tag wird – sofern diesmal nichts mehr dazwischen kommt – jener Präsidentschaftskandidat angelobt werden, der aus der Wiederholung der Stichwahl im Dezember als Sieger hervorgeht. Bis dahin heißt es: Der Wahlkampf läuft. Immer noch.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten wollen ihr Werben nun aber zumindest vorerst auf ein Mindestmaß reduzieren. Herbert Kickl, blauer Chefstratege und FPÖ-Wahlkampfleiter, hatte bereits vergangene Woche eine Wahlkampfpause vorgeschlagen – wobei es den Freiheitlichen in erster Linie darum geht, aktuell keine weiteren Plakate anzubringen.

Aufruf zur Mäßigung

Das hält auch Lothar Lockl, der Wahlkampfleiter Van der Bellens, für "erfreulich". Allerdings: "Vierundzwanzig Stunden nachdem der Vorstoß lanciert wurde, hat die FPÖ eine Aussendung verschickt, in der Alexander Van der Bellen als 'Pharisäer der Sonderklasse' bezeichnet wird", beschwert sich Lockl bei einer Pressekonferenz am Montag. "Es geht auch um Fairness. Ein Abkommen macht nur dann Sinn, wenn wir auch über Sprache reden."

Den Appell zur verbalen Mäßigung richtet Lockl nicht nur an den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, sondern auch an Kickl und Parteichef Heinz-Christian Strache. Er habe den Eindruck, dass die FPÖ mit ihrer Wortwahl den Boden für eine Stimmung aufbereite, in der Gerüchte, Unterstellungen und Verschwörungstheorien gedeihen. "Es ist Zeit, die Stopptaste zu drücken." Darüber hinaus fordert Lockl eine blaues Bekenntnis zum Thema "Grundrechte".

Das geht Kickl nun alles zu weit. Das "Sammelsurium an Forderungen" sei eine "Themenverfehlung" und lasse "über weite Teile den Anspruch auf Ernsthaftigkeit vermissen", so die Reaktion des blauen Wahlkampfchefs am Montagnachmittag.

Touren gehen weiter

Auf ein sogenanntes Fairnessabkommen hatten sich Van der Bellen, die Kandidaten von SPÖ und ÖVP sowie die unabhängige Irmgard Griss bereits im ersten Hofburg-Wahlgang geeinigt. Der damalige Kernpunkt der Vereinbarung: Transparenz bei den Spendeneinnahmen, respektvoller Umgang, sachlicher Stil. Hofer wollte sich dazu schon damals nicht verpflichten lassen.

Zumindest die Plakatpause scheint allerdings fix zu sein. Beide Teams wollen bis fünf Wochen vor der Wahl keine neuen Sujets affichieren – egal, was der andere tue, hört man sinngemäß von beiden Seiten. Auch Großkundgebungen sind vorerst keine geplant. Ihre Österreichtouren wollen die Kandidaten jedoch fortsetzen. (Katharina Mittelstaedt, 19.9.2016)

  • In Wien werden Dreiecksständer bereits wieder abgebaut.
    foto: reuters / leonhard foeger

    In Wien werden Dreiecksständer bereits wieder abgebaut.

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