"WirtschaftsBlatt": Styria schoss heuer noch 7 Millionen Euro zu

19. September 2016, 08:12
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Jahresabschluss 2015 im Firmenbuch veröffentlicht – Betriebsverlust auf 1,6 Millionen Euro reduziert – Sozialplan-Verhandlungen laufen – Kündigungen ab heute möglich

Wien/Graz – Die Styria Media Group hat dem mittlerweile eingestellten "WirtschaftsBlatt" heuer noch sieben Millionen Euro zugeschossen. Beschlossen wurde der Gesellschafterzuschuss am 30. November 2015, überwiesen wurde die Finanzspritze 2016, wie aus dem kürzlich im Firmenbuch veröffentlichten Jahresabschluss 2015 hervorgeht. Dadurch war das Budget 2016 trotz laufender Verluste ausfinanziert.

Verlust trotz Finanzspritze

Die "volatile Wirtschaftslage und der damit nervöse Anzeigenmarkt" machten dem "WirschaftsBlatt" auch 2015 zu schaffen. Die Erwartungen zum Plan konnten nicht gehalten werden. Der Umsatz stieg nur leicht um 160.000 Euro auf 11,4 Millionen Euro. Der Betriebsverlust (Ebit) betrug 1,6 Millionen Euro, nach 1,9 Millionen Euro 2014. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) war mit 1,9 Millionen Euro negativ, nach einem Minus von 2,3 Millionen Euro im Jahr davor.

Unter Berücksichtigung des Gesellschafterzuschusses wies die WirtschaftsBlatt Medien GmbH zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2015 ein positives Eigenkapital von rund 2,5 Millionen Euro aus, die Eigenkapitalquote betrug 22 Prozent. Wie die Styria auf APA-Anfrage mitteilte, "diente der Kapitalzuschuss zur Abdeckung des negativen Eigenkapitals, wodurch das Vorliegen einer Überschuldung vermieden und die Zahlungsfähigkeit aufrecht erhalten wurde".

Schon 2014 musste die Styria eine Forderung über 4,5 Millionen Euro nachrangig stellen, damit keine insolvenzrechtliche Überschuldung vorlag. Zudem hatte der Mutterkonzern damals eine Verlustabdeckungszusage bis zu einem Höchstbetrag von 5,5 Millionen Euro abgegeben und rund zwei Millionen Euro zugeschossen.

Heuer im August hat der Styria-Vorstand nach jahrelangen Verlusten schließlich die Reißleine gezogen und die Wirtschaftszeitung per 2. September 2016 eingestellt. Der Medienkonzern will sich stattdessen auf die "Kleine Zeitung" und "Die Presse" konzentrieren.

Sozialplan-Verhandlungen laufen

Für die 66 betroffenen Mitarbeiter des "WirtschaftsBlatt" laufen derzeit Sozialplan-Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Bis auf die vier Mitarbeiter der Online-Redaktion sind alle Journalisten seit Anfang September vom Dienst freigestellt. Heute, Montag, endet die einmonatige Frist nach der Anmeldung im AMS-Frühwarnsystem, ab nun dürfen Kündigungen ausgesprochen werden.

Für das laufende Jahr 2016 liegen noch keine Geschäftszahlen vor. Aber schon beim Erstellen der Bilanz 2015 im April dieses Jahres stellte sich die Geschäftsführung auf "ein äußerst schwieriges Werbemarktumfeld" und einen Umsatzrückgang ein. Durch die Restrukturierungsprogramme der vergangenen Jahre sei ein kostenseitiges Gegensteuern kaum mehr möglich, warnte die Geschäftsführung im Lagebericht. "Aufgrund der anhaltenden Verlustsituation werden diverse strategische Optionen geprüft." Vier Monate später war die Entscheidung gefallen: Österreichs einzige Wirtschaftstageszeitung wurde eingestellt.

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